Destatis: Nur jede zehnte Frau ist Hauptverdienerin
04.03.2026 - 06:55:43 | boerse-global.deEine neue Studie des Statistischen Bundesamtes zeigt: In Deutschland bleibt das traditionelle ErnĂ€hrermodell dominant. Besonders Familien mit Kindern verharren in alten Rollenmustern â und heizen die Debatte um Steuerpolitik und Sorgearbeit neu an.
Wiesbaden. Kurz vor dem Internationalen Frauentag liefert das Statistische Bundesamt (Destatis) ernĂŒchternde Zahlen zur wirtschaftlichen Gleichstellung. Die aktuellen Daten fĂŒr 2025 belegen: In heterosexuellen Paarhaushalten ist die Frau nur in 9,9 Prozent der FĂ€lle die Haupteinkommensperson. In mehr als der HĂ€lfte der Beziehungen (55,8 Prozent) trĂ€gt der Mann den gröĂten finanziellen Anteil. Immerhin: Bei gut einem Drittel der Paare (34,3 Prozent) ist die Einkommensverteilung ausgeglichen.
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Als Hauptverdiener gilt, wer mindestens 60 Prozent zum gemeinsamen Nettoeinkommen beisteuert. GegenĂŒber der letzten Erhebung von 2021 ist der Anteil der Frauen in dieser Rolle sogar leicht gesunken â damals lag er bei 10,5 Prozent. Positiv entwickelt hat sich dagegen der Anteil der Paare mit annĂ€hernd gleichen Einkommen; er stieg von 30,7 auf 34,3 Prozent.
Kinder zementieren die Einkommenskluft
Der entscheidende Faktor fĂŒr die Ungleichheit ist die Familiensituation. Die Daten zeigen ein klares Bild: Sobald Kinder im Haushalt leben, verstĂ€rkt sich das traditionelle Modell.
In Paarfamilien mit Kindern sinkt der Anteil der Frauen als Hauptverdienerin auf nur noch 7,7 Prozent. In fast zwei von drei FĂ€llen (64,6 Prozent) ist hier der Mann der primĂ€re ErnĂ€hrer. Bei kinderlosen Paaren ist das Ungleichgewicht weniger ausgeprĂ€gt: Hier sind 11,4 Prozent der Frauen Hauptverdienerinnen, wĂ€hrend der Mann in 50,1 Prozent der FĂ€lle den gröĂten Teil zum Einkommen beitrĂ€gt.
Die GrĂŒnde sind strukturell. MĂŒtter arbeiten deutlich hĂ€ufiger in Teilzeit als der Durchschnitt erwerbstĂ€tiger Frauen. VĂ€ter hingegen reduzieren ihre Arbeitszeit seltener als MĂ€nner ohne Kinder. Diese unterschiedliche Erwerbsbeteiligung schlĂ€gt sich direkt in der Einkommensverteilung nieder.
DGB fordert Abschaffung des Ehegattensplittings
Die Veröffentlichung hat die politische Debatte sofort neu entfacht. Experten und Gewerkschaften machen vor allem zwei Faktoren verantwortlich: die anhaltende LohnlĂŒcke zwischen Frauen und MĂ€nnern und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit wie Kinderbetreuung oder Pflege.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte prompt und forderte erneut eine grundlegende Steuerreform. Konkret geht es um die Abschaffung des Ehegattensplittings. Dieses Modell begĂŒnstige oft, dass der Partner mit dem niedrigeren Einkommen â meist die Frau â die Arbeitszeit reduziert, weil sich das fĂŒr die gemeinsame Steuerlast lohnt. Eine Individualbesteuerung könnte nach Ansicht des DGB die wirtschaftliche UnabhĂ€ngigkeit von Frauen stĂ€rken und zu mehr Gerechtigkeit fĂŒhren.
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Langfristige Risiken und ein Lichtblick
Die anhaltende Ungleichheit hat weitreichende Folgen, die ĂŒber das aktuelle Einkommen hinausgehen. Sie wirkt sich langfristig auf die RentenansprĂŒche von Frauen aus und erhöht deren Risiko fĂŒr Altersarmut. Die leichte rĂŒcklĂ€ufige Tendenz bei den Hauptverdienerinnen seit 2021 zeigt: Der Weg zu mehr wirtschaftlicher Gleichstellung ist kein SelbstlĂ€ufer.
Dennoch gibt es einen positiven Trend. Der steigende Anteil von Paaren mit ausgeglichenem Einkommen signalisiert, dass sich in einem wachsenden Teil der Gesellschaft ein egalitĂ€reres Partnerschaftsmodell durchsetzt. Dieser Fortschritt findet allerdings vor allem bei kinderlosen Paaren statt. Die groĂe Herausforderung bleibt, Beruf und Familie fĂŒr beide Elternteile besser vereinbar zu machen.
Die Diskussion um die richtigen politischen Weichenstellungen wird die neuen Daten weiter befeuern â nicht zuletzt im Vorfeld des Internationalen Frauentags am 8. MĂ€rz. Ob der Trend zu mehr partnerschaftlicher Verteilung auch Familien erreicht, hĂ€ngt maĂgeblich vom Ausbau der Kinderbetreuung, flexibleren Arbeitsmodellen fĂŒr VĂ€ter und einer steuerlichen Förderung der EigenstĂ€ndigkeit ab.
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