Volkswagen Aktie: 100.000 Stellen und Halbierung der Modellpalette
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 21:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Volkswagen steckt in einem offenen Machtkampf um die Zukunft des Konzerns. Medienberichten zufolge erwägt das Management den Abbau von rund 100.000 Arbeitsplätzen – etwa ein Sechstel der weltweiten Belegschaft – und will die Modellpalette auf etwa 75 Baureihen halbieren, um die Produktionskapazitäten deutlich zu senken. Die Pläne werden bekannt, nur einen Tag nachdem der Aufsichtsrat einen anderen, ebenfalls drastischen Sparkurs vorerst gestoppt hatte.
Aufsichtsrat bremst, Druck von außen bleibt
Am Montag hatte das Kontrollgremium laut Berichten Pläne für Werksschließungen und massiven Stellenabbau in Deutschland zunächst blockiert. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat leisteten Widerstand gegen die Schärfe der Einschnitte.
Die neuen, weiter gefassten Überlegungen zu einem globalen Stellenabbau und einer schrumpfenden Modellpalette zeigen jedoch, dass der Druck auf die Konzernführung nicht nachlässt.
Befeuert wird dieser Druck auch vom Hauptaktionär: Porsche SE meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 2,2 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein bereinigter Gewinn von 949 Millionen Euro zu Buche stand.
Grund waren massive Wertberichtigungen auf die Beteiligungen an Volkswagen und der Porsche AG. Porsche SE-Chef Hans Dieter Pötsch forderte daraufhin „schnelles Handeln“ vom VW-Vorstand, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Nordamerika im Umbruch
Während in Deutschland um Werke und Stellen gerungen wird, baut Volkswagen sein US-Geschäft neu auf. Laut Handelsblatt übernimmt Marco Schubert, bislang Vertriebschef bei Audi, die Leitung des US-Geschäfts von Kjell Gruner im Zuge einer strategischen Neuausrichtung in Nordamerika.
Parallel dazu plant der Konzern die Einführung seines ersten in den USA gefertigten Pick-up-Modells noch vor Ende des Jahrzehnts, die Produktion soll voraussichtlich in Chattanooga erfolgen.
Erst am Montag hatte Volkswagen zudem den überarbeiteten Atlas Cross Sport mit neuem Design und einem 282-PS-Motor für den US-Markt vorgestellt – ein Signal, dass der amerikanische Markt trotz der Sparpläne in Europa investiv nicht vernachlässigt werden soll.
Schwache Geschäftszahlen befeuern die Debatte
Der Umbaudruck speist sich auch aus der operativen Entwicklung. Der weltweite Absatz sank im ersten Halbjahr 2026 um 6,5 Prozent, wobei das China-Geschäft mit einem Einbruch von 25,9 Prozent besonders stark litt. Zu den Zwischenzahlen des zweiten Quartals 2026 verfehlte der Konzern zudem die Markterwartungen bei der operativen Marge und senkte die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr.
Diese Kombination aus schrumpfendem Absatz, insbesondere in China, und einer eingetrübten Ergebnisqualität erklärt, warum sowohl Aufsichtsrat als auch Großaktionär derzeit so genau auf die strategische Ausrichtung schauen.
Analysten senkten Kursziele, Einstufungen blieben bestätigt
Am 28. Juli reagierten mehrere Analystenhäuser auf die schwachen Quartalszahlen mit gesenkten Kurszielen für die Vorzugsaktie. HSBC reduzierte ihre Vorgabe von 133 auf 127 Euro, Deutsche Bank Research von 120 auf 115 Euro und Bank of America von 99 auf 90 Euro – alle drei Häuser beließen es damals bei der Einstufung „Buy“.
Berenberg Bank bestätigte am selben Tag ihr Kursziel von 100 Euro bei ebenfalls positiver Empfehlung. Die Bandbreite der Kursziele bleibt damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau, auch wenn die Abwärtsrevisionen die zunehmende Skepsis gegenüber der operativen Entwicklung widerspiegeln.
An der Börse zeigte sich die Aktie von den jüngsten Nachrichten bislang kaum beeindruckt: Das Papier notiert nahezu unverändert bei 75,42 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursrückgang von 27,59 Prozent zu Buche, und der Abstand zum 52-Wochen-Tief beträgt lediglich 8,99 Prozent – ein Zeichen dafür, dass die Aktie trotz der jüngsten Erholung nahe ihrem Jahrestief verharrt.
Am Donnerstag folgt mit der Analysten-Telefonkonferenz zum Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2026 der nächste Termin, bei dem Anleger genauere Aussagen zum weiteren Kurs des Konzernumbaus erwarten dürften.
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