ROUNDUP, Iran-Krieg

Iran-Krieg weitet sich aus - Hisbollah greift Israel an

02.03.2026 - 08:53:27 | dpa.de

Der Iran-Krieg weitet sich nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei immer weiter aus.

Die libanesische Hisbollah-Miliz feuerte in der Nacht Raketen auf Israel ab und greift damit an der Seite Teherans in den Kampf gegen den Erzfeind ein. Die USA und Israel setzen ihre Angriffe im Iran fort - auch die Gegenangriffe Teherans auf Israel und Golfstaaten rissen nicht ab.

Israel: MĂŒssen uns auf langwierige KĂ€mpfe einstellen

Israel reagierte auf die Hisbollah-Angriffe mit Bombardements in sĂŒdlichen Vororten der Hauptstadt Beirut und anderen Teilen des nördlichen Nachbarlandes. Am Morgen begann die Armee eine weitere Angriffswelle. Ziel seien unter anderem Waffenlager der Hisbollah. Nach vorlĂ€ufigen Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums kamen mindestens 31 Menschen ums Leben, 149 seien verletzt worden. Israels Armee griff nach eigenen Angaben ranghohe Mitglieder der Hisbollah-Miliz an. Ein weiteres Mitglied sei im SĂŒden des Libanons getroffen worden. "Wir agieren nicht nur defensiv, sondern gehen nun auch in die Offensive. Wir mĂŒssen uns auf viele Tage langwieriger KĂ€mpfe einstellen", sagte Armeechef Ejal Zamir am Morgen.

Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im November 2024, dass die Schiiten-Miliz Israel mit Raketen angegriffen hat. Sie begrĂŒndete dies mit der Tötung Chameneis bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Teheran. Israels Armee fing nach eigenen Angaben ein Geschoss ab, andere gingen in offenem GelĂ€nde nieder. Israel und die Hisbollah fĂŒhrten bis Ende 2024 Krieg. Die Miliz ist zwar stark geschwĂ€cht, soll jedoch noch ĂŒber große militĂ€rische FĂ€higkeiten verfĂŒgen.

Iran greift erneut Israel an

Der Iran feuerte nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs am Morgen erneut Raketen auf den jĂŒdischen Staat ab. Die Verteidigungssysteme waren im Einsatz, erklĂ€rte die Armee, bevor sie Entwarnung gab. Israels Luftwaffe hatte in der Nacht nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle gegen Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran begonnen. Israel greift den Iran seit Samstag mit den verbĂŒndeten USA an.

In Teheran wurde dabei iranischen Angaben zufolge eine Klinik beschĂ€digt. Das Gandhi-Krankenhaus in Teheran sei am spĂ€ten Sonntagabend von einer Rakete getroffen worden, berichteten iranische Medien ĂŒbereinstimmend.

Golfstaaten verurteilen Irans Gegenangriffe

Teheran reagiert auf die israelisch-amerikanischen Angriffe mit Gegenangriffen nicht nur auf Israel, sondern auch auf Golfstaaten, in denen die USA MilitĂ€rstĂŒtzpunkte unterhalten. Die Staaten in der Region des Persischen Golfs verurteilten Irans "ungerechtfertigte" Angriffe auf ihre Territorien. Man werde "alle nötigen Maßnahmen" ergreifen, Sicherheit und StabilitĂ€t zu gewĂ€hren sowie alle BĂŒrger zu schĂŒtzen, "einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten", erklĂ€rten die Außenminister des Golfkooperationsrats (GCC).

Bislang haben die Staaten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Angriffe des Irans nur abgewehrt, aber nicht zurĂŒckgeschlagen. Die USA und eine Gruppe arabischer Staaten verurteilten Irans Gegenangriffe in einer gemeinsamen ErklĂ€rung. Diese stellten eine gefĂ€hrliche Eskalation dar, die die SouverĂ€nitĂ€t mehrerer Staaten verletze und die regionale StabilitĂ€t gefĂ€hrde, erklĂ€rte das US-Außenministerium.

Eine mit dem Iran verbĂŒndete Miliz im Irak griff nach eigenen Angaben einen StĂŒtzpunkt der US-Truppen in der Hauptstadt Bagdad an. Sie habe heute am frĂŒhen Morgen den US-StĂŒtzpunkt nahe dem Flughafen mit einer Drohne attackiert, teilte Saraja Aulija al-Dam mit. Auch sie sprach von "Vergeltung" fĂŒr Chameneis Tod und "UnterstĂŒtzung" fĂŒr den Iran. Eine BestĂ€tigung von offizieller irakischer Seite oder vom US-MilitĂ€r gab es zunĂ€chst nicht.

Emirate schließen Botschaft in Teheran

Die Emirate schließen nach eigenen Angaben ihre Botschaft in Teheran und ziehen ihren Botschafter sowie sĂ€mtliches diplomatisches Personal aus dem Iran ab. Das MilitĂ€r des Landes wehrte nach eigenen Angaben inzwischen unter anderem 152 ballistische Raketen und 506 Drohnen aus dem Iran ab. In Bahrain stĂŒrzten TrĂŒmmer einer abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten ein Feuer aus. Dabei starb ein Arbeiter, wie das Innenministerium auf X mitteilte.

EuropĂ€er verurteilen Irans Angriffe als unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig

Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten den Iran auf, die Angriffe zu stoppen und behalten sich militĂ€rische Abwehrmaßnahmen vor. Die Angriffe seien "wahllos und unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig", hieß es in einer in Berlin verbreiteten gemeinsamen ErklĂ€rung von Kanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer.

Der britische LuftwaffenstĂŒtzpunkt Akrotiri auf Zypern wurde in der Nacht von einer mutmaßlichen Drohne getroffen. Das bestĂ€tigte das Verteidigungsministerium in London laut Nachrichtenagentur PA. Niemand sei verletzt worden. Wer die Drohne abgefeuert hatte, war zunĂ€chst nicht bekannt.

USA und Israel greifen weiter an

Derweil greifen die USA und Israel den Iran weiter an. Dabei werden vor allem Mitglieder der Staats- und MilitĂ€rfĂŒhrung ins Visier genommen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Sonntagabend die Namen von sieben getöteten GenerĂ€len. Darunter sind Mohammed Schirasi, der Stabschef des getöteten Chamenei und dessen Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh.

"Die Kampfhandlungen werden derzeit mit voller Kraft fortgesetzt und werden so lange andauern, bis alle unsere Ziele erfĂŒllt sind", sagte US-PrĂ€sident Trump. Der Iran sieht seine FĂ€higkeiten, Krieg zu fĂŒhren, durch die amerikanisch-israelischen Bombardierungen nicht eingeschrĂ€nkt. Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten seinem Land, den Krieg nach Belieben in die LĂ€nge zu ziehen, schrieb Irans Außenminister Abbas Araghtschi auf X.

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