Tether, Conduit

Tether: Conduit verklagt Stablecoin-Riesen

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Conduit verlangt die Freigabe eingefrorener Gelder und fordert zusÀtzlich 2,76 Millionen Dollar Schadenersatz von Tether.

Tether vor Gericht: Conduit fordert Freigabe von 2,76 Millionen Dollar
Ein minimalistischer Konferenzraum mit Blick auf eine Stadt, der eine neutrale, professionelle AtmosphÀre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Ein Zahlungsdienstleister zieht gegen den grĂ¶ĂŸten Stablecoin-Emittenten vor Gericht. Conduit wirft Tether vor, 2,76 Millionen Dollar eingefroren zu haben, ohne BegrĂŒndung und seit mehr als einem Jahr. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf Tethers Macht, USDT nach eigenem Ermessen zu sperren.

Wallet als Betriebskonto

Die Klage ging am Montag beim Bundesgericht fĂŒr den sĂŒdlichen Bezirk von New York ein. Betroffen ist laut Conduit die Treasury-Wallet, das digitale Pendant zum operativen Bankkonto. Tether sperrte sie am 24. September 2025. Seither blieben die Mittel gesperrt.

Conduit wickelt Zahlungen mit Stablecoins wie USDT und Circles USDC in mehr als 100 LĂ€ndern ab. Die Wallet verarbeitete nach Unternehmensangaben binnen rund vier Monaten ĂŒber 1,1 Milliarden Dollar Volumen. Die Sperre habe LiquiditĂ€t gekostet und zu Entlassungen und BĂŒroschließungen gefĂŒhrt.

Brasilianische Ermittlungen als Auslöser

Den Hintergrund bildet eine Untersuchung der brasilianischen Bundespolizei gegen Umfeld und Kunden der Firma Onix, die Conduits Plattform frĂŒher genutzt hatte. Conduit weist jede Verbindung zurĂŒck. Onix sei seit April 2025 nicht mehr auf der Plattform aktiv gewesen, die Wallet sei erst rund einen Monat spĂ€ter entstanden und habe nie Gelder von Onix gehalten.

Die Polizei habe bestĂ€tigt, die Wallet nie zur Sperrung markiert zu haben, und kenne Tethers Kriterien nicht. Ein brasilianisches Gericht habe zudem festgestellt, dass Conduit nicht Gegenstand der Ermittlungen sei. Die Entscheidung habe demnach Tethers eigene Einheit fĂŒr FinanzkriminalitĂ€t getroffen.

Die Klage stĂŒtzt sich unter anderem auf Veruntreuung fremden Eigentums (Conversion), ungerechtfertigte Bereicherung, Verletzung von Treuepflichten und Computerbetrug. Conduit verlangt die Freigabe der Gelder und zusĂ€tzlich weitere 2,76 Millionen Dollar als Schadenersatz und abgeschöpfte ErtrĂ€ge. Tether kassiere weiter Zinsen auf die US-Staatsanleihen, die die gesperrten Token decken. Conduit betont: "Conduit owes no money to Tether."

Wachsender Druck von zwei Seiten

Der Fall steht nicht allein. Tether wurde in diesem Jahr bereits wegen einer Sperre ĂŒber 42,4 Millionen Dollar verklagt. Zuletzt fror der Konzern gemeinsam mit Circle Gelder im Zusammenhang mit dem Bitget-Hack ein.

Politisch kommt der Druck aus der Gegenrichtung. Senator Richard Blumenthal nannte USDT jĂŒngst einen "Superhighway" zur Umgehung von Sanktionen und verwies auf die Nutzung durch den Iran. Tether muss sich also gleichzeitig gegen den Vorwurf zu laxer und willkĂŒrlicher Sperren verteidigen. Ob das Gericht Conduits Darstellung folgt, hĂ€ngt nun davon ab, wie Tether seine Entscheidung im Verfahren begrĂŒndet.

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