Rohoel News, Oelpreis

Brent nähert sich 119 Dollar: Iran-Angriffe und Irak-Force Majeure treiben Rohölpreise

22.03.2026 - 19:41:08 | ad-hoc-news.de

Eskalierende Konflikte im Nahen Osten mit iranischen Angriffen auf South Pars und irakischer Produktionskürzung schieben Brent auf fast 119 US-Dollar. WTI überschreitet 100 Dollar – ein Supply-Risiko mit direkten Folgen für DACH-Energiekosten und DAX.

Rohoel News,  Oelpreis,  Brent Oel - Foto: THN
Rohoel News, Oelpreis, Brent Oel - Foto: THN

Brent-Rohöl hat sich am Freitag der Marke von 119 US-Dollar pro Barrel genähert, getrieben durch akute Versorgungsrisiken in der Straße von Hormus und im Irak. Der unmittelbare Auslöser: Iranische Angriffe auf das Gasfeld South Pars am 18. März, die auch den benachbarten Industriekomplex Ras Laffan in Katar beschädigten. Parallel erklärte der Irak Force Majeure für ausländisch betriebene Ölfelder, wodurch die südliche Produktion von 3,3 auf 0,9 Millionen Barrel pro Tag einbrach. Diese Entwicklungen heizen die geopolitischen Ängste an und treiben eine klare Risikoprämie in den Markt.

Für den Rohölmarkt bedeutet das einen potenziellen Supply Shock. Die Straße von Hormus, durch die 20 Prozent des globalen Öls fließen, steht im Fokus. Experten wie IEA-Chef Fatih Birol warnen vor einer Wiederherstellungszeit von bis zu sechs Monaten bei schwerwiegenden Störungen. Brent als europäischer Benchmark profitiert stärker als WTI, da Europa stärker von Golf-Importen abhängt. DAX-nahe Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz spüren das direkt: Höhere Energiekosten belasten Industrie und Inflation.

Stand: 22. März 2026

Dr. Markus Lehmann, Senior Rohöl-Analyst. Spezialist für geopolitische Supply-Risiken und DACH-Marktimplikationen.

Der harte Trigger: Iranischer Angriff und irakische ProduktionskĂĽrzung

Der Konflikt eskalierte mit dem iranischen Raketenangriff auf South Pars, das größte Gasfeld der Welt, das Iran mit Katar teilt. Qatar Energy bestätigte Schäden am Ras Laffan-Komplex, was Lieferketten im Persischen Golf stört. Gleichzeitig verhängte der Irak Force Majeure über Ölfelder wie West Qurna, Rumaila und Zubair, die von ausländischen Konzernen wie BP, Exxon und Lukoil betrieben werden. Die Produktion im Süden Iraks fiel dramatisch – von 3,3 Millionen Barrel täglich auf unter 1 Million.

Bestätigte Fakten: Qatar Energy meldete Einschränkungen, Irakische Behörden sprachen offiziell von Force Majeure. Interpretation: Das reduziert das globale Angebot um Hunderttausende Barrel pro Tag sofort. Für Crude Oil als Commodity bedeutet das einen direkten Druck auf physische Verfügbarkeit, unabhängig von OPEC+-Quoten.

In den letzten 24 Stunden verstärkten iranische Revolutionsgarden Drohungen mit weiteren Angriffen auf Energieinfrastruktur als Vergeltung. Dies schürt Ängste vor einer Blockade der Hormus-Straße, wo täglich 21 Millionen Barrel passieren – mehr als der gesamte OPEC+-Output außerhalb Saudi-Arabiens.

Preisentwicklung: Brent 108-119 Dollar, WTI 94-100 Dollar

Brent kletterte am Freitag auf bis zu 119 US-Dollar, WTI überschritt zeitweise 100 Dollar. Das sind Zuwächse von 50-70 Prozent gegenüber Vorkriegsniveaus vor dem Iran-Konflikt. Der russische Urals-Preis sprang auf 110,73 Dollar, ein Monatsplus von 90 Prozent. Volatilität dominiert: Ein früherer Rückgang um 3 Prozent wich einem Dienstagsanstieg von 3 Prozent nach neuen Drohungen.

