Piloten bei Lufthansa zum Streik bereit - Aktie verliert
30.09.2025 - 14:01:47(Aktualisierung: ErgÀnzungen VC-PrÀsident, Lufthansa-Personalvorstand sowie ErlÀuterungen zu Betriebsrenten)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Passagiere der Lufthansa DE0008232125 mĂŒssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks der Piloten einrichten. Bei einer Urabstimmung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat eine deutliche Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder fĂŒr einen Arbeitskampf gestimmt, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Lufthansa-Aktien entwickelten sich im Handel zuvor schon schwach und verloren zuletzt mehr als 6 Prozent.
Noch kein konkreter Streiktermin
Ein konkreter Streikzeitpunkt wurde zunĂ€chst nicht genannt. Ăber das weitere Vorgehen soll die Tarifkommission der Gewerkschaft entscheiden. In der Vergangenheit hatte die Lufthansa bei umfassenden Pilotenstreiks nahezu das komplette Programm im betroffenen Zeitraum abgesagt.
Laut VC haben sich an der Abstimmung 90 Prozent der Lufthansa-Piloten und 95 Prozent der Lufthansa-Cargo-Piloten beteiligt. Sie unterstĂŒtzten zu 88 Prozent beziehungsweise zu 96 Prozent den Arbeitskampf. Die Urabstimmung sei damit angenommen. VC-PrĂ€sident Andreas Pinheiro sieht in dem Ergebnis ein "starkes Signal der Geschlossenheit".
Notwendig waren bei der Urabstimmung mindestens 70 Prozent Ja-Stimmen der betroffenen Mitglieder in den Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cargo. Enthaltungen und Nicht-Teilnahmen an der Abstimmung wurden als Nein-Stimmen gewertet. Zuletzt hatten die Piloten der Lufthansa im Jahr 2022 fĂŒr einen Tag gestreikt.
Mehr Geld fĂŒr Betriebsrenten?
In dem Tarifkonflikt geht es um die Betriebsrenten der rund 4.800 Pilotinnen und Piloten. Von den am Montag angekĂŒndigten Stellenstreichungen in der Verwaltung ist die Berufsgruppe nicht betroffen. Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach einer Verdreifachung des Arbeitgeberanteils in die Verhandlungen gegangen und hatte dies dann im Laufe von sieben GesprĂ€chsrunden reduziert. Eine Einigung wurde aber nicht erreicht.
"Die Altersvorsorge ist ein zentrales Fundament der Lebensplanung fĂŒr Pilotinnen und Piloten - mindestens genauso wichtig wie die gesetzliche Rente", erklĂ€rt der Sprecher der Tarifkommission, Arne Karstens. "Wir erwarten nun, dass Lufthansa die Signale der Belegschaft ernst nimmt und endlich ein verhandlungsfĂ€higes Angebot zur betrieblichen Altersversorgung vorlegt."
Die zuletzt defizitÀre Lufthansa-Kerngesellschaft durchlÀuft gerade ein hartes Sanierungsprogramm. Ihr Chef Jens Ritter hatte erklÀrt, schlichtweg keine Mittel zu haben, um die "ohnehin schon sehr gute" betriebliche Altersvorsorge aufzustocken.
GestaltungsspielrÀume bleiben gering
Personalvorstand Michael Niggemann begrĂŒĂte die AnkĂŒndigung der VC, weiter verhandeln zu wollen. Die Urabstimmung habe allerdings die GestaltungsspielrĂ€ume nicht vergröĂert. Die möglichen Antworten mĂŒssten mit der wirtschaftlichen LeistungsfĂ€higkeit der Lufthansa vereinbar bleiben.
Im Einvernehmen zwischen dem Unternehmen und der VC war das Betriebsrentensystem im Jahr 2017 umgestellt worden. Lufthansa musste fortan nicht mehr die absolute Höhe der Renten garantieren, sondern nur noch vorher festgelegte BeitrĂ€ge leisten. Das Zinsrisiko ist wie bei anderen Berufsgruppen im Konzern auch auf die Piloten ĂŒbergegangen.
Allerdings haben sich die gemeinsam ausgewÀhlten Kapitalanlagen schlechter entwickelt als von vielen erwartet worden war, wie die Gewerkschaft einrÀumt. Gleichwohl können Lufthansa-Piloten dem Vernehmen nach im Ruhestand auf monatliche Betriebsrenten oberhalb von 8.000 Euro bauen - zusÀtzlich zur gesetzlichen Rente.
Auch die Strategie passt den Piloten nicht
Am Montag hatte zudem der Lufthansa-Vorstand gegenĂŒber Investoren seine Strategie bekrĂ€ftigt, die kleineren Lufthansa-Flugzeuge und damit auch Piloten-Jobs in andere Flugbetriebe mit deutlich geringeren Lohnkosten zu verlagern. Bereits 2030 soll demnach rund die HĂ€lfte der Kurz- und Mittelstreckenjets von Flugbetrieben auĂerhalb des Lufthansa-Kerns geflogen werden. Dazu hat der Konzern eigens die Betriebe Discover und City Airlines gegrĂŒndet.
Gegen diese Strategie sperren sich intern die VC ebenso wie die Flugbegleiter-Vertretung Ufo, die ihre Tarifverhandlungen ebenfalls fĂŒr gescheitert erklĂ€rt hat. Gegen strategische Unternehmensentscheidungen darf aber nicht gestreikt werden, weil sie nicht Gegenstand von TarifvertrĂ€gen sind.

