Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: 7,4 Milliarden Euro aus Everllence-Verkauf

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission genehmigt den Verkauf von 51 Prozent an Everllence. Volkswagen erhält 7,4 Milliarden Euro für den weiteren Konzernumbau.

VW erhält EU-Zustimmung für Everllence-Verkauf an Bain Capital
Moderne industrielle Fertigungshalle mit Fokus auf technologische Präzision und wirtschaftliche Dynamik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Volkswagen hat grünes Licht für einen weiteren Baustein seines radikalen Konzernumbaus erhalten. Die EU-Kommission genehmigte am Donnerstag den Verkauf einer Mehrheit der Großmotorentochter Everllence an den US-Finanzinvestor Bain Capital, wie das Handelsblatt berichtete.

Die Wettbewerbshüter sahen in der Abgabe von 51 Prozent der Anteile keine kartellrechtlichen Bedenken. Volkswagen fließen aus der Transaktion 7,4 Milliarden Euro zu – frisches Kapital für einen Konzern, der sich mitten in seiner tiefgreifendsten Restrukturierung der Firmengeschichte befindet.

Der große Umbau nimmt Fahrt auf

Der Everllence-Deal ist kein isoliertes Ereignis, sondern fügt sich in das Ende Juli vorgestellte „Group Target Picture 2030" ein. Volkswagen will die Overhead-Kosten von rund 45 Milliarden Euro auf etwa 34 Milliarden Euro senken, ein Einsparhebel von rund 11 Milliarden Euro.

Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen sollen wegfallen, die Modellpalette wird um bis zu 50 Prozent gestrafft, die Zahl der Ausstattungsoptionen sogar um bis zu 75 Prozent reduziert. Parallel plant der Konzern, die globale Produktionskapazität auf neun Millionen Fahrzeuge jährlich zurückzufahren.

Besonders brisant für die deutschen Standorte: Die Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk Neckarsulm stehen für den Zeitraum 2029 bis 2031 zur Disposition, sobald die dort gefertigten Modelle das Ende ihres Lebenszyklus erreichen.

Der Betriebsrat reagierte scharf – Betriebsratschefin Cavallo warf dem Vorstand in einem Schreiben an die Belegschaft „Respektlosigkeit" vor und forderte Vorstandschef Oliver Blume auf, den Schaden zu begrenzen.

Auch bei der Entwicklungstochter IAV bahnt sich ein weiterer Einschnitt an: Nach Berichten der Automobilwoche soll ein Teilverkauf an die Beratungsgesellschaft Accenture noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. IAV selbst will die deutsche Belegschaft bis Ende 2027 von mehr als 5000 auf 2970 Mitarbeiter reduzieren – eine offizielle Bestätigung des Verkaufs steht allerdings noch aus.

Zahlen zeigen den Druck

Die Dringlichkeit des Umbaus zeigt sich in den jüngsten Geschäftszahlen. Volkswagen senkte Ende Juli seine Jahresprognose: Statt eines Umsatzwachstums von bis zu 3 Prozent erwartet der Konzern nun einen Rückgang von bis zu 3 Prozent.

Im zweiten Quartal brach das Konzernergebnis gegenüber dem Vorjahr um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro ein, im ersten Quartal war es bereits um 28,4 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro zurückgegangen. Besonders schmerzhaft: In China sackte der Absatz um 26 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ab – ein Markt, der für Volkswagen traditionell zu den wichtigsten zählt.

Auf operativer Ebene versucht der Konzern parallel, das Neugeschäft am Laufen zu halten. Am Donnerstag startete Volkswagen den Vorverkauf neuer Hybridversionen von Golf und T-Roc in Deutschland. Die erste Variante leistet 125 kW (170 PS) und ermöglicht laut Unternehmensangaben häufiges rein elektrisches Fahren im Alltag ohne externes Laden. Der Golf Hybrid in R-Line-Ausstattung startet bei 41.400 Euro.

Kurs bleibt unter Druck

An der Börse hinterlässt das Spannungsfeld aus Kapitalzufluss, Sparprogramm und schwachen Absatzzahlen Spuren. Die Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 73,88 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent zum Vortag, liegt aber auf Wochensicht mit 3,3 Prozent im Minus.

Seit Jahresbeginn beläuft sich der Kursverlust auf 29 Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember beträgt 32 Prozent. Der aktuelle Kurs liegt damit deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 91,46 Euro – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Kombination aus Milliardenerlösen und Restrukturierungslast noch nicht als klaren Befreiungsschlag werten.

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