Warum jetzt? Der Markt preist ein Worst-Case-Szenario ein, das noch nicht voll eingetreten ist. Experten wie John Kilduff von Again Capital sehen einen nicht vollständig eingepreisten Angebotsschock, vergleichbar mit 1973. Brent reagiert sensibler wegen europäischer Abhängigkeit von saudischen und irakischen Sorten.

Für DACH-Investoren: In Deutschland klettern Dieselpreise auf 2,301 Euro, Super E10 auf 2,083 Euro pro Liter – nah am Allzeithoch. Das trifft Logistik, Chemie und Fertigung hart, wo Energie 10-20 Prozent der Kosten ausmacht.

US-Reaktionen mildern, ändern aber wenig

Die USA erließen eine 60-tägige Jones-Act-Ausnahme, die ausländische Tanker für internen Transport zulässt. Die IEA koordiniert eine Freigabe von 400 Millionen Barrel Reserven, davon 172 Millionen aus US-SPR – erste Tranche 45,2 Millionen Barrel.

EIA-Daten für die Woche bis 13. März zeigen jedoch einen Bestandsanstieg um 6,2 Millionen Barrel auf 449,3 Millionen. Benzin- und Destillatbestände sanken, was starke Nachfrage signalisiert. US-Benzinpreise stiegen um 30 Prozent auf 3,20 Dollar pro Gallone.

Das dämpft kurzfristig, adressiert aber nicht den Golf-Engpass. Reserven decken nur Wochen, nicht Monate. Für Europa irrelevant, da US-Öl primär den Atlantikmarkt bedient.

Risiken fĂĽr Europa: Von Raffinerien bis Inflation

Europäische Raffinerien sind anfällig: Deutsche Anlagen wie Bayernoil oder Miro verarbeiten viel irakisches und saudisches Crude. Ein Hormus-Engpass würde Middle-Destillate wie Diesel knapper machen, essenziell für DACH-Transport. ECB beobachtet Energiepreise eng, da sie 15 Prozent der HICP-Korbs ausmachen.

In der Schweiz drücken höhere Oelpreise die Industriekosten; Österreichs OMV holt 20 Prozent aus dem Golf. DAX fiel Freitag um 2 Prozent auf 22.380 Punkte, teils durch Oelpreisdruck auf Energie- und Chemieaktien.

Bestätigt: Bundestag diskutiert Maßnahmen gegen Kraftstoffanstieg. "Ölpreise steigen, Spritpreise und Gaspreise steigen, das Heizen wird teurer" – AfD-Politikerin Beatrix von Storch.

OPEC+ im Hintergrund, Geopolitik dominiert

OPEC+ hält Quoten, Saudi-Arabien pumpt 9 Millionen Barrel täglich. Doch Iraks Kürzung und Irans Drohungen überlagern das. Keine neuen Cuts angekündigt, aber der Markt ignoriert fundamentale Nachfrage-Signale zugunsten von Supply-Fear.

Russischer Urals bei 110 Dollar zeigt parallele Dynamik. Sentiment: Social Media und Analysten fordern Deeskalation, doch Trump signalisiert Härte.

Ausblick: Volatility und DACH-Strategien

Kurzfristig: Montag könnte Brent über 120 Dollar testen bei Eskalation. Risiken: Vollblockade Hormus würde 5-10 Dollar Prämie addieren. Chancen: Diplomatie oder US-Militärpräsenz dämpft.

Für DACH-Investoren: Hedgen via Brent-ETCs, Short DAX-Energie? Positionierung: Cash halten, Volatilität nutzen. ECB-Zinsentscheidung nächste Woche gewinnt an Relevanz durch Inflation.

Langfristig: Bei sechsmonatiger Störung droht Rezession durch Energiekosten. Deutschland plant Subventionen, Schweiz stabilisiert Heizölpreise.

Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und andere Finanzinstrumente sind volatil.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂĽr. Immer. Kostenlos.
boerse | 68961245 | bgoi