GESAMT-ROUNDUP: EU hilft der Ukraine mit Milliarden - Putin bleibt eisern
19.12.2025 - 16:11:37In einem nĂ€chtlichen Kompromiss einigte sich die EU bei einem Gipfeltreffen in BrĂŒssel darauf, dem angegriffenen Land 90 Milliarden Euro Kredit zu geben. Der Plan, eingefrorenes russisches Staatsvermögen fĂŒr die Ukraine zu verwenden, fiel dagegen vorerst durch. In Moskau gab sich Kremlchef Wladimir Putin bei seiner Jahrespressekonferenz hart und schob die Schuld am Fortdauern des Krieges allein Kiew zu.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj traf in Warschau erstmals mit einem schwierigen Partner zusammen, dem neuen rechtskonservativen Staatschef Karol Nawrocki. Am kommenden Wochenende verlagert sich die Suche nach einem Ausweg aus dem Krieg wieder in die USA. In Florida sollen die von PrĂ€sident Donald Trump eingesetzten UnterhĂ€ndler getrennt mit Vertretern aus Moskau und Kiew sprechen. Die SchauplĂ€tze im Ăberblick:
Schauplatz BrĂŒssel: Russisches Staatsvermögen vorerst verschont
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatten eigentlich erreichen wollen, dass eingefrorene russische Staatsguthaben fĂŒr die Ukraine verwendet werden. Dies sah Belgien, wo ein GroĂteil der russischen Milliarden liegt, als zu riskant an. Auch Frankreich und Italien stellten sich letztlich gegen den Plan.
Das neue Konzept sieht vor, der Ukraine aus dem EU-Haushalt einen zinslosen Kredit ĂŒber 90 Milliarden Euro zu gewĂ€hren. Er soll den dringendsten Finanzbedarf der Ukraine in den kommenden zwei Jahren decken und dem Land eine Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen Russland ermöglichen. Ohne Geld aus der EU droht das Land ab dem zweiten Quartal in den Staatsbankrott zu rutschen.
Selenskyj sagte, das Geld werde in Verteidigung flieĂen, solange der Krieg weitergehe, und in den Wiederaufbau, sollte er beendet werden. Die finanzielle UnterstĂŒtzung der EU deckt zwei Drittel des Bedarfs der Ukraine von voraussichtlich mehr als 137 Milliarden Euro bis Ende 2027. Der Rest soll von Partnerstaaten wie GroĂbritannien und Kanada kommen.
Schauplatz Moskau: Putin sieht Schuld bei der Ukraine
Putin wies zum wiederholten Mal jede Verantwortung fĂŒr das Andauern des vor fast vier Jahren von ihm befohlenen Angriffskrieges zurĂŒck und gab der Ukraine die Schuld. In den laufenden GesprĂ€chen gebe es von Kiew gewisse Signale fĂŒr einen Dialog, Russland sehe aber im Kern keine Bereitschaft fĂŒr einen Frieden, sagte er bei seiner Jahrespressekonferenz. Erneut antwortete der Kremlchef stundenlang auf Fragen von Journalisten und BĂŒrgern.
Er begrĂŒĂte einmal mehr, dass US-PrĂ€sident Trump sich um ein Ende des Krieges bemĂŒhe. Bei seinem Treffen mit Trump in Alaska im August habe die russische Seite den US-VorschlĂ€gen fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts praktisch zugestimmt, sagte er. Er wies zurĂŒck, dass Russland den Friedensplan ablehne. "Wir sehen uns nicht als verantwortlich fĂŒr den Tod von Menschen, denn nicht wir haben diesen Krieg angefangen", sagte er.
Schauplatz Warschau: PrÀsident verlangt Dankbarkeit der Ukraine
PrĂ€sident Nawrocki sagte, Selenskyjs Besuch sei "eine gute Nachricht fĂŒr Polen, fĂŒr Warschau, eine gute Nachricht fĂŒr Kiew", aber eine schlechte fĂŒr Moskau. Er unterstrich die gemeinsame Forderung nach schĂ€rferen Sanktionen gegen Russland und ein Vorgehen gegen die Schattenflotte von Tankern, die russisches Ăl transportieren, wie die Nachrichtenagentur PAP meldete.
Polen ist einer der wichtigsten UnterstĂŒtzer der Ukraine und Drehscheibe fĂŒr die internationale militĂ€rische Hilfe. Der rechtsgerichtete PrĂ€sident Nawrocki hat jedoch immer wieder die Sozialausgaben fĂŒr Ukrainer in Polen bemĂ€ngelt und Kiew fehlende Dankbarkeit vorgeworfen. Dies habe er auch im GesprĂ€ch mit Selenskyj fest, aber nett "und wie ein Gentleman" erwĂ€hnt, sagte er.
Selenskyj sagte, er hoffe mit Nawrocki auf eine neue Seite im ukrainisch-polnischen VerhĂ€ltnis - "nicht nur als Nachbarn, sondern als zwei Elemente Europas, ohne die es in diesem Teil Europas keine Freiheit geben wird, keine Sicherheit geben wird". Er signalisierte Entgegenkommen im Streit um ein dĂŒsteres Kapitel der gemeinsamen Geschichte. Die Ukraine sei bereit, die Exhumierung der polnischen Opfer der Wolhynien-Massaker am Ende des Zweiten Weltkriegs zu beschleunigen. Von 1943 bis 1945 hatten ukrainische Nationalisten der Aufstandsarmee UPA dort etwa 100.000 Polen ermordet.
Schauplatz Miami: Trumps Leute reden mit beiden Seiten
Im US-Bundesstaat Florida sollen der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner am Wochenende mit dem Kreml-UnterhĂ€ndler Kirill Dmitrijew zusammentreffen. Dabei wird es um die jĂŒngste Fassung eines Friedensplans gehen, wie sie am vergangenen Sonntag und Montag in Berlin besprochen worden ist. Auch ukrainische UnterhĂ€ndler sind nach Angaben Selenskyjs wieder in den USA.
Ein Streitpunkt ist, dass Moskau von der Ukraine eine Preisgabe ihrer letzten Stellungen in den Gebieten Donezk und Luhansk im Donbass fordert. Auch Trump dringt darauf, weil der Krieg sonst nicht zu beenden sei. FĂŒr Kiew ist dies unannehmbar. Die Ukraine drĂ€ngt ihrerseits auf verlĂ€ssliche und rasch greifende Sicherheitsgarantien, falls Moskau wieder angreift. Die europĂ€ischen Staaten erwĂ€gen eine Friedenssicherung in und um die Ukraine mit eigenen Truppen. Russland lehnt Soldaten aus Nato-LĂ€ndern in der Ukraine strikt ab.

