Volkswagen Aktie: Neues Mehrjahrestief
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 12:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Vorzugsaktie von Volkswagen hat am Montag ein Niveau erreicht, das zuletzt im Mai 2020 zu sehen war. Im Tagestief kostete das Papier 67,02 Euro. Charttechnisch verfestigt sich der Abwärtstrend, und von der Konzernseite kommt derzeit kaum Entlastung.
Technik und Saisonalität sprechen gegen eine schnelle Erholung
Nach dem Fehlausbruch im September setzte sich der Rückgang fort, das bisherige Jahrestief ist gefallen. Die Aktie notiert unter der 50- und der 200-Tage-Linie, die Serie tieferer Hochs und Tiefs hält an. Der GD50 verläuft bei 75,39 Euro, die 200-Tage-Linie bei 82,99 Euro. Beide liegen deutlich über dem aktuellen Kurs.
Auch der Blick auf die Saisonalität liefert keine Trendwende. Im September verlor die Aktie 9,3 Prozent, fast doppelt so viel wie im historischen Monatsmittel von 5,4 Prozent. Der Oktober startet ebenfalls schwach. Der November war in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt leicht negativ. Die Statistik ist allerdings dünn und taugt kaum als verlässlicher Indikator.
Rückruf belastet zusätzlich
Frische Impulse bleiben aus, im Gegenteil. Wegen rostender Teile am Lenkgetriebe muss der Konzern Berichten zufolge weltweit rund 4,64 Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Betroffen sind die Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat.
Bei VW selbst geht es um Tiguan, Touran, Caddy sowie Golf Variant und Golf Sportsvan aus den Baujahren 2013 bis 2024. Hinzu kommen die Seat-Modelle Ateca und Tarraco sowie der Audi Q3. Die Aktie hat damit eine weitere Belastung zu verarbeiten, nachdem der Konzern ohnehin unter Handlungsdruck steht.
Preisdruck bei E-Autos, Rückenwind aus der Politik
Eine Studie des Center Automotive Research zeigt, dass sich die Preise von E-Autos und Verbrennern wieder annähern. Im September waren Stromer im Schnitt 2.124 Euro teurer, im Juli waren es noch 2.363 Euro. Die Rabatte bei den meistverkauften Elektromodellen stiegen auf durchschnittlich 17,9 Prozent.
Als Treiber nennt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer neue, günstigere Modelle, darunter den ID. Polo und weitere E-Autos aus dem VW-Konzern. Sie erhöhen den Druck auf ältere Elektro-Kleinwagen, und er erwartet, dass sich der Trend in den kommenden Monaten verstärkt. Für VW kann das zwei Seiten haben: mehr Absatzchancen, aber auch Margendruck im eigenen Portfolio.
Politisch kommt Bewegung ins Spiel. Deutschland und Frankreich wollen beim EU-Gipfel in der kommenden Woche ein neues Handelsinstrument gegen chinesische Billigimporte vorschlagen, ähnlich dem US-Instrument Section 301. Die angekündigten Stellenstreichungen bei Volkswagen gelten laut Regierungsvertretern als einer der Auslöser für das Umdenken in Berlin.
Konkrete Maßnahmen sind damit allerdings noch nicht beschlossen. Zunächst soll die EU-Kommission beauftragt werden, schärfere Instrumente auszuarbeiten.
Der EU-Gipfel in der kommenden Woche liefert den nächsten klaren Termin. Technisch bleibt die Zone um 67 Euro die Marke, auf die der Markt schaut: Fällt sie, fehlt es nach unten an Orientierung aus der jüngeren Kurshistorie.
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