ROUNDUP, Libanon

Libanon verbietet Hisbollah militÀrische AktivitÀten

02.03.2026 - 19:03:21 | dpa.de

BEIRUT - Die libanesische Regierung hat die militĂ€rischen AktivitĂ€ten der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah-Miliz fĂŒr illegal erklĂ€rt.

(neu: Hisbollah-Reaktion)

BEIRUT (dpa-AFX) - Die libanesische Regierung hat die militĂ€rischen AktivitĂ€ten der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah-Miliz fĂŒr illegal erklĂ€rt. Das kĂŒndigte MinisterprĂ€sident Nauaf Salam in einer Fernsehansprache an. Das Kabinett habe in einer Notfallsitzung beschlossen, "sĂ€mtliche Sicherheits- und MilitĂ€raktivitĂ€ten der Hisbollah zu verbieten", sagte Salam. Damit verĂ€ndert sich der Status der Gruppe von einer teilweise geduldeten Widerstandsbewegung zu einer verbotenen Organisation.

Die Entscheidung folgt auf erneute militĂ€rische Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah. Als Reaktion auf die Tötung des obersten FĂŒhrers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Hisbollah in der Nacht mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische MilitĂ€r greift seitdem Ziele im Libanon an, unter anderem in denen als Dahija bekannten Vororten der Hauptstadt Beirut. Die Hisbollah ist der wichtigste nicht-staatliche VerbĂŒndete fĂŒr den Iran und gilt als verlĂ€ngerter Arm Teherans, insbesondere im Kampf gegen den gemeinsamen Erzfeind Israel.

Hisbollah gilt als deutlich geschwÀcht

In SolidaritĂ€t mit der Hamas im Gazastreifen hatte die Hisbollah bereits im Oktober 2023 Raketen in Richtung Israel gefeuert. Daraus entwickelte sich ein monatelanger gegenseitiger Beschuss, der schließlich im Herbst 2024 in einen offenen Krieg mĂŒndete. Die Hisbollah gilt seitdem als deutlich geschwĂ€cht. Im Rahmen einer Waffenruhe sollte die Hisbollah schließlich ihre Waffen abgeben.

Der libanesische Staat steht seitdem unter Druck die Entwaffnung der Hisbollah durchzusetzen. Israel greift trotz Waffenruhe nahezu tĂ€glich weiter Ziele der Hisbollah im Libanon. Anfang des Jahres erklĂ€rte die libanesische Armee, die erste Phase der Entwaffnung abgeschlossen zu haben. Dazu zĂ€hlte das Gebiet sĂŒdlich des Litani-Flusses, etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Die restlichen Gebiete sollten folgen.

Die Hisbollah wurde lange von Teilen der Bevölkerung als Widerstandsgruppe gegen Israel im Land toleriert. Die Schiiten sehen sie etwa als eine Schutzmacht an. Sie war die einzige Gruppe, die nach dem libanesischen BĂŒrgerkrieg ihre Waffen behielt.

Salam: Entscheidung ĂŒber "Krieg und Frieden" liegt beim Staat

Salam betonte mit Blick auf den jĂŒngsten Beschuss der Hisbollah auf Israel, dass Raketenangriffe vom libanesischen Staatsgebiet eine Verletzung von Waffenruheabkommen und Regierungsentscheidungen darstellen. "Der Staat lehnt jede militĂ€rische Aktion von seinem Territorium aus entschieden ab", sagte er. Die Entscheidung ĂŒber "Krieg und Frieden" liege ausschließlich beim Staat.

Das Armeekommando wurde angewiesen, den Entwaffnungsplan sofort voranzutreiben, insbesondere die Beschlagnahme von Waffen nördlich des Litani River.

Hisbollah: Staat nicht in der Lage Israel zu stoppen

Die Hisbollah kritisierte die Entscheidung. Die Regierung sei "nicht in der Lage, israelische Angriffe zu stoppen" und gehe gleichzeitig gegen Libanesen vor, die die Besatzung (gemeint ist Israel) ablehnten, hieß es in einer Stellungnahme unter Berufung auf den Vorsitzenden der Hisbollah-Fraktion im Parlament, Mohammed Raad.

Die Aktionen der Hisbollah seien eine legitime Reaktion auf die anhaltende "israelische Aggression". Raad warf der Regierung vor, interne Gegner anzugreifen, anstatt sich Israel zu stellen. Er warnte, dass solche Entscheidungen die inneren Spannungen verstÀrken könnten.

Zuvor gab es in lokalen Medien unbestÀtigte Berichte, dass Raad bei einem israelischen Angriff in der vergangenen Nacht getötet worden sei.

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