Tilray Aktie: DEA-Entscheidung bis 17. August im Fokus
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 04:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ungewöhnlich hohe OptionsaktivitĂ€t hat die Tilray-Aktie diese Woche ins Rampenlicht gerĂŒckt. Der Grund: Anleger positionieren sich vor einer möglichen Neueinstufung von Cannabis auf Bundesebene in den USA. Die Bewegung trifft eine Aktie, die schon seit Wochen durch Rekordzahlen im GeschĂ€ftsjahr 2026 stark schwankt.
OptionshÀndler steigen ein
Am 3. August meldete der Datendienst TipRanks zum Handelsstart auffĂ€llig aktive Optionsklassen bei Tilray. Wenige Tage zuvor hatte bereits ein Bericht ĂŒber die globale Expansion des Unternehmens fĂŒr Aufsehen gesorgt.
Die Tilray-Aktie bewegte sich am selben Tag zwischen 4,59 und 4,94 US-Dollar. Das Handelsvolumen lag bei 2,87 Millionen Aktien, deutlich unter dem Tagesdurchschnitt von 5,6 Millionen. Zum Vergleich: Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 23,20 US-Dollar, das Tief bei 3,67 US-Dollar.
DEA-Frist rĂŒckt in den Fokus
Die erhöhte Derivate-AktivitĂ€t hat einen klaren Auslöser. Die US-Drogenbehörde DEA hat eine Anhörung abgehalten, um ĂŒber eine Neueinstufung von Cannabis in die weniger strenge Kategorie Schedule III zu entscheiden. NachtrĂ€gliche Stellungnahmen mĂŒssen bis zum 17. August eingereicht werden, danach folgt die Empfehlung eines Richters.
Genau dieser Termin ist zum zentralen Kurstreiber geworden. Eine Neueinstufung wĂŒrde medizinische und regulatorisch konforme Vertriebswege in den USA öffnen â und damit Tilrays Strategie eines US-âMedizinplattform"-Modells bestĂ€tigen. Anleger haben das ganze Jahr ĂŒber auf Schlagzeilen rund um diesen Prozess reagiert, was zeigt, wie empfindlich die Aktie auf Signale aus Washington bleibt.
Das Risiko liegt auf der Hand: Verzögert oder blockiert der DEA-Prozess die Neueinstufung, bleibt die US-Expansion monatelang eingefroren.
Analysten uneins
Die OptionshĂ€ufung fĂ€llt mit einem gespaltenen Analystenbild zusammen, nachdem Tilray Rekordzahlen fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2026 vorgelegt hat. Derek Lessard von TD Cowen bestĂ€tigte seine Kaufempfehlung mit Kursziel 5 US-Dollar. Frederico Gomes von ATB und Aaron Grey von Alliance Global blieben bei âHalten", mit Kurszielen von 8 beziehungsweise 5 US-Dollar.
Insgesamt zĂ€hlt FactSet drei Kaufempfehlungen, sechs Halten-Einstufungen und keine einzige Verkaufsempfehlung. Der Median des Kursziels liegt bei 5 US-Dollar, rund 12 Prozent ĂŒber dem aktuellen Niveau. Der Durchschnittswert von 7,47 US-Dollar wird durch einen AusreiĂer von 19 US-Dollar nach oben verzerrt.
Die ZurĂŒckhaltung bleibt bestehen, obwohl sich das operative GeschĂ€ft verbessert. Tilray erwartet fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2027 ein bereinigtes EBITDA zwischen 68 und 75 Millionen US-Dollar â ein Plus von etwa 11 bis 23 Prozent gegenĂŒber den 61,1 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Der Umsatz soll die Marke von einer Milliarde US-Dollar ĂŒbersteigen, eine konkrete Umsatzspanne nennt das Management allerdings nicht.
Bei der Gewinnprognose zeigt sich die andere Seite der Medaille. Die erwartete Verlust je Aktie fĂŒr 2027 ist von minus 0,39 auf minus 0,47 US-Dollar gesunken. Die ProfitabilitĂ€tsfrage bleibt also trotz wachsendem Umsatz ungelöst.
GetrÀnke wachsen, Cannabis bringt den Gewinn
Die Optionsströme spiegeln auch eine strukturelle Verschiebung im GeschĂ€ft wider. Nicht-Cannabis-Sparten treiben zunehmend das Wachstum, wĂ€hrend Cannabis ĂŒberproportional profitabel bleibt.
Im vergangenen Quartal steuerte der GetrÀnke- und Vertriebsbereich 50,9 Millionen US-Dollar zum Umsatzplus von 57,2 Millionen US-Dollar bei. Die GetrÀnkesparte wuchs um 61 Prozent, der Vertrieb um 15 Prozent. Cannabis legte dagegen nur um 5 Prozent zu.
Auf Jahressicht erwirtschafteten die Nicht-Cannabis-Sparten 71 Prozent des Umsatzes im GeschĂ€ftsjahr 2026. Beim Rohertrag dreht sich das Bild jedoch um: Cannabis lieferte 41 Prozent des Bruttogewinns bei nur 29 Prozent Umsatzanteil. Diese Kluft erklĂ€rt, warum OptionshĂ€ndler in beide Richtungen absichern â eine positive Schedule-III-Entscheidung wĂŒrde vor allem das margenstarke Cannabis-GeschĂ€ft beflĂŒgeln, wĂ€hrend GetrĂ€nke und Vertrieb aktuell das Umsatzwachstum tragen.
Bis zum 17. August dĂŒrfte die OptionsaktivitĂ€t hoch bleiben, wĂ€hrend Trader sich auf die anstehende Entscheidung vorbereiten. Danach entscheidet sich, ob Tilrays diversifiziertes GeschĂ€ftsmodell die aktuelle Bewertung rechtfertigt oder ob die Aktie an der DEA-HĂŒrde erneut scheitert.
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