BharatGen lanciert indisches KI-Modell Param2 17B
12.02.2026 - 15:31:12Indien setzt mit der Veröffentlichung des KI-Grundmodells Param2 17B ein starkes Zeichen für technologische Souveränität. Das staatlich geförderte Konsortium BharatGen stellte das multilinguale System am Donnerstag vor. Es soll die Abhängigkeit von ausländischer Technologie verringern und Millionen Bürgern den Zugang zu digitalen Diensten erleichtern.
Die Ankündigung fällt kurz vor dem India AI Impact Summit 2026, der am 16. Februar beginnt. Dort soll das Modell live demonstriert werden. Parallel meldete sich das private Ökosystem zu Wort: Das Startup Sarvam AI aus Bengaluru veröffentlichte eine eigene Modell-Suite. Beide Entwicklungen signalisieren einen Reifeschub für Indiens „Sovereign AI“-Sektor.
Ein Modell für 22 Sprachen
Das Param2 17B ist ein sogenanntes „Mixture of Experts“ (MoE)-Modell. Es wurde gezielt entwickelt, um 22 offizielle indische Sprachen zu unterstützen. Entwickelt wurde es vom BharatGen-Konsortium unter Führung des Indian Institute of Technology (IIT) Bombay und mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums.
Der entscheidende Unterschied zu globalen Modellen wie GPT-4 liegt in den Trainingsdaten. Während westliche KI oft mit den Nuancen indischer Sprachen kämpft, wurde Param2 17B mit dem staatlichen Datenschatz „Bharat Data Sagar“ trainiert. Diese riesige Sammlung von Texten, Sprache und Bildern ermöglicht es dem Modell, typisch indische Sprachmischungen, Dialekte und kulturelle Kontexte präzise zu verarbeiten.
Das Modell ist zudem multimodal. Es kann Text, Sprache und visuelle Inhalte gleichzeitig verarbeiten. Diese Fähigkeit ist für Indien entscheidend, wo ein Großteil der Bevölkerung das Internet primär per Sprache und Video nutzt. Geringe Latenz bei Sprachinteraktionen und genaue Übersetzung sollen die digitale Kluft für Millionen Nicht-Englischsprechender überbrücken.
Praxistest in der Verwaltung
Anders als viele theoretische KI-Fortschritte betont BharatGen den sofortigen Nutzen für die öffentliche Verwaltung. Bereits mehrere Pilotprogramme integrieren das neue Modell.
Eine Vorzeigeanwendung ist MahaGPT, entwickelt mit der Regierung des Bundesstaates Maharashtra. Das Tool automatisiert die Bearbeitung komplexer Dokumente in Marathi, etwa bei Grundbuchauskünften oder Beschwerden. Die Bearbeitungszeiten sollen sich deutlich verkürzt haben.
Im Sanitärsektor setzt das Wasserressourcenministerium eine multimodale Schnittstelle ein. Bürger können Infrastrukturprobleme per Sprachbefehl in ihrer Muttersprache melden. Die KI kategorisiert die Meldung und leitet sie an die zuständige Behörde weiter.
Auch in Bildung und Kulturerbe kommt das Modell zum Einsatz. Die Kotak Education Foundation nutzt es, um die Englisch-Flüssigkeit von Schülern in ländlichen Schulen zu bewerten. Das Kulturministerium digitalisiert unter dem Programm Gyan Bharatam mit der KI alte Manuskripte und macht sie für Forscher zugänglich.
Privatsektor zieht mit: Sarvam AI
Während der Staat die öffentliche Infrastruktur vorantreibt, beschleunigt der Privatsektor die Innovation. Nur 24 Stunden vor der BharatGen-Ankündigung präsentierte das Startup Sarvam AI seine neuen Modelle Saaras V3 und Sarvam Vision.
Saaras V3 setzt nach Branchenangaben neue Maßstäbe bei der Spracherkennung in lauter Umgebung – eine häufige Herausforderung in Indien. Es unterstützt Echtzeit-Transkription in 22 Sprachen und soll die nächste Generation von Voice-Bots für Banken und Kundenservice antreiben.
Sarvam Vision ist ein 3-Milliarden-Parameter-Modell für Dokumenten-Intelligenz. Laut Unternehmensangaben übertrifft es globale Konkurrenten bei der Datenextraktion aus komplexen indischen Dokumenten wie handgeschriebenen Formularen.
Sarvam AI kündigte zudem Partnerschaften mit den Bundesstaaten Odisha und Tamil Nadu an. In Odisha entsteht ein 50-Megawatt-Rechenzentrum für Sicherheitssysteme im Bergbau. In Tamil Nadu soll ein „Sovereign AI Research Park“ Hochleistungsrechnen mit Startup-Förderung verbinden.
Strategische Wende zur Datensouveränität
Die parallelen Veröffentlichungen unterstreichen eine strategische Kehrtwende in Indiens Technologiepolitik: den Fokus auf Datensouveränität. Experten warnen vor Risiken ausländischer KI-Modelle bei Datenschutz, kultureller Verzerrung und geopolitischer Abhängigkeit. Indien baut daher den gesamten Stack – von der Hardware bis zu den Grundmodellen – im eigenen Land auf.
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Treibende Kraft ist die „IndiaAI Mission“ mit einem Budget von über 10.000 Crore Rupien (rund 1,2 Milliarden Euro). Ein Schwerpunkt liegt auf „Rechenkapazität“: Tausende GPUs sollen Forschern und Startups zu subventionierten Konditionen zur Verfügung stehen.
Ein weiterer Vorteil sind die Kosten. Während das Training von Modellen wie GPT-4 Hunderte Millionen Dollar kostet, setzen indische Initiativen auf effiziente Architekturen und „Small Language Models“. Param2 17B ist so konzipiert, dass es auch auf einfacherer Hardware läuft – ideal für Behörden mit begrenzten IT-Ressourcen.
Ausblick: Der Weg in die Breite
Der nächste Prüfstein ist der India AI Impact Summit 2026 nächste Woche. Die Branche erwartet, dass BharatGen seinen API-Zugang für Entwickler öffnet. Das könnte eine Welle neuer Anwendungen für den typisch indischen Nutzer auslösen.
Die Roadmap für 2026 sieht vor, die Sprachfähigkeiten auf Dialekte und Stammessprachen auszuweiten. Mit den Grundmodellen im Einsatz verlagert sich der Fokus nun auf die Anwendungsebene: sprachgesteuerte Bankgeschäfte, KI-gestützte Telemedizin für ländliche Kliniken und personalisierte Agrarberatung.
Mit Param2 17B und den Fortschritten von Sarvam AI betritt Indien offiziell das Zeitalter der „Sovereign AI“. Der Erfolg wird sich nicht an Benchmark-Tests messen, sondern daran, ob die Modelle die einzigartigen, chaotischen und multilingualen Herausforderungen der bevölkerungsreichsten Nation der Welt lösen können.
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