RWE, Milliarden

RWE: 17 Milliarden fĂŒr US-Expansion bis 2031

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 13:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RWE erhĂ€lt 1,22 Mrd. Dollar fĂŒr den RĂŒckzug aus US-Offshore-Projekten und investiert parallel in LNG sowie den Ausbau des NetzgeschĂ€fts.

RWE zieht sich aus US-Offshore-Windkraft zurĂŒck: 1,22 Mrd. Dollar EntschĂ€digung
Moderne Windkraft- und Solaranlagen in einer weiten Landschaft bei Sonnenuntergang als Symbol fĂŒr Investitionen in Erneuerbare. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

RWE hat einen einschneidenden Kurswechsel in seiner US-Strategie vollzogen. Der Essener Energiekonzern einigte sich am Donnerstag mit der US-Regierung auf einen Vergleich ĂŒber den RĂŒckzug aus geplanten Offshore-Windkraftprojekten. FĂŒr die RĂŒckgabe von Pachtrechten vor den KĂŒsten von New York, Kalifornien und Louisiana erhĂ€lt RWE eine EntschĂ€digung in Höhe von 1,22 Milliarden US-Dollar, was rund 1,1 Milliarden Euro entspricht. Im Gegenzug gibt das Unternehmen sĂ€mtliche AnsprĂŒche aus diesen Vorhaben auf.

Strategischer RĂŒckzug und Neuausrichtung in den USA

Hintergrund des Ausstiegs sind geĂ€nderte Rahmenbedingungen fĂŒr die Windkraft auf See. WĂ€hrend die Pachten im Jahr 2022 unter der Biden-Regierung erworben wurden, sah der Konzern unter der Trump-Administration keine GenehmigungsfĂ€higkeit fĂŒr die Projekte mehr gegeben. Medienberichten zufolge hatten politische und rechtliche Auflagen der Behörden die Umsetzung der Windparks erschwert.

Trotz des RĂŒckzugs aus dem Offshore-Bereich bleiben die USA ein zentraler Wachstumsmarkt fĂŒr RWE. Die freiwerdenden Mittel sollen teilweise in die Diversifizierung des Portfolios fließen. So investiert das Unternehmen 900 Millionen Euro in ein FlĂŒssiggasprojekt (LNG) im Bundesstaat Louisiana, um den Bau eines entsprechenden Terminals zu finanzieren. Insgesamt plant RWE, in den nĂ€chsten sechs Jahren rund 17 Milliarden Euro in den USA zu investieren. Ziel ist es, die ErzeugungskapazitĂ€t von derzeit 13 Gigawatt auf 22 Gigawatt bis zum Jahr 2031 auszubauen. Allein im Jahr 2025 wurden bereits neue KapazitĂ€ten von 2 Gigawatt in Betrieb genommen.

Erhöhte Ergebnisziele und Ausbau des NetzgeschÀfts

Das operative GeschĂ€ft lieferte zuletzt starke Impulse. Ende Juli hob RWE seine Prognosen fĂŒr das laufende Jahr sowie fĂŒr 2027 an. FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2026 erwartet das Management nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden Euro. Die ursprĂŒngliche Planung sah einen Korridor von 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro vor. Auch das bereinigte Nettoergebnis soll mit 1,95 bis 2,45 Milliarden Euro deutlich ĂŒber der bisherigen SchĂ€tzung liegen. Besonders die Segmente Onshore/Solar, der Energiehandel sowie die flexible Erzeugung trugen zu dieser Entwicklung bei.

Parallel dazu stĂ€rkt der Konzern sein Standbein im regulierten NetzgeschĂ€ft. Im Juni erhöhte RWE seine Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 Prozent. Die Übernahme der Mehrheit von einem Konsortium institutioneller Finanzinvestoren kostete 3,6 Milliarden Euro. Finanziert wurde dieser Schritt unter anderem durch eine Kapitalerhöhung, bei der neue Aktien zu einem Preis von 54 Euro platziert wurden. Bis 2031 plant RWE weitere Investitionen von 6,5 Milliarden Euro in den Netzausbau, was langfristig stabile ErgebnisbeitrĂ€ge sichern soll.

Marktposition und Ausblick

Am Aktienmarkt spiegelte sich die operative StÀrke zuletzt in einer soliden Performance wider. Die RWE-Aktie ging am Freitag bei einem Kurs von 56,32 Euro aus dem Handel. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier damit ein Plus von 24,44 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch, das Ende April bei 62,00 Euro markiert wurde, ist der Titel aktuell 9,16 Prozent entfernt.

In der kommenden Woche richtet sich der Fokus der Anleger auf die detaillierten GeschĂ€ftszahlen. RWE plant die Veröffentlichung des vollstĂ€ndigen Halbjahresberichts fĂŒr 2026. Neben den bereits kommunizierten Eckdaten zum bereinigten EBITDA von rund 3,01 Milliarden Euro fĂŒr die ersten sechs Monate werden Investoren insbesondere auf Details zur weiteren Kapitalallokation nach dem US-Offshore-Vergleich achten. Auch personell stellt sich das Unternehmen neu auf: Stefanie Wangemann ĂŒbernahm Anfang Juli die Position der konzernweiten Personalchefin von Ulrike Pugh.

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