Analyse: Handelsriesen zu mĂ€chtig - schlecht fĂŒr Kunden
21.11.2025 - 12:34:35Laut einem neuen Gutachten der Monopolkommission profitieren LebensmittelhĂ€ndler und -hersteller davon unverhĂ€ltnismĂ€Ăig stark, Landwirte jedoch immer weniger. "Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise der Hersteller ist zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich gestiegen", sagte der Vorsitzende Tomaso Duso. Grund dafĂŒr seien zahlreiche Fusionen, zudem betĂ€tigten sich HĂ€ndler zunehmend auch auf Herstellerebene.
Wegen steigender Preise und der Bauernproteste hatte die damalige Bundesregierung die Kommission im vergangenen Jahr beauftragt, die Lebensmittellieferkette unter die Lupe zu nehmen. Das Gremium ist unabhÀngig und berÀt die Politik zu Wettbewerbspolitik, Wettbewerbsrecht und Regulierung.
Laut Statistischem Bundesamt kosteten Nahrungsmittel und alkoholfreie GetrĂ€nke im Oktober in Deutschland 37 Prozent mehr als 2020. Die Gewinnmargen von HĂ€ndlern und Herstellern stiegen seit ĂŒber zehn Jahren, kritisiert Duso. Im gleichen Zeitraum hĂ€tten sich die Verbraucherpreise stĂ€rker erhöht als in vielen anderen EU-LĂ€ndern. Zudem fĂ€nden sich auch Hinweise, dass Kostensenkungen nicht an Kunden weitergegeben wurden.
Ăbernahme von Kaiser's Tengelmann schĂ€dlich fĂŒr Wettbewerb
Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen geht dem Gutachten zufolge immer weiter auseinander. So seien etwa die Preise fĂŒr Milcherzeugnisse im Supermarkt in den vergangenen Jahren deutlich stĂ€rker gestiegen als die Erzeugerpreise.
Rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden von Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi kontrolliert. "Die hohe Marktkonzentration und steigende PreisaufschlÀge auf Lebensmittel durch Hersteller und Einzelhandel sind besorgniserregend", sagte Duso. Der Wettbewerb sei geschwÀcht.
Die Monopolkommission fordert eine strengere Kontrolle kĂŒnftiger ZusammenschlĂŒsse. Fusionen könnten die Verbraucherpreise demnach weiter in die Höhe treiben. Die 2016 erfolgte Ăbernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka hat den Experten zufolge negative Folgen gehabt. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte dem Deal zugestimmt. "Der verbleibende Wettbewerb in den Lieferketten muss dringend geschĂŒtzt werden", heiĂt es im Gutachten.
Molkereiriesen fusionieren
Anlass zur Besorgnis sieht das Gremium auch darin, dass die HÀndler zunehmend selbst Lebensmittel produzieren und direkt mit Landwirten verhandeln - das verschaffe ihnen zusÀtzliche Macht. Eigenmarken haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wegen der gestiegenen Preise griffen Verbraucher hÀufiger danach.
In der Nahrungsmittelindustrie sieht die Kommission den Wettbewerb ebenfalls schwinden. Als Beispiel wird die geplante Fusion von Arla Foods und der DMK Group genannt. Dadurch wĂŒrde die gröĂte Molkereigenossenschaft Europas entstehen.
Das Beratergremium hĂ€lt es fĂŒr sinnvoll, entschiedener gegen Machtmissbrauch vorzugehen. Die zunehmende Marktkonzentration mache eine effektivere Aufsicht nötig. Duso fordert zudem bessere Bedingungen fĂŒr die Landwirtschaft. BĂŒrokratie mĂŒsse abgebaut werden. Kriterien fĂŒr Agrarsubventionen sollten sich stĂ€rker an ProduktivitĂ€t, Innovation und Nachhaltigkeit ausrichten.

