BehindertenverbÀnde, Gesetzesreform

BehindertenverbÀnde attackieren geplante Gesetzesreform

01.03.2026 - 03:30:32 | boerse-global.de

Die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes stĂ¶ĂŸt auf massive Kritik, da sie private Anbieter wie Arztpraxen nur lasch zur Barrierefreiheit verpflichten soll.

BehindertenverbĂ€nde attackieren geplante Gesetzesreform - Foto: ĂŒber boerse-global.de
BehindertenverbĂ€nde attackieren geplante Gesetzesreform - Foto: ĂŒber boerse-global.de

FĂŒhrende BehindertenverbĂ€nde warnen vor einem RĂŒckschritt bei der Barrierefreiheit. Ihr Ziel: die geplante Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) muss nachgebessert werden. Die Kritik entzĂŒndet sich vor allem an laschen Vorgaben fĂŒr private Anbieter.

Ein "Freibrief fĂŒr Diskriminierung"?

Die Bundesregierung stellt die Reform als Schritt zu mehr Teilhabe dar. Doch Aktivisten wie Raul Krauthausen und das Netzwerk Artikel 3 sehen das Gegenteil. Sie bezeichnen den Entwurf als "Freibrief fĂŒr Diskriminierung". Der Grund: Private Anbieter von GĂŒtern und Dienstleistungen – also auch Arztpraxen – sollen nur unzureichend zur Barrierefreiheit verpflichtet werden.

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Auch der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland (ABiD) warnte Ende Februar vor erheblichen SchwĂ€chen. Selbst der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, JĂŒrgen Dusel, hatte den Entwurf zuvor als mutlos kritisiert. Sein Vorwurf: Die rechtliche Durchsetzung liege weiterhin primĂ€r bei den Betroffenen.

Warum das Gesundheitswesen im Fokus steht

Der Mangel an Barrierefreiheit trifft das Gesundheitswesen besonders hart. Fehlende AufzĂŒge, nicht zugĂ€ngliche UntersuchungsgerĂ€te oder mangelhafte Kommunikation sind fĂŒr viele Menschen mit Behinderungen Alltag. Diese Barrieren verletzen das Recht auf freie Arztwahl und fĂŒhren zu schlechterer medizinischer Versorgung.

Ohne klare Verpflichtung privater Praxen droht sich diese prekĂ€re Lage zu verschĂ€rfen. VerbĂ€nde wie der Bundesverband fĂŒr Körper- und mehrfachbehinderte Menschen fordern seit Jahren ein inklusives Gesundheitssystem. Die aktuelle Reform wird als entscheidender Moment gesehen.

Wachsende Verunsicherung im Sozialbereich

Die Kritik am BGG fĂŒgt sich in ein Bild wachsender Sorgen. Eine Umfrage der Aktion Mensch zeigte kĂŒrzlich: FĂŒr 40 Prozent der Menschen mit Behinderungen sind Gesundheit und Pflege die grĂ¶ĂŸten Herausforderungen in diesem Jahr.

Gleichzeitig warnte der Sozialverband Deutschland (SoVD) Ende Februar vor drohenden LeistungskĂŒrzungen bei der Eingliederungshilfe. Diese ist fĂŒr viele existenziell. ZusĂ€tzlich Ă€ußerte Handicap International Bedenken, dass neue Gesetze die Rechte geflĂŒchteter Menschen mit Behinderungen vernachlĂ€ssigen könnten.

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Psychische Belastung durch stÀndige KÀmpfe

Der Kampf um den Zugang zu grundlegenden Leistungen hat Folgen. Die fortwĂ€hrende Auseinandersetzung mit Barrieren fĂŒhrt zu Stress, Frustration und einem GefĂŒhl der Ausgrenzung. Die Sorge, im Krankheitsfall nicht die notwendige Hilfe zu erhalten, beeintrĂ€chtigt das Wohlbefinden massiv.

Die Umfrage der Aktion Mensch unterstrich zudem ein politisches Problem: 77 Prozent der Befragten fĂŒhlen sich politisch nicht ausreichend reprĂ€sentiert.

Was kommt jetzt?

Der Gesetzesentwurf wird nun im Bundestag beraten. BehindertenverbĂ€nde haben angekĂŒndigt, den Prozess eng zu begleiten und zu Protesten aufgerufen. Die kommenden Wochen sind entscheidend fĂŒr mögliche Nachbesserungen.

UnabhÀngig vom Ausgang dieser Reform bleibt Barrierefreiheit auf der Agenda. SpÀtestens mit dem vollstÀndigen Inkrafttreten des BarrierefreiheitsstÀrkungsgesetzes ab Juni 2025 steigt der Druck auf die Wirtschaft. Ob dies auch den Alltag in Arztpraxen verbessert, ist die zentrale Frage dieser Betatte.

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