Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: Inovance-Kooperation für Steer-by-Wire

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
JPMorgan erhöht das Kursziel auf 17 Euro, bleibt neutral; Abspaltung und Kooperation belegen noch keine höheren Gewinne.
thyssenkrupp AG (DE0007500001): isometrisches 3D-Diagramm der industriellen Wertschöpfungskette von Roherz bis zum fertigen Aufzug Illustration mit AI erstellt.

Bei Thyssenkrupp überzeugt mich derzeit die Aussicht auf eine bessere Konzernstruktur stärker als die Aussicht auf kurzfristige Gewinnüberraschungen. Genau darin liegt das Problem für die Aktie: Organisatorische Fortschritte sind noch kein Beleg für höhere Erträge.

Die am 15. Oktober veröffentlichte Einschätzung von JPMorgan liefert dafür einen wichtigen Hinweis. Trotz eines höheren Kursziels blieb die Einstufung bei „Neutral“. Für mich spricht das gegen eine Neubewertung allein auf Basis der angekündigten Veränderungen.

Höhere Erwartungen sind noch kein Ergebnis

JPMorgan hob das Kursziel von 15 auf 17 Euro an. Analyst Dominic O’Kane verwies auf mögliche Stahlpreiserhöhungen und eine erwartete Gewinnbeschleunigung im Jahr 2027. Zugleich sah er vor den anstehenden Quartalsberichten wenig Spielraum für positive Gewinnüberraschungen.

Diese Kombination verdient mehr Aufmerksamkeit als die Zielanhebung allein. Eine günstigere Perspektive und eine zurückhaltende Einstufung widersprechen sich nicht. Sie bedeuten vielmehr: Das Unternehmen könnte sich besser entwickeln, ohne deshalb kurzfristig die Erwartungen zu übertreffen. Wer nur das höhere Kursziel betrachtet, blendet den entscheidenden Vorbehalt aus.

Auch die Kursentwicklung verlangt aus meiner Sicht eine solche Unterscheidung. Seit Jahresanfang steht für die Aktie ein Plus von 46% zu Buche. Das ist kein Beweis für eine überzogene Bewertung. Es erhöht für mich aber die Bedeutung der Frage, ob die nächsten Geschäftszahlen die Hoffnungen auf bessere Ergebnisse tatsächlich stützen.

Die mögliche Gewinnbeschleunigung bleibt eine Erwartung. Ebenso sind mögliche Stahlpreiserhöhungen noch keine realisierten Ergebnisbeiträge. Für die Einordnung der Aktie sollte deshalb nicht nur zählen, welche Verbesserungen denkbar sind. Entscheidend ist auch, welche davon Thyssenkrupp mit den nächsten Berichten belegen kann.

Die Abspaltung ersetzt keinen Ertragsnachweis

Die geplante Börsennotierung von tk accelis ist ein konkreter struktureller Schritt. Nach Unternehmensangaben ist die Abspaltung samt Zuteilung für den 27.10.2026 vorgesehen. Die Erstnotierung im Prime Standard der Frankfurter Börse soll am 28.10.2026 folgen.

Für Anleger schafft das einen klaren Terminanker. Ich würde daraus aber keine automatische Aussage über die operative Stärke von Thyssenkrupp ableiten. Eine veränderte Beteiligungsstruktur und eine verbesserte Ertragslage sind unterschiedliche Dinge. Der Börsenstart kann die Bewertung einzelner Beteiligungen erleichtern; einen Gewinnanstieg garantiert er nicht.

Vorgesehen ist die Zuteilung einer tk-accelis-Aktie je 20 Thyssenkrupp-Aktien. Thyssenkrupp soll 51 Prozent behalten.

Damit ist die Abspaltung aus meiner Sicht eher als Neuordnung denn als vollständiger Abschied zu verstehen. Die verbleibende Mehrheitsbeteiligung gehört zur wirtschaftlichen Einordnung ebenso wie die direkte Zuteilung an die Aktionäre. Wer lediglich auf den Börsentermin schaut, greift deshalb zu kurz. Für das Urteil über Thyssenkrupp bleibt relevant, wie sich die Geschäfte entwickeln.

Fortschritte verdienen Anerkennung, Erwartungen einen Abschlag

Auch die vereinbarte Zusammenarbeit der Automotive-Sparte mit Inovance Automotive passt in dieses Bild. Das Memorandum of Understanding betrifft Steer-by-Wire und richtet sich zunächst auf China. Weitere internationale Märkte sind perspektivisch vorgesehen.

Eine solche Vereinbarung eröffnet Möglichkeiten. Sie ist aber nicht mit einem Auftrag für den Gesamtkonzern gleichzusetzen. Deshalb wäre es verfrüht, daraus konkrete zusätzliche Erträge abzuleiten. Strategische Absichten verdienen Aufmerksamkeit, sollten in der Bewertung jedoch nicht denselben Stellenwert wie nachgewiesene Geschäftserfolge erhalten.

Unterm Strich überwiegt für mich deshalb eine abwartend-kritische Haltung. Thyssenkrupp setzt strukturelle Schritte um und arbeitet an technologischen Kooperationen. Das spricht gegen ein pauschal negatives Urteil. Für eine überzeugend positive Einschätzung reicht es mir dennoch nicht: Den entscheidenden Nachweis müssen die Ergebnisse liefern, nicht die Zahl der Veränderungsprojekte.

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