Vonovia Aktie: 27,6 Prozent mehr Value-Add-EBITDA
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 19:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vonovia hat am Mittwoch Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt und dabei die komplette Ertragsprognose für das laufende Jahr sowie den Ausblick für 2028 bestätigt. Der Wohnungskonzern bezeichnete die Ergebnisse selbst als solide – ein Urteil, das angesichts der Zahlen im Vermietungsgeschäft durchaus Substanz hat.
Die Aktie reagierte am heutigen Freitag mit einem Plus von 1,11 Prozent auf 20,98 Euro. Auf Jahressicht bleibt das Papier jedoch mit 14,51 Prozent im Minus – ein Hinweis darauf, dass die operative Stabilität allein noch nicht reicht, um die Kursverluste der vergangenen Monate auszugleichen.
Vermietungsgeschäft wächst trotz kleinerem Bestand
Im Kerngeschäft, der Vermietung, stieg das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 1.268,6 Millionen Euro. Bemerkenswert daran: Vonovia bewirtschaftet inzwischen fast 5.000 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Wachstum kam also nicht aus einem größeren Bestand, sondern aus besserer Ausschöpfung des bestehenden Portfolios. Das organische Mietwachstum lag bei 3,6 Prozent, wovon 2,1 Prozentpunkte auf allgemeines Marktmietwachstum entfielen, 1,2 Prozentpunkte auf Modernisierungsinvestitionen und 0,3 Prozentpunkte auf Neubautätigkeit. Als Haupttreiber nannte das Unternehmen den Zeitpunkt der Einführung des neuen Berliner Mietspiegels.
Im Segment Value-Add legte das bereinigte EBITDA deutlich kräftiger zu: Es stieg um 27,6 Prozent auf 128,5 Millionen Euro. Höhere Beiträge aus der konzerneigenen Handwerkerorganisation und Wachstum im Energiegeschäft trugen dazu bei. Auf Konzernebene summierte sich das bereinigte EBITDA damit auf 1.456,5 Millionen Euro, ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Finanzierungskosten drücken auf das Vorsteuerergebnis
Nicht jede Kennzahl entwickelte sich positiv. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern (Adjusted EBT) fiel um 2,6 Prozent auf 962,3 Millionen Euro. Vonovia führt den Rückgang vor allem auf gestiegene Finanzierungskosten zurück – ein Effekt, der angesichts des weiterhin hohen Zinsniveaus wenig überraschend ist, aber die Ertragsdynamik des operativen Geschäfts spürbar bremst.
Für das Gesamtjahr 2026 hält der Konzern an seiner Zielspanne fest: Das bereinigte EBITDA soll zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro liegen, der Vorsteuergewinn zwischen 1,9 und 2,0 Milliarden Euro, das bereinigte Periodenergebnis zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Euro. Einzig beim organischen Mietwachstum rechnet Vonovia nun mit 20 Basispunkten weniger als bislang geplant – auch das eine Folge des Berliner Mietspiegels.
Berliner Mietspiegel als zweischneidiges Schwert
Der neue Mietspiegel, der seit Mai 2026 in Berlin gilt, würde laut Berichten des Berliner Kuriers Mieterhöhungen von bis zu 6,9 Prozent erlauben. Vonovia teilte im Juni mit, dass die tatsächlich vorgenommenen Mieterhöhungen in Berlin im Schnitt bei 4,8 Prozent lagen – deutlich unter dem regulatorisch möglichen Rahmen und auch unter der Inflationsrate. Für den Konzern bedeutet das kurzfristig einen Verzicht auf mögliche Erträge, dürfte aber regulatorischen Druck abfedern und das Verhältnis zu Mietern sowie Kommunalpolitik entlasten.
Deutsche Bank bekräftigt Kaufempfehlung
Nach Vorlage der Zahlen bestätigte die Deutsche Bank Research am Donnerstag ihre Kaufempfehlung für Vonovia mit einem Kursziel von 26 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs von 20,98 Euro liegt darin noch erhebliches Aufwärtspotenzial aus Sicht der Analysten.
Die Aktie selbst bewegt sich derzeit nahe ihrem 50-Tage-Durchschnitt und nur wenige Prozentpunkte über ihrem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem August des Vorjahres bleibt das Papier weiterhin deutlich entfernt. Die Kombination aus bestätigter Prognose, wachsendem Value-Add-Geschäft und anhaltendem Zinsdruck auf der Finanzierungsseite dürfte die Debatte um die Bewertung des Wohnungskonzerns in den kommenden Wochen bestimmen.
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