Erpressung mit Gift: Wie sich Lebensmittelhersteller wappnen
23.04.2026 - 06:16:00 | dpa.deIhre Produkte seien durch den deutschlandweiten Vertrieb leicht zugĂ€nglich und manipulierbar, sagte der stellvertretende HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Feller der Deutschen Presse-Agentur. Entsprechende VorfĂ€lle könnten zudem mit einer hohen Ăffentlichkeitswirkung verbunden sein.
Rattengift in Babynahrung - Hipp wird erpresst
Mit Rattengift in Babynahrung versucht ein Unbekannter, den Babykosthersteller Hipp zu erpressen. In Ăsterreich, Tschechien und der Slowakei wurden laut Polizei fĂŒnf manipulierte BabynahrungsglĂ€ser entdeckt. Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Rattengift enthielten. Ein weiteres Glas wird im österreichischen Burgenland noch gesucht. Das deutsche Sortiment ist nach Angaben des Unternehmens im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm nicht betroffen.
Laut Unternehmen war die Erpressungsnachricht an ein Sammelpostfach geschickt worden. Die E-Mail sei am 27. MĂ€rz in einem Postfach fĂŒr Anfragen aus dem Ausland gelandet, das nur alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werde, fasste die österreichische Zeitung "Die Presse" Aussagen von GeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Hipp zusammen.
Betroffene Handelspartner in Tschechien und der Slowakei haben nach Unternehmensangaben alle Hipp-BabyglĂ€schen aus dem Verkauf genommen. Hipp rufe weiter alle BabykostglĂ€schen zurĂŒck, die bei Spar Ăsterreich gekauft wurden. Vorsorglich, prĂ€ventiv und ohne Verdachtsmomente hĂ€tten auch die Rewe-Gruppe in Ăsterreich Hipp-Produkte bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg aus dem Verkauf genommen. Ebenso handelte die Drogeriemarktkette dm.
Wie wappnen sich Hersteller gegen Erpressungsversuche?
Mehrfach waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln geworden. Die Gefahr ist bekannt.
"Effektive KrisenbewĂ€ltigung erfordert eine prĂ€ventive Auseinandersetzung mit möglichen Unternehmensbedrohungen", sagte der stellvertretende BVE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Feller. Dazu gehöre vor allem eine gute Vorbereitung, etwa durch die Einrichtung eines Krisenstabs sowie die Ausarbeitung von KrisenplĂ€nen. Nur so könne eine schnelle ReaktionsfĂ€higkeit sichergestellt und drohender Schaden abgewendet oder zumindest minimiert werden.
Gerade fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen stelle dies jedoch hĂ€ufig eine groĂe Herausforderung dar. Die KomplexitĂ€t einzelner Krisen ĂŒbersteige oft sowohl die ManagementkapazitĂ€ten als auch den Erfahrungshintergrund der Betroffenen. Aus diesem Grund habe die BVE bereits 2006 ein eigenes Krisenmanagement implementiert, so Feller weiter. Dieses unterstĂŒtze Unternehmen sowohl prĂ€ventiv als auch im konkreten Krisenfall. Der Verband vertritt die Interessen der Lebensmittelhersteller in Deutschland.
Wie schĂŒtzen sich SupermĂ€rkte und Discounter?
Die groĂen Handelsketten halten sich auf Nachfrage bedeckt. "Bitte haben Sie VerstĂ€ndnis, dass wir uns zu sicherheitsrelevanten Aspekten grundsĂ€tzlich nicht öffentlich Ă€uĂern", sagte ein Sprecher der Rewe-Gruppe. "In jedem Fall gilt fĂŒr uns die Maxime, dass die Sicherheit unsere Kund:innen und Mitarbeitenden oberste PrioritĂ€t haben."
Lidl teilte mit: "Die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter steht fĂŒr uns jederzeit an erster Stelle." Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, setze man auf bewĂ€hrte interne Prozesse. Weitere Angaben machte das Unternehmen unter Verweis auf SicherheitsgrĂŒnde nicht. Der Handelsverband Deutschland, der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels, Edeka und Aldi SĂŒd Ă€uĂerten sich nicht zum Thema.
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