XPeng Aktie: 58 Prozent unter November-Hoch
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 20:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de
XPeng meldet heute einen kumulierten Meilenstein von 6.000 ausgelieferten Fahrzeugen in Frankreich. Auf den ersten Blick ein Beleg dafür, dass die Internationalisierung des chinesischen Elektroautoherstellers greift. Für mich ist die Meldung dennoch kein Grund zur Euphorie – sie kaschiert eher, wie fragil das Gesamtbild derzeit wirkt.
Auslandsgeschäft als Lichtblick, aber kein Befreiungsschlag
6.000 Fahrzeuge in einem einzelnen europäischen Markt sind für ein Unternehmen, das im Juli allein 38.027 Fahrzeuge auslieferte, überschaubar. Die Zahl zeigt zwar, dass XPeng in Frankreich Fuß fasst, doch sie ändert nichts an der zentralen Schwäche: Medienberichten zufolge lagen die Auslieferungen in den ersten sieben Monaten des Jahres um fast 13 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Ein Auslandserfolg in homöopathischer Dosis wiegt das nicht auf. Wer die Frankreich-Meldung als Trendwende liest, überschätzt meiner Einschätzung nach ihre Aussagekraft deutlich.
Parallel dazu treibt XPeng die Produktoffensive voran. Am 11. August feierte das SUV G9L seine globale Premiere, der Vorverkauf startete parat mit Preisen ab 259.800 Yuan in mehreren Ausstattungsversionen. Das ist strategisch nachvollziehbar – XPeng braucht neue Modelle, um im hart umkämpften chinesischen Markt sichtbar zu bleiben. Doch neue Modelle allein lösen kein strukturelles Problem, wenn die Lieferketten weiterhin klemmen.
Chipmangel als Belastungsfaktor bleibt sichtbar
Genau hier liegt für mich der eigentliche Knackpunkt. Der XPeng-Forschungschef Jiang Wen räumte am 7. August ein, dass Lieferkettenprobleme die Auslieferung des MONA L03 verzögert hatten.
Zwar sei die Produktion inzwischen auf Zweischichtbetrieb mit voller Kapazität umgestellt worden, die Effizienz im August habe sich nahezu verdoppelt, und die Kapazität solle im September und Oktober ihren Höhepunkt erreichen. Das klingt nach Besserung – aber es ist eben auch ein Eingeständnis, dass ein wichtiges Modell monatelang nicht in gewünschter Stückzahl ausgeliefert werden konnte.
Wer glaubt, solche Engpässe seien mit einer Ankündigung erledigt, blendet aus, wie oft Lieferketten-Prognosen in der Branche zuletzt Makulatur wurden.
Die Aktie selbst spiegelt diese Unsicherheit wider. Sie notiert aktuell bei 10,20 Euro und damit rund 58 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro, das erst im November erreicht wurde. Ein derartiger Einbruch binnen weniger Monate ist kein Ausrutscher, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Vertrauensverlusts der Anleger.
Zugleich liegt der Kurs nur gut zwei Prozent über dem jüngsten 52-Wochen-Tief von 9,99 Euro, das erst kürzlich markiert wurde – die Aktie bewegt sich also am unteren Rand ihrer jüngsten Handelsspanne, ohne bislang klare Stabilisierungssignale zu senden.
Der Blick richtet sich auf den 24. August
Für mich ist der wahre Prüfstein nicht Frankreich, nicht der G9L und auch nicht der Chipmangel-Kommentar – sondern der 24. August. An diesem Tag will XPeng vor US-Marktöffnung die unrevidierten Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorlegen, begleitet von einer Telefonkonferenz.
Der Vorstand wird an diesem Tag zudem die Halbjahreszahlen zum 30. Juni 2026 billigen. Erst dann zeigt sich, ob die operativen Fortschritte – neue Modelle, Auslandsexpansion, angeblich gelöste Lieferkettenprobleme – sich tatsächlich in Umsatz und Marge niederschlagen oder ob sie reine PR-Bausteine bleiben.
Unterm Strich sehe ich XPeng an einem Scheideweg. Die Story von Internationalisierung und Produktoffensive ist intakt, aber sie trägt bislang nicht genug, um die operativen Rückschläge bei den Auslieferungen zu kompensieren.
Die Kombination aus schwächeren Jahresauslieferungen, einem gerade erst überwundenen Lieferkettenproblem und einem Kurs nahe dem Jahrestief spricht dafür, dass die Skepsis der Anleger nicht unbegründet ist. Die Zahlen am 24. August dürften zeigen, ob XPeng den Wendepunkt tatsächlich schafft – oder ob die aktuelle Schwächephase noch andauert.
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