Thyssenkrupp Aktie: TKMS hebt Prognose auf 10-12 Prozent
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 17:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Thyssenkrupp-Konzern zeigt an diesem Mittwoch, wie unterschiedlich seine Beteiligungen laufen: Während die Rüstungssparte TKMS ihre Jahresprognose kräftig anhebt, muss die Wasserstofftochter Nucera erneut ihre Ziele senken. Die Thyssenkrupp-Aktie legt am Mittag um 3,74 Prozent auf 12,48 Euro zu und profitiert damit sichtbar von den starken Zahlen der Marinesparte.
TKMS hebt Prognose deutlich an
Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) meldete für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 einen Umsatzanstieg von 19 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro und übertraf damit den Konsens von 101 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte zum Ende Juni mit 20,1 Milliarden Euro einen Rekordwert.
Angesichts dieser Entwicklung hob TKMS die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf ein Wachstum von 10 bis 12 Prozent an – zuvor waren lediglich 2 bis 5 Prozent avisiert. Die operative Marge soll bis auf 6,5 Prozent steigen.
Treiber der Nachfrage sind Bestellungen aus mehreren Ländern: Norwegen bestellte zwei U-Boote, die deutsche Marine vier Fregatten, und Indien verhandelt derzeit über sechs weitere U-Boote. Auch Kanada gilt als bevorzugter Bieter für ein Zwölf-U-Boot-Programm, wobei der Vertrag noch nicht final ist.
TKMS-Chef Oliver Burkhard betonte laut Mitteilung die starke Positionierung des Unternehmens. Der Bernstein-Analyst Adrien Rabier rechnet nach den Zahlen mit einer möglichen Anhebung mittelfristiger Ziele durch den Konsens.
Nucera senkt Prognose wegen SOEC-Ausstiegs
Ein anderes Bild zeichnet die an der Börse notierte Wasserstofftochter Nucera. Sie steigerte den Auftragseingang in den ersten neun Monaten zwar um 96 Prozent auf 471 Millionen Euro, angetrieben unter anderem von einem Großauftrag des Energiekonzerns Moeve für einen 300-Megawatt-Elektrolyseur in Südeuropa.
Der Konzernumsatz brach im selben Zeitraum jedoch auf 354 Millionen Euro ein, nach 663 Millionen Euro im Vorjahr. Das EBIT rutschte auf minus 69 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Grund für die Verschlechterung ist der Ausstieg aus der geplanten Serienfertigung von SOEC-Stacks, einer Feststoffoxid-Elektrolysetechnologie. Nucera begründete den Schritt damit, dass eine eigene Fertigung kein wirtschaftlich attraktives Modell biete. Der Ausstieg verursachte im vierten Quartal einen Einmaleffekt von rund 30 Millionen Euro.
In der Folge senkte das Unternehmen seine Jahresprognose spürbar: Das EBIT soll nun zwischen minus 105 und minus 75 Millionen Euro liegen, zuvor waren minus 80 bis minus 30 Millionen Euro angepeilt. Der Umsatz wird auf 450 bis 500 Millionen Euro taxiert, der Auftragseingang auf 550 bis 670 Millionen Euro – deutlich weniger als die zuvor genannten bis zu 850 Millionen Euro.
Innerhalb der Sparten zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Das Chlor-Alkali-Geschäft lief stabil, mit einem Auftragsplus von 32 Prozent auf 288 Millionen Euro und einem EBIT von 38 Millionen Euro. Das Segment grüner Wasserstoff dagegen verzeichnete einen Umsatzeinbruch und ein EBIT von minus 107 Millionen Euro.
Nucera-Finanzchef Stefan Hahn verwies auf den Fokus auf Kostenkontrolle und finanzielle Flexibilität; die Nettofinanzposition lag zum 30. Juni bei 627 Millionen Euro.
Was das für Thyssenkrupp-Anleger bedeutet
Für die Thyssenkrupp-Mutteraktie überwiegt an diesem Handelstag der positive Impuls aus dem Rüstungsgeschäft. Der Kurs notiert derzeit rund 22 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt und hat sich seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel verteuert.
Zum 52-Wochen-Hoch von 13,34 Euro, erreicht im Oktober, fehlen dem Papier allerdings noch gut sechs Prozent. Die divergierende Entwicklung der Tochtergesellschaften unterstreicht, wie stark der Konzernwert derzeit von der Rüstungssparte getragen wird, während die Wasserstoffambitionen bei Nucera vorerst zurückstecken müssen.
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