Scripps Aktie: Buchverlust beflügelt Kurs
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 18:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Verlust von 12,68 Dollar je Aktie klingt nach einer Hiobsbotschaft. Bei E.W. Scripps sorgte er trotzdem für einen Kurssprung von rund einem Viertel. Der Grund: Fast der komplette Fehlbetrag stammt aus einer Bilanzbuchung, nicht aus dem operativen Geschäft — und genau das haben Anleger offenbar goutiert.
Milliarden-Abschreibung verzerrt die Bilanz
Im zweiten Quartal 2026 wies Scripps einen Umsatz von 490,4 Millionen Dollar aus, unter der Analystenerwartung von rund 520 Millionen. Verantwortlich für den Großteil des Verlusts war eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 1,1 Milliarden Dollar auf die Sparte Scripps Networks — Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte mussten wegen des schwachen nationalen Werbemarkts und sinkender linearer TV-Reichweite abgeschrieben werden. Allein dieser Sondereffekt kostete 11,61 Dollar je Aktie.
Operativ zeigte sich ein gemischtes Bild. Das lokale Mediengeschäft hielt sich mit 317 Millionen Dollar Umsatz stabil, der Segmentgewinn kletterte auf 56 Millionen Dollar von 51 Millionen im Vorjahr. Scripps Networks dagegen schrumpfte um 13 Prozent auf 172 Millionen Dollar Umsatz, der Segmentgewinn brach auf 26 Millionen Dollar ein, nach 57 Millionen im Vorjahresquartal. Management macht dafür veränderte Nielsen-Messmethoden, sinkende lineare Zuschauerzahlen und einen schwachen Markt für Direktwerbung verantwortlich.
Politische Werbung und Kostenprogramm treiben die Story
Der eigentliche Lichtblick war die politische Werbung: Mit 28 Millionen Dollar erzielte Scripps im zweiten Quartal einen Rekordwert für dieses Zeitfenster. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen nun mit 225 bis 250 Millionen Dollar aus diesem Bereich — deutlich mehr als die 198 Millionen Dollar der Zwischenwahlen 2022.
Hinzu kommt ein beschleunigtes Sparprogramm. Scripps erwartet inzwischen jährliche Einsparungen von 100 Millionen Dollar bis Jahresende, eine Anhebung gegenüber der bisherigen Prognose. Diese Woche wurden 268 Stellen gestrichen, seit Jahresbeginn summiert sich der Stellenabbau auf rund zwölf Prozent der Belegschaft. Parallel dazu wurden Verteilungsverträge mit Comcast und DirecTV nach zeitweiligen Programmausfällen neu verhandelt — ein Belastungsfaktor im Berichtsquartal, der künftig wegfällt.
Die Verschuldung bleibt allerdings ein Thema. Die Nettoverschuldung lag bei 2,2 Milliarden Dollar, der Verschuldungsgrad stieg von 4,4 auf 4,9 — auch wenn das Unternehmen mit nur 13 Millionen Dollar Kassenbestand und einer bis 2029 verlängerten Kreditlinie über 200 Millionen Dollar operative Flexibilität demonstriert.
Die Analysten-Kursziele spiegeln die Unsicherheit wider: Sie reichen von 3 bis 10 Dollar — ein Spread, der zeigt, wie unterschiedlich das Turnaround-Potenzial eingeschätzt wird. Für das dritte Quartal erwartet das Management ein Umsatzplus von rund 20 Prozent im lokalen Mediengeschäft, während das Kerngeschäft ohne Politik im niedrigen zweistelligen Bereich zurückgehen dürfte — ein Effekt, den Scripps selbst mit dem Verdrängungseffekt der Wahlwerbung erklärt.
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