Deskless, Workforce

Deskless Workforce fordert Flexibilität – Politik will längere Arbeitszeiten

26.01.2026 - 06:24:12

Die Gestaltung der Arbeitszeit wird zur zentralen Konfliktlinie in der deutschen Arbeitswelt. Während die Politik pauschal mehr Arbeit fordert, kämpft die Mehrheit der Beschäftigten um planbare Schichten und Mitsprache.

Berlin, 26. Januar 2026 – Die Debatte um Deutschlands Zukunft am Arbeitsplatz spitzt sich zu. Ausgelöst durch politische Forderungen nach mehr Arbeitsleistung für den Wohlstand, rückt eine entscheidende Gruppe in den Fokus: die Millionen Frontline-Beschäftigten in Produktion, Pflege und Handel. Für sie geht es nicht um Homeoffice, sondern um grundlegende Rechte. Aktuelle Warnstreiks und Studien zeigen eine wachsende Kluft zwischen politischer Rhetorik und der Lebensrealität der Arbeitnehmer.

Für die meisten Arbeitnehmer in Deutschland ist der Arbeitsplatz kein Schreibtisch. Eine globale Studie des HR-Softwareanbieters UKG vom Januar 2026 belegt ihre Kernforderungen: Flexibilität, finanzielle Sicherheit und Mitsprache bei der Work-Life-Balance.

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Fast die Hälfte der befragten Beschäftigten (47 %) berichtet von zwei getrennten Unternehmenskulturen – eine für die Belegschaft vor Ort und eine für die Büroangestellten. Für diese Deskless Workforce bedeutet Flexibilität nicht Homeoffice, sondern Kontrolle über den eigenen Dienstplan. Es geht um verlässliche freie Tage und die Abkehr von starren, fremdbestimmten Schichtsystemen. Hohe Burnout-Raten im Jahr 2025 waren hier ein erstes Alarmzeichen.

Politischer Gegenwind: Merz kritisiert Work-Life-Balance

In scharfem Kontrast dazu stehen aktuelle politische Vorstöße. Bundeskanzler Friedrich Merz befeuerte kürzlich eine Debatte, indem er eine zu starke Fokussierung auf Work-Life-Balance als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit darstellte. Seine Kernaussage: Man müsse wieder mehr arbeiten, um den Wohlstand zu sichern.

Die Gewerkschaften reagierten umgehend mit scharfer Kritik. Die IG Metall forderte Politiker auf, die Realität der Schichtarbeit erst selbst zu erleben. Dieser Konflikt verdeutlicht ein grundlegendes Spannungsfeld: Die Politik betont makroökonomische Notwendigkeiten, während die Beschäftigten unter steigender Belastung leiden. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gewinnen deren Forderungen jedoch an Gewicht.

Machtprobe: Warnstreiks als Ventil

Die angespannte Lage entlädt sich in konkreten Arbeitskämpfen. Die Gewerkschaft ver.di rief erst am 23. Januar nicht-künstlerische Beschäftigte an deutschen Theatern zu Warnstreiks auf. Eine weitere Eskalation steht unmittelbar bevor: Für den 27. Januar hat ver.di einen bundesweiten Branchenstreiktag im Gesundheitswesen angekündigt, der zahlreiche Universitätskliniken trifft.

Auslöser ist das Ausbleiben eines verhandlungsfähigen Angebots der Arbeitgeber. Obwohl Gehaltsforderungen im Vordergrund stehen, sind Arbeitszeitregelungen und Entlastung stets zentrale Verhandlungspunkte. Sie gelten als Gradmesser für die Wertschätzung der systemrelevanten Arbeit.

Zielkonflikt zwischen Planbarkeit und Autonomie

Die Situation ist von einem fundamentalen Interessenkonflikt geprägt. Unternehmen brauchen Planbarkeit für einen reibungslosen Betrieb. Die Mitarbeiter fordern, gestärkt durch den Fachkräftemangel, mehr Autonomie über ihre Lebenszeit.

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen verschärfen die Debatte. Die Pflicht zur elektronischen Arbeitszeiterfassung schafft Transparenz über Überstunden. Die bis Mitte 2026 umzusetzende EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird den Druck auf Unternehmen erhöhen, faire Strukturen zu schaffen.

Ausblick: Tarifrunden mit Signalwirkung

Die Arbeitszeitgestaltung bleibt 2026 ein zentrales Thema. Anstehende Tarifverhandlungen in Schlüsselindustrien werden die Forderung nach mehr Mitbestimmung beim Dienstplan aufgreifen. Der Ausgang der festgefahrenen Gespräche im öffentlichen Dienst hat Signalwirkung für andere Branchen.

Unternehmen, die mit intelligenten Planungstools betriebliche Erfordernisse und Mitarbeiterwünsche unter einen Hut bringen, haben im Kampf um Fachkräfte einen Vorteil. Der politische Ruf nach pauschaler Mehrarbeit dürfte hingegen auf anhaltenden Widerstand treffen und soziale Spannungen eher verschärfen.

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