Flucht, Gold

Flucht ins Gold - Fortgesetzter Preisanstieg in Sicht

03.08.2025 - 14:19:23

Der schier unaufhaltsame Anstieg des Goldpreises wird sich nach EinschÀtzung von HÀndlern und Finanzbranche fortsetzen.

Das World Gold Council (WGC) in London prophezeit in seiner jĂŒngsten Prognose einen weiteren Preisanstieg in der zweiten JahreshĂ€lfte, wenn auch leicht verlangsamt. Zu spĂŒren bekommen das nicht zuletzt Brautpaare in aller Welt: Gold ist so teuer geworden, dass die weltweite Nachfrage der Schmuckhersteller laut WGC in diesem Jahr stark nachgelassen hat - von 435 Tonnen im ersten Quartal auf 356 Tonnen im zweiten.

Zentralbanken als Preistreiber

Der Preis pro Feinunze - 31,1 Gramm - liegt derzeit bei gut 3.300 Dollar, fast doppelt so hoch wie 2022. Maßgebliche Preistreiber sind die Zentralbanken Chinas und anderer LĂ€nder, die die AbhĂ€ngigkeit vom Dollar verringern wollen und ihre Goldreserven kontinuierlich erhöhen. Nach einer kĂŒrzlich veröffentlichten EinschĂ€tzung der US-Investmentbank Goldman Sachs könnte der Preis bis Mitte 2026 auf 4.000 Dollar steigen.

"Solange die Zentralbanken ihre Goldreserven weiter erhöhen, wird sich der Goldpreis nicht Richtung SĂŒden bewegen, sondern Richtung Norden", sagt Michael Eubel, Leiter des EdelmetallgeschĂ€fts bei der BayernLB, dem grĂ¶ĂŸten deutschen GoldhĂ€ndler. "Norden" bedeutet im Sprachgebrauch der Finanzszene steigende Preise, der "SĂŒden" dagegen fallende. "Die Unsicherheiten auf der Welt nehmen eher zu, Gold haftet seit 5.000 Jahren der Nimbus an, dass man es auch in Krisenzeiten umtauschen kann", sagt Eubel.

"In den vergangenen Jahren haben die Notenbanken insgesamt weltweit jĂ€hrlich rund 1.000 Tonnen Gold erworben", sagt Benjamin Summa, Sprecher des ebenfalls in MĂŒnchen ansĂ€ssigen Handelshauses Pro Aurum. "Ein erheblicher Teil davon entfiel wohl auf China." Neben den Zentralbank-KĂ€ufen spielen nach Summas EinschĂ€tzung eine Rolle: geopolitische Spannungen, die expansive Geldpolitik vieler Notenbanken und InflationsĂ€ngste.

China kauft mutmaßlich mehr als eingestanden

Seit der Jahrhundertwende hat China hat seine offiziellen Goldreserven laut WGC-Daten fast versechsfacht, von 395 Tonnen auf 2.292 Tonnen Ende des ersten Quartals. Damit wĂ€re der nationale Goldschatz Chinas der siebtgrĂ¶ĂŸte der Welt. Doch sind etliche Fachleute ĂŒberzeugt, dass die Pekinger FĂŒhrung ihren Bestand in Wahrheit sehr viel stĂ€rker aufgestockt hat.

"Kann man den offiziellen Statistiken glauben? Nein", sagt Eubel. "Ich gehe davon aus, dass die chinesischen Goldreserven sehr viel höher sind. China hat nach meiner EinschĂ€tzung auf dem Weg ĂŒber die ZweitmĂ€rkte mindestens weitere 500 Tonnen erworben." Abgesehen davon ist China auch weltweit grĂ¶ĂŸter Goldproduzent. "Davon wird extrem wenig exportiert", sagt der BayernLB-Goldexperte.

Das Motiv: UnabhÀngigkeit vom Dollar

Es ist kein Geheimnis, dass Chinas Kommunistische Partei die Dominanz der USA lieber heute als morgen beendet sĂ€he. Zum Status einer Weltmacht gehören die entsprechenden Goldreserven. Doch ist China keineswegs das einzige Land, das Gold kauft. "Diese Staaten wollen sich unabhĂ€ngiger vom US-Dollar machen und setzen daher vermehrt auf physisches Gold", sagt Summa. Dazu zĂ€hlen beispielsweise Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Katar. In diesem Jahr am aktivsten ist jedoch nicht China, sondern Polen, das laut WGC in diesem Jahr mit bislang ĂŒber 48 Tonnen an der Spitze steht. Nach offiziellen Zahlen war lange Russland grĂ¶ĂŸter Goldabnehmer, das seine KĂ€ufe seit 2020 aber wieder eingeschrĂ€nkt hat.

