SAP Aktie: 55 Prozent halten S/ 4HANA auf Servern
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 05:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Umstellung auf moderne Cloud-Strukturen bleibt für den Walldorfer Softwarekonzern SAP ein zweischneidiges Unterfangen. Zwar treiben die Unternehmenskunden ihre Modernisierungsprojekte voran, doch der vollständige Wechsel in die Cloud stößt im Kerngeschäft auf erhebliche Zurückhaltung. Am gestrigen Donnerstag schloss die SAP-Aktie mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 183,50 Euro.
Für SAP steht bei diesem Transformationsprozess viel auf dem Spiel. Der Konzern forciert seit Jahren das Abonnement-Modell über das Internet, um wiederkehrende Erlöse zu steigern. Anwenderunternehmen wägen jedoch weiterhin genau ab, welche Systeme sie tatsächlich auslagern wollen.
Hohe Vorbehalte bei Kernanwendungen
Wie tief die Skepsis in der Praxis sitzt, verdeutlicht eine Erhebung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe. Demnach betreiben 55 Prozent der befragten Mitglieder das Kernsystem S/4HANA weiterhin auf eigenen Servern. Lediglich vier Prozent nutzen dafür bislang die reine Public Cloud.
Die Gründe für das Zögern liegen vor allem in strategischen Bedenken. Fast die Hälfte der befragten Anwender befürchtet eine zu starke Bindung an den Anbieter, während viele Unternehmen Risiken beim Datenschutz sehen. Zudem fordern Nutzervertreter verlässlichere Zeitpläne sowie mehr Transparenz bei den Lizenz- und Preismodellen für neue Softwaregenerationen.
DSAG-Vorstand Jens Hungershausen forderte vor diesem Hintergrund mehr Wahlfreiheit und klar definierte Migrationspfade. Viele Kunden vermissen eine verlässliche Orientierung bei den Support-Zeitachsen und den Kostenstrukturen.
Private Cloud gewinnt an Boden
Dass die Transformation dennoch nicht stillsteht, zeigt eine Untersuchung der Beratungsunternehmen Valantic und Techconsult unter 409 Betrieben. Demnach befinden sich rund 70 Prozent der befragten Firmen bereits mitten in der Umstellung auf S/4HANA oder haben diese abgeschlossen. Nur fünf Prozent planen derzeit überhaupt keine Migration.
Als bevorzugter Mittelweg etabliert sich dabei die Private Cloud, bei der Kunden dedizierte Cloud-Umgebungen nutzen, statt auf öffentliche Standardinfrastrukturen zu setzen. Dieser hybride Ansatz erlaubt es den Unternehmen, bestehende Systeme schrittweise zu modernisieren und gleichzeitig neue Technologien wie künstliche Intelligenz über die Integrationsplattform von SAP anzubinden.
Belastungsfaktoren dämpfen den Börsenkurs
Zusätzlich zur Zurückhaltung bei den Cloud-Vollumstiegen belasten externe Faktoren die Stimmung. SAP weist diese Anschuldigungen zurück und betont die Einhaltung sämtlicher Regeln.
An der Börse spiegeln sich diese Gemengelage und die allgemeine Technologieskepsis wider. Mit dem jüngsten Kursniveau notiert das Papier spürbar unter seinem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro. Für eine nachhaltige Erholung dürfte entscheidend sein, wie schnell SAP bestehende Kunden von den Vorteilen eines vollständigen Cloud-Wechsels überzeugen kann.
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