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Vonovia Aktie: Berlin sondiert, Zinsen drücken

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mietwachstum stützt Vonovias Geschäft, doch höhere Finanzierungskosten und die offene Berliner Koalitionsfrage belasten den Konzern.

Sanierte Mehrfamilienhäuser mit grünem Innenhof und Balkonen am Nachmittag
Vonovia SE DE000A1ML7J1 – sanierte Mehrfamilien-Wohnsiedlung mit grünen Innenhöfen und Balkonen am Nachmittag Illustration mit AI erstellt.

Der Berliner Wahlausgang bleibt für Vonovia ein Belastungsfaktor mit ungewissem Ende. Auf einem Parteitag entscheidet die Linke, ob sie Grüne und SPD zu Sondierungsgesprächen einlädt – ein Schritt, der Rot-Grün-Rot in der Hauptstadt näher rücken lassen könnte. Für den Wohnungskonzern mit seinem umfangreichen Berliner Portfolio ist das keine Randnotiz.

Kern der Sorge bleibt die Linke-Forderung nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände gegen Entschädigung. Ziel wäre es, 220.000 Wohnungen zusätzlich in kommunale Hand zu bringen. Die Grünen unterstützen den Plan, für den es bei einem Volksentscheid im Jahr 2021 bereits eine Mehrheit gab – die SPD lehnt Enteignungen hingegen ab.

Ob es überhaupt zu Koalitionsverhandlungen kommt, ist offen: Eine Antisemitismus-Debatte um Teile der Berliner Linken, ausgelöst durch eine Wahlparty mit umstrittenen Gästen und einen Chatkontakt eines Bundestagsabgeordneten ins Clan-Milieu, sorgt bei den potenziellen Partnern für Skepsis.

Zinsdruck trifft operativ solides Geschäft

Neben der politischen Unsicherheit belastet vor allem die Zinsentwicklung die gesamte Immobilienbranche. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte zuletzt mit 3,57 Prozent den höchsten Stand seit 2009, während EZB und Fed ihre Leitzinsen ebenfalls angehoben haben. Der DAXsubsector All Real Estate ist von seinem Jahreshoch im Februar um rund ein Drittel eingebrochen.

Operativ zeigt sich Vonovia dabei robuster als der Sektor insgesamt. Im ersten Halbjahr stieg das bereinigte EBITDA um 2 Prozent auf 1.456,5 Millionen Euro, getragen von einem organischen Mietwachstum von 3,6 Prozent bei niedrigem Leerstand.

Höhere Finanzierungskosten drückten das bereinigte Vorsteuerergebnis dennoch um 3 Prozent auf 962 Millionen Euro. Die Aktie verlor binnen drei Monaten fast 14 Prozent – stärker als es das operative Bild allein rechtfertigen würde.

Im Sektorvergleich schneidet Vonovia damit besser ab als etwa Aroundtown, dessen Bürosegment schwächelt. Die Analystenmeinungen zum Titel bleiben gespalten: Die sechs zuletzt erfassten Kursziele reichen von 20 bis 34 Euro, im Schnitt bei 26,33 Euro – bei einem aktuellen Kurs um die 16 Euro eine erhebliche Spanne. Die Dividendenrendite liegt zuletzt bei 5,55 Prozent, basierend auf einer Ausschüttung von 1,25 Euro je Aktie.

Fällt der Parteitagsbeschluss der Linken in der kommenden Woche zugunsten von Sondierungsgesprächen aus, dürfte die Enteignungsdebatte in Berlin neuen Auftrieb erhalten. Für Vonovia bleibt damit neben der Zinsfrage ein zweiter Unsicherheitsfaktor bestehen, dessen Ausgang von den Ergebnissen der anstehenden Gespräche zwischen Linke, Grünen und SPD abhängt.

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