Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: 49 Prozent fĂŒr AktionĂ€re

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 14:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp-AktionĂ€re stimmen fĂŒr die Abspaltung des WerkstoffhĂ€ndlers TK Accelis. Die Anteile werden direkt ins Depot gebucht, der Konzern behĂ€lt die Mehrheit.

Thyssenkrupp: AktionÀre segnen Ausgliederung von TK Accelis ab
Industrielle Stahlanlage bei goldenem Licht, symbolisierend StabilitĂ€t und industrielle Fertigung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die außerordentliche Hauptversammlung des Ruhrkonzerns hat am Freitag der Ausgliederung des WerkstoffhĂ€ndlers TK Accelis mit der notwendigen Mehrheit zugestimmt. Damit nimmt der dritte große Konzernumbau nach den VerselbststĂ€ndigungen von TKMS und Thyssenkrupp Nucera konkrete Formen an. Einen genauen Termin fĂŒr die Eintragung gibt es noch nicht, Beobachter rechnen mit Ende Oktober.

AktionÀre erhalten 49 Prozent, Mutterkonzern bleibt Mehrheitseigner

Nach dem Beschluss sollen den Thyssenkrupp-AktionĂ€ren 49 Prozent der Anteile an der TK Accelis Group AG & Co. KGaA direkt ins Depot gebucht werden. Der Konzern selbst behĂ€lt mit 51 Prozent die Kontrolle ĂŒber den WerkstoffhĂ€ndler. Im zurĂŒckliegenden GeschĂ€ftsjahr erwirtschaftete das GeschĂ€ft mit mehr als 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Mittelfristig peilt das Management ein jĂ€hrliches Umsatzwachstum von ĂŒber 4 Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 4 und 5 Prozent an.

FĂŒr das Spin-off-Narrativ hatte die Deutsche Bank bereits Ende Juli einen Akzent gesetzt: Nach einer Kapitalmarktveranstaltung von TK Accelis hob Analyst Bastian Synagowitz am 22. Juli sein Kursziel fĂŒr Thyssenkrupp von 14,50 auf 16 Euro an und beließ die Einstufung bei „Buy". Er beschrieb die Ausgliederung der frĂŒheren Sparte Materials Services als eine Art Sachdividende – ein GeschĂ€ft, an dem der Konzern festhalten sollte. Die EinschĂ€tzung liegt inzwischen mehr als zwei Wochen zurĂŒck, bleibt aber als Kontext zur aktuellen Neuordnung relevant.

Zwischenbericht und Nucera-Zahlen stehen bevor

Am 13. August veröffentlicht Thyssenkrupp den Zwischenbericht fĂŒr die ersten neun Monate des GeschĂ€ftsjahres 2025/2026. CEO Miguel Ángel LĂłpez Borrego und CFO Dr. Axel Hamann erlĂ€utern die Zahlen ab 11:00 Uhr in einer Analysten-Telefonkonferenz. Einen Tag zuvor, am 12. August, meldet sich die Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Nucera mit ihrer eigenen Quartalsmitteilung.

Bei Nucera dĂŒrfte der Blick auf das WasserstoffgeschĂ€ft besonders kritisch ausfallen. In den drei Monaten bis Ende Juni fiel der Konzernumsatz im Jahresvergleich um rund ein FĂŒnftel auf 145 Millionen Euro, verdreifachte sich damit aber gegenĂŒber dem schwachen Vorquartal fast. Der operative Verlust schrumpfte im Quartalsvergleich deutlich auf 2 Millionen Euro, nach einem Minus von 65 Millionen Euro im zweiten Quartal. Der Umsatz mit grĂŒnem Wasserstoff brach nach neun Monaten allerdings um 79 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr ein, und der Auftragseingang in diesem Segment fiel im dritten Quartal auf lediglich 3 Millionen Euro, nach 13 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die positive Umsatzentwicklung insgesamt geht vor allem auf vorgezogene Chlor-Alkali-Projekte zurĂŒck, die eigentlich erst im vierten Quartal hĂ€tten realisiert werden sollen.

Kursreaktion und institutionelles Interesse

Die Thyssenkrupp-Aktie schloss am Freitag bei 12,54 Euro, nahezu unverĂ€ndert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,06 Prozent, und zum 52-Wochen-Hoch von 13,34 Euro vom 10. Oktober 2025 fehlen dem Titel nur noch 5,92 Prozent. Der Kurs bewegt sich damit weiterhin nahe seinen JahreshöchststĂ€nden, wĂ€hrend der Umbau in die drei eigenstĂ€ndigen Sparten TKMS, Nucera und kĂŒnftig Accelis voranschreitet.

Auch bei den institutionellen Investoren bleibt der Konzern im Fokus: Die Fondsgesellschaft Amundi meldete Ende Juli eine Stimmrechtsbeteiligung von 4,82 Prozent, unter Einbeziehung von Instrumenten summiert sich der Anteil auf 5,06 Prozent. Parallel dazu belastet die Niedrigwasser-Lage am Rhein die Logistik der Stahlsparte: Ein Ökonom des Instituts der deutschen Wirtschaft bezeichnete die Situation als „dramatisch", was laut Marktbeobachtern kurzfristig die Rohstoffversorgung von Thyssenkrupp Steel Europe ĂŒber die Binnenschifffahrt beeintrĂ€chtigen kann. Die europĂ€ische Stahlproduktion insgesamt liegt trotz eines Anstiegs von 9 Prozent im ersten Halbjahr mit hochgerechnet rund 37 Millionen Tonnen weiterhin unter der als tragfĂ€hig geltenden Marke von 40 Millionen Tonnen – ein Umfeld, in dem sich die Neuausrichtung des Konzerns bewĂ€hren muss.

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