Tesla Aktie: Kroatien sagt Ja, Sicherheitsrat sagt Nein
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 00:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Während Tesla in Kroatien grünes Licht für sein Full-Self-Driving-System bekommt, wächst in Brüssel der Widerstand gegen genau jene Funktionen, die das System in Europa umstritten machen. Zwei Entwicklungen, ein Konflikt — und mittendrin ein Analyst, der kurz vor den Quartalszahlen die Erwartungen kappt.
Kroatien folgt, Brüssel bremst
Kroatien hat Teslas überwachtes FSD-System zugelassen, der Rollout im Land soll in Kürze starten. Damit reiht sich das Land in eine wachsende Liste europäischer Staaten ein — nach den Niederlanden im April folgten Belgien und zuletzt Slowenien. Insgesamt haben mittlerweile sechs EU-Staaten die niederländische Zulassung übernommen.
Der große Wurf bleibt aber aus. Eine EU-weite Freigabe würde eine qualifizierte Mehrheit von 15 der 27 Mitgliedstaaten voraussetzen, die zusammen 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren. Eine Abstimmung, ursprünglich für Oktober erwartet, wurde bereits verschoben — frühestens im Dezember könnte es eine Entscheidung geben.
Der europäische Sicherheitsverband ETSC hat sich unterdessen deutlich gegen zwei zentrale Funktionen des Systems positioniert. Die sogenannte "Speed Offset"-Funktion erlaubt es Fahrern, die erkannte Geschwindigkeitsbegrenzung um bis zu 50 Prozent zu überschreiten — aus einem Tempolimit von 50 km/h würden so 75 km/h. Der ETSC argumentiert, dies verstoße gegen eine UN-Regelung für Fahrassistenzsysteme, und fordert die EU-Kommission auf, die Funktion vor der nächsten Sitzung des zuständigen Fachausschusses am 6. Oktober abzulehnen.
Auch eine zweite Funktion, die die Höchstgeschwindigkeit an das umgebende Verkehrsgeschehen anpasst, steht in der Kritik. Der Verband verweist auf einen belgischen Test, bei dem das System Tempo-30-Schilder wiederholt erkannte, aber ignorierte, und in verbotener Weise Radfahrer auf Fahrradstraßen überholte.
JPMorgan senkt Kursziel vor Auslieferungszahlen
Kurz vor den für diese Woche erwarteten Auslieferungszahlen zum dritten Quartal hat JPMorgan-Analyst Rajat Gupta sein Kursziel für Tesla von 445 auf 415 Dollar gesenkt. Gupta rechnet nur noch mit einem Gewinn je Aktie von 36 Cent, deutlich weniger als die zuvor veranschlagten 49 Cent. Als Gründe nennt er Gegenwind bei Zinsen, Vorlaufkosten und Betriebsausgaben.
Für das dritte Quartal erwartet der Analyst einen Absatz von 482.000 Fahrzeugen, für das Gesamtjahr 1,78 Millionen. Gupta sieht das Risiko weiterer Abwärtskorrekturen für die Konsensschätzungen 2027, verweist aber zugleich auf langfristige Chancen bei Robotaxi und dem Optimus-Roboter als mögliche Stützen für die Aktie.
Die Gemengelage bleibt damit zweigeteilt: Auf der Straße gewinnt FSD Land für Land an Boden, während sich in Brüssel der regulatorische Widerstand verhärtet. Die nächste Weichenstellung fällt am 6. Oktober, wenn der EU-Fachausschuss erneut über die Zukunft der Technologie berät.
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