Vonovia Aktie: Studie beziffert Enteignungskosten
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 20:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berlins Linke stimmte am Freitagabend über Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD ab. Eine mögliche Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände rückt damit wieder näher an eine konkrete politische Entscheidung. Für Vonovia als größten privaten Vermieter der Hauptstadt ist das kein Randthema.
Eine Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung liefert nun erstmals eine konkrete Hausnummer für die Entschädigungskosten.
Die Forscher veranschlagen bei einer Überführung von rund 210.000 Wohnungen in Gemeineigentum eine Summe von etwa 13,5 Milliarden Euro. Das liegt deutlich unter den 20 bis 30 Milliarden Euro, mit denen SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach im Wahlkampf gegen die Vergesellschaftung argumentiert hatte.
Insgesamt reicht die Spannweite der bekannten Schätzungen von 10 bis 36 Milliarden Euro – ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Berechnungsmethoden ausfallen können.
Öffentliche Hand als neuer Eigentümer?
Die Studie schlägt vor, die Bestände direkt oder über eine Übergangsanstalt auf die sechs bestehenden landeseigenen Wohnungsunternehmen zu übertragen. Diese verfügten bereits über mehrere Hunderttausend Wohnungen und die nötigen Kapazitäten, müssten diese aber ausbauen. Finanziert werden könnte die Entschädigung über zusätzliches Eigenkapital des Landes sowie Kredite – nach Einschätzung der Forscher ohne Kürzungen im Berliner Landeshaushalt.
Für den Mietmarkt erwarten die Autoren einen dämpfenden Effekt, weil gedämpfte Mieterhöhungen im übernommenen Bestand über den Mietspiegel auch auf den Gesamtmarkt wirken würden. Den Wohnraummangel selbst löse eine Vergesellschaftung aber nicht – dafür brauche es Neubau in großem Stil.
Aktie zeigt sich robust
An der Börse kam die Nachricht bislang gelassen an. Die Vonovia-Aktie notierte am Freitagnachmittag bei 16,00 Euro und damit leicht im Plus, nachdem sie sich zuvor von Kursen um 17,41 Euro etwas gelöst hatte. Binnen zwölf Monaten hat das Papier rund ein Drittel seines Werts verloren – neben der Enteignungsdebatte belasten auch steigende Anleiherenditen die Immobilienbranche insgesamt.
Die sechs zuletzt aktiven Analysten sehen im Schnitt noch deutliches Potenzial: Ihre Kursziele reichen von 20 bis 34 Euro. Zuletzt zahlte Vonovia eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie, was einer Rendite von 5,55 Prozent entspricht.
Wie die Sondierungsgespräche der Linken mit Grünen und SPD ausgehen, dürfte in den kommenden Wochen klarer werden. Bis dahin bleibt die Berliner Wohnungspolitik ein Belastungsfaktor, den der Markt in seine Bewertung einpreist.
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