Trump will nach Zollurteil Alternativen nutzen
20.02.2026 - 21:59:14 | dpa.de(Aktualisierung: Details in AbsÀtzen 4 bis 13)
WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrÀsident Donald Trump will nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs gegen die von ihm verhÀngten Zölle andere Wege gehen. Er werde Alternativen nutzen, mit denen er mehr Geld einnehmen werde, sagte Trump in Washington. Er werde noch heute eine Anordnung unterschreiben, um unter Berufung auf eine andere gesetzliche Grundlage einen weltweiten zusÀtzlichen Zoll von zehn Prozent auf Importe in die USA zu verhÀngen.
Trump will sich dafĂŒr auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 stĂŒtzen. Dieses erlaubt es, Zölle auf Importe fĂŒr bis zu 150 Tage lang zu erheben. FĂŒr einen lĂ€ngeren Zeitraum brĂ€uchte Trump auf diesem Weg allerdings die Zustimmung des US-Parlaments. Er habe das Recht Zölle zu erheben, betonte Trump. Er gab allerdings auch zu, dass dies durch die Entscheidung des Gerichts nun komplizierter geworden sei. Experten bezweifeln, ob er ĂŒberhaupt die rechtliche Grundlage fĂŒr die temporĂ€ren Zölle hat.
Trump vermutet auslÀndische KrÀfte hinter Gerichtsentscheidung
Der US-PrĂ€sident kĂŒndigte darĂŒber hinaus an, unter Berufung auf weitere rechtliche Grundlagen Handelsuntersuchungen einzuleiten. Sollten dabei etwaige unfaire Handelspraktiken festgestellt werden, könnte das als Rechtfertigung fĂŒr weitere Zölle herangezogen werden. Er sei ĂŒberzeugt, dass man letztendlich mehr Geld einnehmen werde als vorher, so Trump.
Bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Schlappe vor dem Obersten US-Gericht zeigte Trump sich frustriert. Das Urteil sei schrecklich und fehlerhaft. Er schĂ€me sich fĂŒr die Mitglieder des Gerichts, die sich gegen seine Politik aussprachen, sagte Trump: "Ich schĂ€me mich dafĂŒr, dass sie nicht den Mut haben, das zu tun, was fĂŒr unser Land richtig ist - sie sind eine Schande fĂŒr ihre Familien."
Die LĂ€nder, die "uns jahrelang ausgenommen haben" seien begeistert, behauptete Trump. "Sie tanzen auf den StraĂen, aber nicht lange." Trump behauptete zudem, dass das Gericht von auslĂ€ndischen KrĂ€ften oder anderen persönlichen Beziehungen und politischen Motiven beeinflusst worden sei - einer Frage eines Journalisten, ob er dafĂŒr auch Belege habe, wich Trump aus.
Trump will weiterhin nicht mit Kongress zusammenarbeiten
Andere US-Politiker zeigten sich nach der Entscheidung erleichtert. Die frĂŒhere Vorsitzende des US-ReprĂ€sentantenhauses, Nancy Pelosi, bezeichnete die Zölle als "rĂŒcksichtslos, verfassungswidrig und kostspielig fĂŒr die arbeitenden Familien Amerikas.". Trumps VizeprĂ€sident in der ersten Amtszeit, Mike Pence, nannte die Entscheidung einen "Sieg fĂŒr das amerikanische Volk und ein Erfolg fĂŒr die in der Verfassung der Vereinigten Staaten verankerte Gewaltenteilung."
Trump hingegen betonte, auch weiterhin nicht mit dem Kongress beim Thema Zölle zusammenarbeiten zu wollen. "Ich muss das nicht (...) Ich habe das Recht, Zölle zu erheben, und ich werde immer das Recht dazu haben." Auch nach den 150 Tagen habe er das Recht, zu machen, was auch immer er wolle.
Zuvor herbe Niederlage vor dem Obersten Gericht
Zuvor hatte das Oberste Gericht der USA entschieden, dass Trump seine Befugnisse ĂŒberschritt, als er sich auf ein Notstandsgesetz berief, um umfangreiche Zölle gegen Dutzende Handelspartner zu verhĂ€ngen - darunter auch die EuropĂ€ische Union. Mit dem Urteil fehlt weitreichenden Zöllen eine rechtliche Grundlage.
Das Notstandsgesetz besagt, dass ein PrĂ€sident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu mĂŒssen. Trump argumentierte, ein dauerhaftes Ungleichgewicht im internationalen Handel gefĂ€hrde die nationale Sicherheit und sah den Notstand deshalb als erfĂŒllt an.
Die Richter stellten dagegen klar, dass das Gesetz den PrĂ€sidenten zwar ermĂ€chtige, bei nationalen Notlagen den AuĂenhandel zu regulieren, aber nicht zur Erhebung von Zöllen. Zudem befĂ€nden sich die USA nicht mit "allen LĂ€ndern der Welt im Krieg", weswegen Trump sich nicht auf Kriegsbefugnisse stĂŒtzen könne.
SchÀtzung: Regierung könnte bis zu 175 Milliarden Dollar erstatten
Zu der Frage, was nun mit den zu Unrecht eingenommenen Geldern passieren soll, hat Trump eine klare Meinung. Das Urteil sage nicht, ob die Regierung die Zölle erstatten mĂŒsse oder nicht. "Ich schĂ€tze, das wird dann wohl die nĂ€chsten zwei Jahre vor Gericht ausgetragen." Er wollte weiter eingenommene Gelder fĂŒr andere Zwecke nutzen.
Nach Angaben des Penn Wharton Budget Models von der University of Pennsylvania könnte die US-Regierung Importeuren nun bis zu 175 Milliarden US-Dollar (knapp 150 Mrd Euro) an Erstattungen schulden. "Sofern keine alternative Einnahmequelle gefunden wird, werden die zukĂŒnftigen Zolleinnahmen um die HĂ€lfte sinken", hieĂ es.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte bereits Anfang September bei NBC News gesagt, dass sich die Regierung einer Anordnung des Obersten Gerichts fĂŒgen und Importeuren die Zolleinnahmen erstatten wĂŒrde.
EU will Klarheit
Die EuropĂ€ische Kommission will sich weiter fĂŒr niedrige Zölle und einen klaren Kurs einsetzen. "Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks sind auf StabilitĂ€t und Vorhersehbarkeit in den Handelsbeziehungen angewiesen", teilte ein Kommissionssprecher mit.
Bernd Lange, der Vorsitzende des Handelsausschusses des EuropĂ€ischen Parlaments, betonte, dass weder die US-Regierung noch die EuropĂ€ische Union einfach zur Tagesordnung ĂŒbergehen könnten. Er berief eine Sondersitzung des Verhandlungsteams und des Rechtsdienstes des EU-Parlaments fĂŒr Montag ein.
Die EU und die USA hatten sich im Sommer vergangenen Jahres auf ein Zollabkommen verstĂ€ndigt. Das EuropĂ€ische Parlament arbeitet zurzeit an der Umsetzung des Abkommens. Das Abkommen sieht vor, eine zollfreie Einfuhr von US-IndustriegĂŒtern zu ermöglichen. Im Gegenzug hatten sich die USA verpflichtet, die Zölle auf die meisten EU-Importe auf maximal 15 Prozent zu begrenzen. Im Zuge dessen wurden etwa die Zölle auf Autos gesenkt.
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