XPeng Aktie: Autogeschäft kollabiert, Robotik boomt
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 01:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es gibt diese Momente in der Autoindustrie, in denen ein Unternehmen zwei Geschichten gleichzeitig erzählt – und beide könnten wahr sein. Bei XPeng ist das gerade so. Die eine Geschichte handelt von Lieferengpässen, schrumpfenden Margen und einem Aktienkurs, der sich in den vergangenen zwölf Monaten fast halbiert hat.
Die andere handelt von 1.000 Humanoid-Robotern pro Monat, einer frisch eingesammelten Milliarde von Alibaba und Tencent, und einer Bewertung der Robotik-Sparte, die fast so hoch ist wie die gesamte Marktkapitalisierung des Autokonzerns selbst.
Genau dieser Widerspruch macht XPeng derzeit zu einem interessanten Testfall dafĂĽr, wie Anleger mit chinesischen Tech-Konglomeraten umgehen, die sich nicht mehr sauber in eine Branche einsortieren lassen.
Die Roboter-Wette
Am Montag vergangener Woche vermeldete XPeng, dass die Robotik-Tochter Dogotix in ihrer ersten Finanzierungsrunde mehr als 900 Millionen Dollar eingesammelt hat – bei einer Post-Money-Bewertung von 6,3 Milliarden Dollar. Angeführt wurde die Runde von IDG Capital, mit Alibaba und Tencent als strategischen Investoren an Bord.
Zum Vergleich: Die gesamte XPeng-Aktie bringt an der Börse derzeit umgerechnet 9,35 Milliarden Euro auf die Waage. Die Robotik-Sparte allein wird also mit einem Wert taxiert, der einen erheblichen Teil des Mutterkonzerns ausmacht.
Der Plan dahinter ist ambitioniert: Bis Ende 2026 sollen monatlich 1.000 humanoide Roboter der Marke IRON produziert werden, zunächst für Handel und Industrie, ab 2027 dann im breiteren kommerziellen Vertrieb.
Für ein Unternehmen, das eigentlich Elektroautos baut, ist das ein bemerkenswerter Sprung – aber eben auch symptomatisch für eine Branche, in der chinesische Hersteller längst nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern ganze Mobilitäts- und Automatisierungs-Ökosysteme verkaufen wollen.
Das Kerngeschäft hinkt hinterher
Während die Robotik-Story Kapital anzieht, kämpft das Autogeschäft mit handfesten Problemen. Am Montag zuvor hatte XPeng seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt: ein Nettoverlust von 1,34 Milliarden Yuan, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts.
Die Fahrzeugmarge sank von 14,3 auf 12,1 Prozent, belastet durch Kosten beim Ăśbergang auf eine neue Produktionsgeneration. Die Auslieferungen lagen mit 103.295 Fahrzeugen zwar innerhalb der eigenen Prognose, verglichen mit dem Vorjahresquartal aber praktisch auf der Stelle.
Schwerer wiegt die Prognose für das dritte Quartal: XPeng rechnet mit einem Umsatz zwischen 21,7 und 23,4 Milliarden Yuan – deutlich unter dem, was Analysten im Konsens erwartet hatten. Als Grund gelten Lieferkettenprobleme und Wettereinflüsse, die den Hochlauf des Bestsellers MONA L03 gebremst haben.
Bezeichnend: Beobachter sehen darin weniger ein Nachfrageproblem als ein Produktionsproblem – die Bestellungen für das SUV-Modell erreichten Rekordniveau, die Fabrik kam aber nicht hinterher.
Diese Diskrepanz zwischen Bestellbüchern und Werkshallen ist kein neues Phänomen in der E-Auto-Branche, aber sie trifft XPeng in einer besonders sensiblen Phase, in der das Unternehmen gleichzeitig internationale Expansion und Produktoffensive stemmen will.
Die Auslandsauslieferungen kletterten im zweiten Quartal immerhin um 81 Prozent auf über 20.000 Fahrzeuge – ein Silberstreif, der zeigt, dass die globale Nachfrage nach den Fahrzeugen durchaus da ist.
Was die Anleger daraus machen
Der Kurs reagierte auf die Gemengelage erwartbar nervös: Mehrere Analysehäuser senkten in der vergangenen Woche ihre Kursziele. Bank of America hielt dagegen an ihrer Kaufempfehlung mit Kursziel 19 Dollar fest, Macquarie bekräftigte trotz eines gesenkten Ziels von 18 Dollar die Einstufung „Outperform“ und begründete den Schnitt explizit mit niedrigeren Bewertungen bei Wettbewerbern, nicht mit den eigenen Zahlen.
Am Freitag legte die Aktie um 2,4 Prozent zu und schloss bei 9,96 Euro – nur wenige Prozentpunkte über dem 52-Wochen-Tief von 9,42 Euro, das erst kürzlich markiert wurde. Zum bisherigen Jahreshöchststand von 24,40 Euro, aufgestellt im November, klafft eine Lücke von fast 60 Prozent. Der Titel notiert damit weiterhin unterhalb sämtlicher gängigen gleitenden Durchschnitte, was die grundsätzlich angeschlagene Stimmung unterstreicht.
Für September ist die Markteinführung des neuen Flaggschiff-SUV G9L angekündigt, im vierten Quartal soll die MONA L05 in China folgen, während die MONA L03 dann auch international ausgeliefert werden soll. Ob diese Produktoffensive reicht, um die operative Lücke zu schließen, während gleichzeitig Milliarden in Roboter-Visionen fließen – das bleibt die zentrale Frage, an der sich die Bewertung von XPeng in den kommenden Monaten entscheiden dürfte.
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