Evonik senkt Dividende - HĂ€lt 2026 Gewinnbelebung fĂŒr möglich
05.02.2026 - 14:20:28 | dpa.de"Wir brauchen eine gute Balance zwischen einer angemessenen Erfolgsbeteiligung fĂŒr die AktionĂ€re und der FĂ€higkeit, zur richtigen Zeit in die besten Zukunftsprojekte zu investieren und die Verschuldung weiter abzubauen", begrĂŒndete Evonik-Chef Christian Kullmann am Donnerstag im Zuge der ĂŒberraschenden Vorlage vorlĂ€ufiger Jahreszahlen die neue AusschĂŒttungspolitik. Analyst Chris Counihan vom Investmenthaus Jefferies sprach in einer ersten Reaktion von einem umsichtigen Schritt. Die Aktie stieg.
FĂŒr 2025 sollen die AktionĂ€re eine von 1,17 auf 1,00 Euro gekĂŒrzte Dividende je Anteilsschein erhalten, was einer Dividendenrendite von rund sieben Prozent entspricht. FĂŒr die Folgejahre sollen dann zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an die AktionĂ€re gehen. WĂ€re dies bereits aktuell die Berechnungsbasis, wĂŒrde die Dividende ein gutes StĂŒck unter einem Euro liegen.
Als Einzelorganisation am stĂ€rksten von der KĂŒrzung betroffen ist die RAG-Stiftung, die noch rund 45 Prozent an Evonik hĂ€lt. Die Stiftung trĂ€gt die Folgekosten aus dem deutschen Steinkohlebergbau und ist daher auf regelmĂ€Ăige MittelzuflĂŒsse angewiesen.
Die Branche ringt schon lange mit einer schwachen Konjunktur, sowie zunehmender Konkurrenz aus China und tendenziell eher hohen Energiepreisen in Deutschland.
2025 sank der Umsatz bei Evonik im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) fiel um neun Prozent auf 1,87 Milliarden Euro und damit in etwa wie von Analysten erwartet. Der um Sondereffekte bereinigte Ăberschuss knickte um rund ein FĂŒnftel auf 634 Millionen Euro ein. Jefferies-Experte Counihan sieht in den Zahlen fĂŒr Anleger dennoch Grund fĂŒr eine zumindest kurzfristige Erleichterung.
FĂŒr 2026 peilt Kullmann ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie vor Sonderaufwendungen zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro an; die AnalystenschĂ€tzung liegt bei gut 1,8 Milliarden. Angesichts der Weltlage sei das Gewinnziel "schon ganz ambitioniert", so Kullmann. Dabei werde im Konzern allerdings auch nicht davon ausgegangen, dass es im Verlauf des Jahres spĂŒrbar besser wird.
Die schon lange arg gebeutelte Aktie knĂŒpfte am Donnerstag mit einem Kursplus von gut zwei Prozent an ihren jĂŒngsten Erholungsversuch an. Bereits am Vortag hatte das im MDax DE0008467416 notierte Papier - wie die gesamte Branche - krĂ€ftig zugelegt, nachdem das "Handelsblatt" ĂŒber PlĂ€ne der EU-Kommission berichtet hatte, an Unternehmen lĂ€nger als bisher vorgesehen kostenlose CO2-Zertifikate auszugeben. Damit sollen energieintensive Unternehmen wie etwa die Chemie entlastet werden.
Sollte es wirklich zu einer Reform der CO2-GebĂŒhren kommen, sieht Kullmann auch abseits der Kostenentlastung Vorteile. So will sich Evonik schon lĂ€nger vom C4-Verbund rund um petrochemische ZusĂ€tze fĂŒr Kautschuk, Kunststoffe und Spezialchemikalien trennen, fĂŒr den dann womöglich ein höherer Preis möglich wĂ€re. Allerdings bekommt der Essener Konzern das trĂ€ge Wirtschaftsumfeld besonders zu spĂŒren, sodass aktuell kein attraktiver Verkaufspreis zu erzielen wĂ€re.
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