XPeng Aktie: Zwei Wetten auf einmal
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 06:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
XPeng spielt gerade zwei Karten gleichzeitig aus. Der chinesische E-Auto-Bauer drückt mit dem neuen Mona L03 aufs internationale Gaspedal und testet parallel sein Robotaxi-Programm mit eigenen Mitarbeitern. Beide Projekte sollen eine Aktie stabilisieren, die seit Jahresbeginn 36,73 Prozent verloren hat.
Am Mittwoch schloss das Papier bei 11,42 Euro, ein Plus von 2,15 Prozent. Damit liegt der Kurs zwar 12,18 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 10,18 Euro aus Ende Juni. Zum bisherigen Jahreshoch von 24,40 Euro klafft aber weiterhin eine Lücke von über 50 Prozent.
Auslandsoffensive trifft schwächelnden Heimatmarkt
Der Mona L03 startete seinen globalen Verkauf in München und soll dieses Jahr in 64 Ländern und Regionen erhältlich sein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Chinas E-Auto-Markt kühlt spürbar ab, und XPeng sucht deshalb aktiv neue Absatzmärkte — von Südamerika bis Asien.
Parallel läuft das zweite große Projekt: das Robotaxi-Programm. XPeng hat die interne Mitarbeitertestphase gestartet und plant für 2026 reguläre Demonstrationsfahrten in Guangzhou. Der Firmenpräsident sprach gegenüber Reuters von einigen Hundert bis wenigen Tausend Fahrzeugen in den nächsten 12 bis 18 Monaten. Das ist keine Massenproduktion, sondern ein Pilotversuch mit Sicherheitsfahrern, der in der zweiten Jahreshälfte beginnen soll.
Die entscheidende Frage: Reicht das Auslandsgeschäft?
Aktuell stammen rund 20 Prozent der XPeng-Verkäufe aus dem Ausland. Der Konzern will diesen Anteil binnen fünf Jahren auf die Hälfte steigern. Ob dieses Tempo gelingt, dürfte die Stimmung rund um die Aktie stärker prägen als einzelne Monatslieferzahlen.
Der Kern des Problems: Chinas Preiskrieg frisst Margen, und XPeng muss das Wachstum im Ausland schnell genug hochfahren, um diesen Effekt auszugleichen.
Das optimistische Szenario
Für Optimisten spricht die jüngste Erholung bei den Lieferzahlen. Im Juni verkaufte XPeng 40.126 Fahrzeuge — ein Plus von 15,93 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der bislang stärkste Monat des Jahres. Damit endete eine Serie von fünf Monaten mit rückläufigen Zahlen.
Auch am Kapitalmarkt ist das Bild nicht einheitlich negativ. J.P. Morgan hält an seiner Kaufempfehlung fest, Bernstein stuft die Aktie neutral ein. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 19,59 Euro — theoretisch ein Potenzial von 71,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Technisch überzeugt der Mona L03 ebenfalls. Alle Versionen fahren mit dem hauseigenen Turing-Chip, die Ultra-SE-Variante sogar mit zwei Chips und 1.500 TOPS Rechenleistung. Der Vorgänger M03 lieferte 2025 knapp 176.000 Einheiten aus und stellte damit rund 41 Prozent aller XPeng-Verkäufe. Wiederholt der Mona L03 diesen Erfolg, könnte das die Stückzahlen zum Jahresende deutlich anheben.
Das skeptische Szenario
Die Gegenseite argumentiert mit Margendruck und Ausführungsrisiko im Ausland. Barclays hat sein Kursziel auf 15 US-Dollar gesenkt und die Einstufung "Underweight" bestätigt. Bemerkenswert dabei: Die Bank ließ ihre Absatzschätzungen unverändert. Es geht der Bank also weniger um einbrechende Stückzahlen als um Bewertung und Profitabilität.
Wie schwierig der internationale Aufbau werden kann, zeigt Australien. Dort verkaufte XPeng im vergangenen Monat gerade einmal 24 Fahrzeuge. BYD kam im selben Zeitraum auf 10.174 Einheiten.
Hinzu kommt politischer Gegenwind. Handelskonflikte mit den USA und Europa verkomplizieren Chinas E-Auto-Exportboom zusehends. Immer mehr Hersteller, auch XPeng, prüfen deshalb lokale Fertigung, um Zölle zu umgehen — ein Schritt, der erhebliches Kapital bindet und bislang nicht beschlossen ist. Die Nachfrageschwäche in China trifft dabei nicht nur XPeng: Die meisten großen chinesischen Autobauer hatten zur Jahresmitte 2026 weniger als 40 Prozent ihrer Jahresziele erreicht.
Ausblick: Zwei Signale entscheiden über die Richtung
Charttechnisch bleibt das Bild uneindeutig. Die Aktie notiert 7,31 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und rund 28 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 15,83 Euro. Ein RSI von 46,4 zeigt weder Über- noch Unterverkauf an — der Markt hat sich noch nicht entschieden. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 43 Prozent deutet darauf hin, dass Lieferzahlen und Analystenkommentare den Kurs weiter kräftig bewegen dürften.
Setzt sich die Erholung bei den monatlichen Lieferzahlen fort und gewinnt der Mona L03 international an Boden, ohne dass Zölle die Kosten treiben, dürfte sich die Lücke zum Analysten-Kursziel von 19,59 Euro verkleinern. Enttäuschen dagegen die Auslandsverkäufe oder zwingen Handelsbarrieren XPeng zu teuren Fertigungsverpflichtungen vor Ort, rückt ein erneuter Test der 52-Wochen-Tiefs um 10,18 Euro in den Bereich des Möglichen. Die nächsten konkreten Wegmarken sind die kommenden monatlichen Lieferzahlen sowie die für die kommenden Wochen erwarteten Quartalsergebnisse — sie dürften zeigen, ob sich die Juni-Erholung fortsetzt oder ein Einzelfall bleibt.
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