Target Aktie: Steuerbonus verzerrt Bilanz
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 23:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Target hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street pulverisiert — auf den ersten Blick. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 4,11 Dollar, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts, der Umsatz stieg um 5,3 Prozent auf 26,539 Milliarden Dollar. Die Aktie reagierte zunächst mit einem Rücksetzer, drehte dann aber ins Plus — ein Zeichen dafür, dass der Markt die Zahlen erst einordnen musste.
Der Grund für die Verwirrung: Von den 4,11 Dollar Gewinn je Aktie stammen 1,65 Dollar aus einmaligen Zoll-Rückerstattungen in Höhe von 994 Millionen Dollar. Rechnet man diesen Effekt heraus, wuchs der bereinigte Gewinn immer noch um etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr — solide, aber eben nicht die spektakuläre Story, die die Schlagzeilen suggerieren.
Wachstum ja, aber nicht überall
Die operative Marge sprang auf 9,6 Prozent von 5,2 Prozent im Vorjahr, größtenteils getrieben vom Steuerbonus. Die Vergleichsumsätze legten um 3,8 Prozent zu, angetrieben von einem Kundenfrequenz-Plus von 3,6 Prozent. Digital lief mit einem Plus von 8,7 Prozent besonders gut, der Lieferservice am selben Tag wuchs sogar um mehr als 25 Prozent.
Kategorien wie Snacks, Lego-Spielzeug oder günstige Kopfhörer der Eigenmarke Heyday verzeichneten zweistellige Zuwächse. CEO Michael Fiddelke räumte jedoch offen ein, dass Bekleidung und Wohnaccessoires nur "gerade so positiv" abschnitten — ausgerechnet die margenstarken Kategorien, die für eine echte Trendwende sorgen müssten.
Target nutzt den Zoll-Geldsegen zudem gezielt für Preissenkungen: Mehr als 10.000 Artikel wurden im vergangenen Jahr günstiger, rund 95 Prozent der Schulartikel liegen unter dem Vorjahresniveau. Das liest sich wie eine bewusste Strategie, um Marktanteile zurückzugewinnen.
Angehobene Prognose, aber teure Bewertung
Target hob die Jahresprognose bereits zum dritten Mal in Folge an. Die Gewinnspanne für das Geschäftsjahr liegt nun bei 9,90 bis 10,90 Dollar je Aktie, deutlich über der vorherigen Spanne von 7,50 bis 8,50 Dollar. Das Umsatzwachstum soll bei rund 5 Prozent liegen.
Bei einem Kurs von rund 161 Dollar handelt die Aktie mittlerweile zum 21-fachen des Gewinns — nach einem Kursplus von über 50 Prozent seit Jahresbeginn hat der Markt die Erholung also bereits eingepreist. Aktienrückkäufe sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder aufgenommen werden, abhängig von der Cash-Generierung.
Für September ist der Start des Target Beauty Studio in mehr als 600 Filialen angekündigt, ein Vorstoß in den milliardenschweren US-Beautymarkt. Der nächste Quartalsbericht am 18. November dürfte zeigen, ob sich die Erholung bei Bekleidung und Wohnaccessoires fortsetzt oder ob der Zoll-Effekt beim Wegfall eine Lücke hinterlässt, die organisches Wachstum allein nicht schließen kann.
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