XPeng Aktie: MONA L03 startet Doppelschichten
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 01:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zehn Euro. NĂ€her am Jahrestief kann eine Aktie kaum stehen. XPeng notiert bei 10,22 Euro, nur 1,79 Prozent ĂŒber der Marke von 10,04 Euro vom 6. August. Seit Jahresbeginn hat das Papier 43,38 Prozent verloren. FĂŒr mich ist genau jetzt der Moment, an dem sich zeigen muss, ob der chinesische Elektroautobauer den Boden gefunden hat â oder ob die Talfahrt weitergeht.
Die Antwort liegt nicht im Chart. Sie liegt in zwei Produkten, die XPeng gerade parallel durch die Fertigung schleust.
Der G9L soll die Reichweitenangst besiegen
Am 11. August 2026 hat XPeng den Vorverkauf fĂŒr das neue SUV G9L in China gestartet. Startpreis: 259.800 Yuan. Sechs Varianten stehen zur Auswahl, darunter erstmals auch eine Version mit Range Extender.
Das ist der eigentliche Strategiewechsel. Bislang hat XPeng auf reine Batterie-Elektroautos gesetzt. Mit dem Range-Extender-Modell samt 1,5-Liter-Turbomotor und 60-Liter-Tank erreicht der G9L eine Gesamtreichweite von 1.602 Kilometern. Damit greift XPeng direkt Konkurrenten wie Li Auto und Aito an, die mit genau diesem Reichweitenkonzept groĂ geworden sind.
Die reine Elektroversion bleibt technologisch die Speerspitze. Mit 800-Volt-Schnellladung lĂ€dt der G9L in neun Minuten genug Strom fĂŒr 450 Kilometer. XPeng versucht damit, beide Kundengruppen zu bedienen: die, die Reichweitenangst haben, und die, die auf Ladezeiten schauen. Ob das aufgeht, hĂ€ngt davon ab, wie viele KĂ€ufer sich tatsĂ€chlich fĂŒr die teurere Range-Extender-Variante entscheiden.
Doppelschicht fĂŒr den MONA L03
WÀhrend der G9L gerade erst in den Vorverkauf startet, kÀmpft XPeng an anderer Stelle mit einem ganz anderen Problem: zu viel Nachfrage. Der MONA L03 hat nach seinem Marktstart im Juli innerhalb der ersten Stunde 46.859 Bestellungen eingesammelt.
Um diese Nachfrage zu bedienen, ist XPeng im August auf Doppelschichten umgestiegen. Die maximale ProduktionskapazitĂ€t soll zwischen September und Oktober erreicht sein. Das ist kein Detail am Rande â es ist die eigentliche Nagelprobe fĂŒr den Konzern.
Im ersten Halbjahr 2026 sind die Auslieferungen um 24,5 Prozent auf 134.378 Fahrzeuge eingebrochen. Wer daraus schlieĂt, dass XPeng Nachfrageprobleme hat, irrt. Das Problem war KapazitĂ€t, nicht Interesse. Ob das Management diese LĂŒcke nun schlieĂt, wird sich in den kommenden zwei bis drei Monaten zeigen â und genau das dĂŒrfte den Ausschlag geben, ob sich die Stimmung dreht.
Der Markt preist eine Erholung ein, der Kurs noch nicht
Hier wird es interessant. Der technische Indikator RSI steht bei 35,6 â ein Wert, der historisch oft auf einen erschöpften Ausverkauf hindeutet. Gleichzeitig liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 19,10 Euro. Das wĂ€re ein Aufschlag von 86,9 Prozent gegenĂŒber dem aktuellen Niveau.
Diese Kluft zwischen Marktkapitalisierung von rund 10 Milliarden Euro und Analystenerwartung ist bemerkenswert. Entweder haben die Analysten die operativen Risiken unterschĂ€tzt, oder der Markt hat die Aktie zu hart abgestraft. Mein Eindruck: Es ist eher Letzteres â aber nur, wenn XPeng die Produktionsrampe tatsĂ€chlich liefert.
Mein Fazit: Hohe VolatilitÀt, aber ein plausibler Weg nach oben
Die Kombination aus G9L und MONA L03 ergibt eine Doppel-Flaggschiff-Strategie, die reifer wirkt als frĂŒhere Produktoffensiven des Unternehmens. Das spricht fĂŒr XPeng. Gegen das Unternehmen spricht, dass der RĂŒckgang der Auslieferungen im ersten Halbjahr noch nicht umgekehrt ist â und der Markt bislang keinen Beweis dafĂŒr sieht, dass sich das Ă€ndert.
Unterm Strich: Wer an eine erfolgreiche Produktionsrampe bis Oktober glaubt, findet in der aktuellen Bewertung einen attraktiven Einstiegspunkt. Wer skeptisch bleibt, wartet auf die nĂ€chsten Auslieferungszahlen â und die kommen erst im Herbst.
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