Wienerberger, Aktie

Wienerberger Aktie: Gewinn fällt auf 31 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 03:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wienerberger verzeichnet im zweiten Quartal trotz Umsatzwachstum einen deutlichen Gewinnrückgang. Der plötzliche CEO-Wechsel aus gesundheitlichen Gründen erhöht den Druck auf den Baustoffkonzern.

Wienerberger: Führungswechsel und Gewinneinbruch belasten die Aktie
Abstrakte Darstellung einer modernen Baustelle bei Sonnenuntergang als Symbol für die Bauindustrie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Baustoffhersteller Wienerberger steht vor einer personellen und operativen Zäsur. Nach dem plötzlichen Rücktritt des langjährigen Vorstandsvorsitzenden belasten eine schwache Neubautätigkeit und Kosteninflation die Quartalsbilanz. Zwar konnte das Unternehmen seine Erlöse steigern, verzeichnete jedoch bei den Ertragskennzahlen deutliche Rückgänge.

Überraschender Abgang an der Konzernspitze

Heimo Scheuch ist am Montag mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Er prägte das Unternehmen mehr als 17 Jahre lang an der Spitze.

Interimistisch übernimmt der stellvertretende CEO Gerhard Hanke die Führung des Konzerns. Hanke ist seit 2021 bei Wienerberger tätig, bekleidete zuvor den Posten des Finanzvorstands und wechselte im März 2025 in die operative Verantwortung als COO für Zentral- und Osteuropa.

Hanke übernimmt das Amt in einer Phase spürbarer Marktschwäche. Inmitten des Führungswechsels meldete er am Donnerstag zudem eigene Aktientransaktionen im Rahmen seines Vergütungspakets, wie aus entsprechenden Pflichtmitteilungen hervorgeht.

Umsatzplus bei sinkenden Gewinnmargen

Am Mittwoch präsentierte Wienerberger die Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der Konzernumsatz kletterte im Vorjahresvergleich um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Dieses Wachstum speiste sich laut Unternehmensmitteilung zu etwa gleichen Teilen aus organischen Zuwächsen und dem Beitrag von Akquisitionen. Dennoch konnte die Ertragsseite nicht mit der Umsatzentwicklung Schritt halten.

Das operative EBITDA sank von 253 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 230 Millionen Euro. Damit verringerte sich die operative EBITDA-Marge deutlich auf 16,3 Prozent.

Besonders der eingebrochene Wohnneubau in Nordamerika und Großbritannien sowie die geopolitisch bedingte Inflation setzten dem Ergebnis zu. Unter dem Strich verblieb im zweiten Quartal ein Gewinn nach Steuern von 31 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch 103 Millionen Euro erzielt worden waren.

Fokus auf Infrastruktur und Kosteneffizienz

Um der Marktschwäche zu begegnen, hat Wienerberger sein Effizienzprogramm „Fit for Growth“ intensiviert. Das Management setzt dabei verstärkt auf Kostenoptimierung und ein strafferes Working Capital Management, um im zweiten Halbjahr zusätzliche Cash-Einsparungen zu realisieren.

Trotz der aktuellen Belastungen bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose und rechnet weiterhin mit einem operativen EBITDA von 700 Millionen Euro für das Gesamtjahr.

Strategisch setzt der Konzern verstärkt auf die Bereiche Infrastruktur und Renovierung, die mittlerweile über 60 Prozent des Umsatzes ausmachen. Gestärkt wurde dieses Segment unter anderem durch die im April vollzogene Übernahme der schwedischen NEWS Group, einem Spezialisten für nachhaltige Abwasserlösungen.

Abseits des Kerngeschäfts engagiert sich Wienerberger Austria künftig im Sportsponsoring und wird ab der kommenden Saison offizieller Partner der österreichischen Skispringteams.

An der Börse spiegelt sich die schwierige Gemengelage im Kursverlauf wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 20,88 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust damit auf 32 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch ist das Papier derzeit 37 Prozent entfernt.

Bereits im Vorfeld der Zahlen hatte die US-Bank Citi am 22. Juli auf die schwierigen Rahmenbedingungen reagiert und ihr Rating für den Titel von „Buy“ auf „Neutral“ gesenkt, wobei das Kursziel von 30 auf 22 Euro revidiert wurde.

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