TKMS Aktie: 8-Milliarden-Euro-Vertrag mit Indien
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 16:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
TKMS steht offenbar kurz vor der Unterzeichnung eines der größten Rüstungsgeschäfte seiner jüngeren Geschichte. Der deutsche Botschafter in Indien, Philipp Ackermann, erklärte, der Abschluss des U-Boot-Programms „Project-75I“ mit der indischen Werft Mazagon Dock Shipbuilders stehe unmittelbar bevor. Die Unterzeichnung des Vertrags über sechs konventionelle U-Boote mit einem geschätzten Volumen von rund 8 Milliarden Euro soll noch im August erfolgen.
Auftragspipeline füllt sich weltweit
Der mögliche Indien-Deal reiht sich in eine Serie von Fortschritten ein, die den Kieler Rüstungskonzern zuletzt beschäftigt haben. Erst vor wenigen Tagen hatte das kanadische Verteidigungsministerium TKMS als bevorzugten Anbieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“ ausgewählt. Dieses Programm sieht bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD vor, das geschätzte Gesamtvolumen liegt initial bei 20 Milliarden Euro.
Auch im heimischen Geschäft kommt TKMS voran. Der Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigte Mitte Juli die Beschaffung von vier Fregatten der Klasse 128, bekannt als MEKO A-200 DEU, im Wert von rund 6,3 Milliarden Euro. TKMS ist für dieses Programm als Hauptauftragnehmer gesetzt. Ergänzend dazu unterzeichnete der schwedische Rüstungskonzern Saab einen Vertrag über 787 Millionen Euro mit TKMS zur Lieferung und Integration von Führungs- und Waffeneinsatzsystemen für die neuen Fregatten, wie Reuters berichtete.
Werftenallianz nimmt Form an, Übernahmeplan gescheitert
Parallel zum Auftragswachstum treibt TKMS den Aufbau einer europäischen Werftenallianz voran. CEO Oliver Burkhard konkretisierte zuletzt die Pläne für einen sogenannten „Seabus“, bei dem Teile künftiger U-Boot-Aufträge zur Kapazitätserweiterung an die spanische Staatswerft Navantia gehen sollen. Ende Juli unterzeichneten beide Unternehmen bereits ein zweites Memorandum of Understanding, das einen gemeinsamen Kooperationsrahmen für die Produktion und Vermarktung von U-Booten und Überwasserschiffen bis Ende 2026 schaffen soll.
Nicht jede Wachstumsidee ging jedoch auf. TKMS zog sein unverbindliches Übernahmeangebot für die Werft German Naval Yards Kiel von CMN Naval zurück. Burkhard begründete dies damit, dass nach der Due Diligence kein Einvernehmen über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erzielt werden konnte. Der Rückzug zeigt, dass der Konzern trotz der Fülle an Aufträgen selektiv bei Zukäufen bleibt und sich nicht auf jedes Geschäft einlässt, das sich bietet.
Israel-Lieferung abgeschlossen, Blick auf Quartalszahlen
Im operativen Geschäft konnte TKMS zudem einen langjährigen Auftrag abschließen: Im Kieler Hafen übergab die Werft das U-Boot „Drakon“ der Dolphin-II-Klasse an die israelische Marine. Es ist die letzte von sechs Einheiten dieser Klasse, die für Israel gebaut wurden.
Der Terminkalender rückt nun in Richtung der Quartalszahlen. Am 12. August veröffentlicht TKMS den Zwischenbericht zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026. Der Analystenkonsens rechnet mit einem Umsatz von 632,0 Millionen Euro, was einem Plus von 19,87 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche, sowie mit einem Ergebnis je Aktie von 0,47 Euro.
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt stabilisiert. Am Freitag schloss das Papier bei 82,00 Euro, ein Plus von 1,49 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Tage summierte sich der Kursgewinn auf 7,19 Prozent. Zum bisherigen Jahreshoch von 106,58 Euro, notiert Ende Oktober 2025, fehlen dem Kurs aktuell noch rund 23 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Serie positiver Nachrichten die Bewertung bislang nicht auf neue Höchststände getrieben hat, der Markt aber auch nach der Korrektur vom November eine deutliche Erholung eingepreist hat. Mit Blick auf die anstehenden Quartalszahlen und den möglichen Indien-Vertragsabschluss dürfte sich zeigen, ob die Auftragsflut auch bilanziell ankommt.
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