Die deutsche Goldreserve wird immer wertvoller

Zu den Nutznießern der Entwicklung zĂ€hlt die Bundesbank als EigentĂŒmerin des offiziell zweitgrĂ¶ĂŸten Goldschatzes der Welt: Das deutsche Staatsgold war Ende 2024 laut GeschĂ€ftsbericht der Bundesbank 270 Milliarden Euro wert, dank des rapiden Preisanstiegs waren das 69 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Grundlage war ein Kilopreis von gut 80.700 Euro. Mittlerweile ist der Preis eines Kilos auf etwa 92.600 Euro gestiegen. Das entsprĂ€che rechnerisch einem weiteren Buchgewinn von an die 40 Milliarden, doch abgerechnet wird erst zum Jahresende.

Erster in der Rangliste der Nationen mit den höchsten Goldreserven sind die USA mit ĂŒber 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland. Die Bundesbank hat nicht zugekauft, sondern ihre Reserve leicht reduziert. In den vergangenen Jahren gingen geringe Mengen an das Bundesfinanzministerium, welches daraus GoldmĂŒnzen prĂ€gt und verkauft.

Ein Teil des deutschen Golds lagert in New York - und soll dort bleiben

Der Staatsschatz lagert nicht komplett in Deutschland: 1.236 Tonnen befinden sich im mutmaßlich weltgrĂ¶ĂŸten Tresor bei der Federal Reserve Bank in New York, weitere 405 Tonnen hĂŒtet die Bank of England in London. Die beiden Metropolen sind die wichtigsten HandelsplĂ€tze fĂŒr Gold. "Entscheidend fĂŒr die Gewichtung der Goldreserven sind vor allem die Ziele Sicherheit und Handelbarkeit, um Gold bei Bedarf verkaufen oder in FremdwĂ€hrungen tauschen zu können", sagt ein Bundesbank-Sprecher. "Die New York Fed ist und bleibt in diesem Rahmen eine wichtige Lagerstelle fĂŒr unser Gold."

Daran hat sich auch seit der Wiederwahl von US-PrĂ€sident Donald Trump nichts geĂ€ndert. "Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir mit der Fed New York einen vertrauenswĂŒrdigen, verlĂ€sslichen Partner bei der Aufbewahrung unserer GoldbestĂ€nde haben."

Folgen fĂŒr die Eheschließung

Goldbesitzer können sich freuen, GoldkĂ€ufer hingegen mĂŒssen immer tiefer in die Tasche greifen. Das gilt nicht nur fĂŒr Investoren. Der vom Kapitalmarkt ausgehende Anstieg des Goldpreises hat Folgen fĂŒr Juweliere in aller Welt und deren Kundschaft. Die UmsĂ€tze sind gestiegen, obwohl die GeschĂ€fte ihre höheren Einkaufskosten nicht voll an die Kundschaft weitergeben: "Die Preise sind zwar deutlich gestiegen, aber nicht analog zum Goldpreis", sagt Joachim DĂŒnkelmann, der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands der Juweliere.

Ablesen lĂ€sst sich das unter anderem an Hochzeiten: 2019 gaben sich laut Statistischem Bundesamt noch 416.324 Paare in Deutschland das Ja-Wort, 2024 waren es wegen der voranschreitenden Alterung der Bevölkerung nur noch 349.221. Schon vor dem rasanten Anstieg der Goldpreise seien die Durchschnittspreise von Trauringen kontinuierlich gestiegen, sagt DĂŒnkelmann. "Die rĂŒcklĂ€ufige Zahl der Eheschließungen bedeutet nicht, dass die Trauringbranche geringere UmsĂ€tze macht."

Der deutsche Goldschmuckmarkt jedenfalls floriert ungeachtet steigender Preise und demografischen Wandels. Nach einer Umsatzdelle wurden laut Juweliersverband 2023 und 2024 RekordstĂ€nde erreicht. "Der LuxusgĂŒtermarkt hat sich von der allgemeinen Kauflaune und den Krisen der Welt scheinbar abgekoppelt", sagt DĂŒnkelmann.

@ dpa.de