Silber Preis: Goldman Sachs warnt vor Angebotsverknappung
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 05:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mögliche US-Zölle auf kritische Mineralien sorgen für eine spürbare Verlagerung der weltweiten Silberströme. In einer Rohstoffstudie vom 23. September legte die US-Investmentbank Goldman Sachs dar, dass die anhaltende Zollunsicherheit private Marktteilnehmer zu vorsorglichen Lageraufstockungen veranlasst.
Weil dadurch vermehrt Silber in US-amerikanische Depots transportiert wird, droht außerhalb der Vereinigten Staaten eine zunehmende Verknappung des frei verfügbaren Metalls.
Diese strukturellen Verschiebungen treffen auf einen volatilen Handel. Am Montag geriet die Notierung spürbar unter Abgabedruck. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtete, verzeichnete das Edelmetall im gestrigen Tagesverlauf zeitweise ein Minus von 7 Prozent, belastet durch die Stärke der US-Währung und die Furcht vor längerfristig hohen US-Zinsen. Am Freitag war die Feinunze an der COMEX noch mit 64,71 US-Dollar aus dem Handel gegangen.
Zinsdruck bremst, Angebotsdefizit stützt
Der Gegenwind von den Devisen- und Rentenmärkten ist nicht neu.
Dem geldpolitischen Dämpfer steht jedoch ein anhaltend enges physisches Marktbild gegenüber. Prognosen von Brancheninstitutionen wie Metals Focus und dem Silver Institute beziffern das globale Defizit für das laufende Jahr auf 46,3 Millionen Unzen, nachdem die Unterdeckung im Vorjahr noch bei 40,3 Millionen Unzen gelegen hatte.
Die industrielle Verarbeitung dürfte im laufenden Jahr zwar um 3 Prozent auf 640 Millionen Unzen nachgeben, vermag die Angebotsschere aber nicht zu schließen.
Lagerabbau und geopolitische Handelsrisiken
Auch das Brokerhaus CLSA verweist auf ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen und rechnet vor, dass seit 2021 kumuliert rund 762,1 Millionen Unzen oberirdischer Bestände abgebaut wurden. Zusätzliche Verwerfungen drohen von regulatorischer Seite: Der ETF-Anbieter HanETF wies auf Handelsrisiken im Zusammenhang mit den US-Sanktionen gegen den Iran sowie den Restriktionen im Handel mit China hin, welche die weltweite Versorgung weiter verkomplizieren.
Die Gemengelage aus schrumpfenden Reserven, drohenden Handelshemmnissen und US-Zinsdruck hinterlässt am Markt deutliche Spuren. Mit dem jüngsten Kursniveau notiert das Edelmetall jedoch rund 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar. Für Anleger bleibt die physische Verfügbarkeit abseits der US-Grenzen in den kommenden Monaten eine der entscheidenden Triebfedern.
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