Studie: Problematische Social-Media-Nutzung bei Kindern weiter hoch
27.02.2024 - 11:08:59 | dpa.deKnapp ein Viertel der 10- bis 17-JÀhrigen (24,5 Prozent) nutzt Social-Media-Dienste wie TikTok, Instagram oder WhatsApp riskant viel, wie die am Dienstag vorgestellte Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des UniversitÀtsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ergab. Hochgerechnet seien es aktuell 1,3 Millionen Jungen und MÀdchen und damit dreimal so viele wie im Vor-Corona-Jahr 2019. Schon bei einer Untersuchung 2022 war der Anteil deutlich auf 22,2 Prozent gesprungen und legte nun etwas weiter zu.
Eine noch stĂ€rkere Social-Media-Nutzung sogar mit Suchtkriterien haben demnach jetzt hochgerechnet 360 000 Kinder und Jugendliche. Der Anteil sank auf 6,1 Prozent nach 6,7 Prozent bei der Studie 2022 - ist damit aber fast doppelt so groĂ wie 2019. DAK-Chef Andreas Storm sagte, soziale Medien seien aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es brauche aber mehr AufklĂ€rung ĂŒber Reiz und Risiken, mehr PrĂ€vention und Hilfsangebote.
Insgesamt gingen die Nutzungszeiten sozialer Medien laut der Studie leicht zurĂŒck: An Schultagen waren 10- bis 17-JĂ€hrige, die sie mindestens einmal pro Woche nutzen, im Schnitt 150 Minuten am Tag damit online - am Wochenende und in Ferien 224 Minuten. In der Studie 2022 waren es 164 Minuten werktags und 229 Minuten an Wochenenden gewesen.
Jenseits der sozialen Medien zeigten sich in der Studie auch positive Entwicklungen, wie die DAK erlÀuterte. Bei digitalen Spielen sank der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit einer besonders hohen Nutzung mit Suchtkriterien von 6,3 Prozent 2022 auf aktuell 4,3 Prozent, was hochgerechnet noch 270 000 Jungen und MÀdchen entsprach. Insgesamt waren junge Leute nach der Pandemie wieder etwas weniger mit digitalen Spielen und Streamingdiensten online. Beim Gaming sind es nun im Schnitt 98 Minuten an Werktagen und 168 Minuten an Wochenenden. Die durchschnittliche Streaming-Dauer sank auf 98 Minuten an Werktagen.
FĂŒr die Studie wurde den Angaben zufolge eine reprĂ€sentative Gruppe von Kindern zwischen 10 und 17 Jahren mit je einem Elternteil aus rund 1200 Familien vom Institut Forsa befragt. Die neue Erhebung stammt von September 2023, es ist die sechste Befragungswelle.
Untersucht wird die HĂ€ufigkeit des Gebrauchs von Social Media und digitalen Spielen. Dabei gilt als "riskante" Nutzung ein Gebrauch mit einem erhöhten Risiko fĂŒr schĂ€dliche Folgen fĂŒr die physische oder psychische Gesundheit. Als "pathologisch" mit Suchtkriterien gilt eine Nutzung mit Kontrollverlust bezogen auf Dauer und HĂ€ufigkeit, zunehmender Priorisierung im Vergleich zu anderen AlltagsaktivitĂ€ten und einer Fortsetzung trotz negativer Folgen.
Studienleiter Rainer Thomasius sprach von einem "Teufelskreis", da psychisch belastete Jugendliche oft mehr zu problematischem Nutzungsverhalten bei sozialen Medien neigten - und ĂŒbermĂ€Ăige Nutzung wiederum zu neuen Problemen und Belastungen fĂŒhre. Eine exzessive Nutzung habe oft weitreichende Folgen. "Da persönliche, familiĂ€re und schulische Ziele in den Hintergrund treten, werden alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht angemessen gelöst", sagte der Ărztliche Leiter am Deutschen Zentrum fĂŒr Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE Hamburg. Eltern komme bei der Steuerung der Mediennutzung ihrer Kinder eine besondere Bedeutung zu.
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