ThyssenKrupp, Nucera

ThyssenKrupp Nucera Aktie: Auftragseingang fast verdoppelt auf 471 Millionen

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 15:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ThyssenKrupp Nucera stoppt SOEC-Massenfertigung, verbucht 30 Mio. Euro Abschreibung und verdoppelt dank grüner Großprojekte fast den Auftragseingang.

ThyssenKrupp Nucera: Ausstieg aus SOEC-Serienfertigung, Auftragsboom bei Wasserelektrolyse
Industrielle Wasserstoff-Elektrolyseanlage in einer modernen, hellen Produktionshalle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Elektrolyse-Spezialist ThyssenKrupp Nucera ordnet seine Prioritäten im zukunftsträchtigen Wasserstoffmarkt neu. Das Unternehmen zieht sich aus der geplanten Serienfertigung der Hochtemperatur-Elektrolyse (SOEC) am Standort Arnstadt zurück und reagiert damit auf eine sich verändernde Marktdynamik.

Während diese Entscheidung kurzfristig die Bilanz belastet, unterstreichen kräftige Zuwächse beim Auftragseingang im Kerngeschäft die anhaltende Relevanz der alkalischen Elektrolyse für industrielle Großprojekte.

Strategischer Rückzug bei der Hochtemperatur-Technologie

Die Pläne für eine Massenfertigung von SOEC-Modulen in Arnstadt sind vorerst vom Tisch. Wie heute bekannt wurde, wird die ursprünglich für das Jahr 2029 vorgesehene Fabrik mit einer jährlichen Kapazität von 300 Megawatt nicht realisiert.

Hintergrund für diesen Schritt ist eine unzureichende Marktdynamik für diese spezifische Technologieform. ThyssenKrupp Nucera stellt die Entwicklung jedoch nicht vollständig ein: Eine Pilotanlage mit einer Leistung von 8 Megawatt soll gemeinsam mit dem Partner Fraunhofer IKTS zu Forschungszwecken weiterbetrieben werden.

Dieser Kurswechsel bleibt nicht ohne finanzielle Folgen. Das Unternehmen verbucht im Zuge des Ausstiegs Abschreibungen in Höhe von rund 30 Millionen Euro. Infolgedessen wurde die Prognose für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 angepasst.

Das Management erwartet nun ein EBIT in einer Spanne von minus 105 Millionen Euro bis minus 75 Millionen Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 7,85 Euro und liegt damit knapp 2,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine erste Stabilisierung des Kurses nach den Nachrichten der vergangenen Woche hindeutet.

Auftragsschub durch grüne Großprojekte

Trotz der Belastungen durch die strategische Neuausrichtung verzeichnet das operative Geschäft im Bereich des grünen Wasserstoffs eine deutliche Belebung. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, konnte der Auftragseingang in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres nahezu verdoppelt werden.

Mit 471 Millionen Euro lag dieser Wert massiv über dem Vorjahresniveau von 241 Millionen Euro. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch die Nachfrage nach Großprojekten zur Erzeugung von grünem Wasserstoff.

Ein Beispiel für diese Dynamik ist ein neuer Auftrag aus Südeuropa. Das spanische Energieunternehmen Moeve hat ThyssenKrupp Nucera mit einem 300-Megawatt-Elektrolyse-Projekt beauftragt. Der Vertrag umfasst neben der Hardware auch ein langfristiges Servicepaket, bei dem Digital-Twin-Technologie zum Einsatz kommt, um den Betrieb der Anlage effizient zu überwachen.

Solche Erfolge sind für das Unternehmen essenziell, da der Konzernumsatz im Berichtszeitraum mit 354 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahr blieb. Dieser Rückgang ist laut Unternehmensangaben darauf zurückzuführen, dass Umsatzerlöse aus früheren Großaufträgen wie dem NEOM-Projekt bereits zu großen Teilen in vorangegangenen Perioden verbucht wurden.

Stabilität durch das Chlor-Alkali-Geschäft

Während das Segment für grünen Wasserstoff hohe Investitionen erfordert, erweist sich der klassische Bereich Chlor-Alkali weiterhin als verlässlicher Ertragsbringer. In den ersten neun Monaten steuerte dieses Segment ein EBIT von 38 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei.

Die globale Präsenz in diesem Bereich wurde erst kürzlich unterstrichen, als das Unternehmen eine neue Anlage an den Kunden Chlorum Solutions im brasilianischen Palmeira übergab.

Anleger blicken derweil auf eine gemischte Performance seit Beginn des Kalenderjahres zurück, in dem der Titel einen Rückgang von 12 Prozent verzeichnete. Die nun forcierte Konzentration auf die alkalische Elektrolyse und der gleichzeitige Stopp kostspieliger Serienfertigungspläne für Nischentechnologien markieren einen deutlichen Fokus auf Profitabilität und Marktreife.

Die Konzernmutter ThyssenKrupp AG treibt parallel dazu ihre eigene Umgestaltung voran, was durch die jüngste Zustimmung zur Verselbstständigung der Werkstoffsparte unterstrichen wird. Für die Tochter Nucera bedeutet dies ein Umfeld, in dem Effizienz und die Sicherung von Marktanteilen in der Wasserstoff-Großserie oberste Priorität genießen.

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