ROUNDUP, EuropÀer

EuropÀer suchen neue Antworten auf Trump

22.01.2026 - 20:15:37

Die EU bereitet sich nach der vorĂŒbergehenden Eskalation im Grönland-Konflikt auf eine noch stĂ€rkere Abnabelung von den USA unter PrĂ€sident Donald Trump vor.

Bei einem Sondergipfel in BrĂŒssel gab es zwar Erleichterung darĂŒber, dass Trump seine Strafzolldrohungen gegen Deutschland und andere europĂ€ische Alliierte vorerst wieder zurĂŒckgenommen hat. Spitzenpolitiker machten aber klar, dass es ein "Weiter so" angesichts der Lage nicht geben sollte.

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, die EuropĂ€er mĂŒssten nun Konsequenzen ziehen und ihre VerteidigungsfĂ€higkeit und wirtschaftliche WettbewerbsfĂ€higkeit stĂ€rken. "Die EuropĂ€ische Union, der europĂ€ische Teil der Nato, muss in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen", sagte er. Bereits zuvor hatte Merz beim Weltwirtschaftsforum in Davos von einem neuen Zeitalter gesprochen. "Die neue Welt der großen MĂ€chte ist auf Macht, StĂ€rke und - wenn nötig - auch Gewalt ("force") gegrĂŒndet. Sie ist kein kuscheliger Ort", sagte er in seiner Rede.

PlĂ€doyer fĂŒr Nato

Zugleich sprachen sich Merz und mehrere Staats- und Regierungschefs beim EU-Sondergipfel weiter fĂŒr eine enge Zusammenarbeit und dabei vor allem fĂŒr den Erhalt der Nato aus. Der polnische MinisterprĂ€sident Donald Tusk sagte, man mĂŒsse alles dafĂŒr tun, die Beziehungen und die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zu schĂŒtzen - auch wenn es derzeit eine Krise gebe. FĂŒr Polen seien die Vereinigten Staaten weiter absolut der wichtigste Partner, wenn es um Sicherheit gehe.

Auch Merz betonte, dass die Nato als "erfolgreichstes politisches BĂŒndnis, das es jemals zwischen Europa und Amerika gegeben hat", erhalten werden mĂŒsse. "Ich habe auch den Eindruck, dass viele Amerikaner das mit uns so sehen", sagte er. "Dieses transatlantische BĂŒndnis gibt man nicht einfach mal so auf."

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte: "Auf europĂ€ischer Seite sind wir nicht bereit, 80 Jahre guter Beziehungen zu zerstören, und wir sind bereit, dafĂŒr zu arbeiten." Das Signal an die USA mĂŒsse StĂ€rke sein.

Trump hatte Strafzölle angekĂŒndigt

Der Sondergipfel war am Wochenende einberufen worden, nachdem Trump Strafzölle auf Waren aus DĂ€nemark und alliierten LĂ€ndern wie Deutschland angekĂŒndigt hatte, weil diese seine offensiv vorgetragenen BesitzansprĂŒche auf Grönland nicht akzeptieren wollen. UrsprĂŒnglich sollte es bei dem Gipfel vor allem um die Frage gehen, wie die EU auf Erpressungsversuche reagieren kann. Am Mittwochabend entschĂ€rfte Trump den Konflikt dann ĂŒberraschend und nahm seine StrafzollankĂŒndigung zurĂŒck.

Zur BegrĂŒndung verwies er darauf, dass wĂ€hrend eines Treffens mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte ein Rahmen fĂŒr eine zukĂŒnftige Vereinbarung ĂŒber Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden sei. Viele Details blieben zunĂ€chst unklar - Angaben aus Nato-Kreisen zufolge sollen die USA allerdings ihre MilitĂ€rprĂ€senz auf Grönland ausweiten dĂŒrfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht ĂŒber bestimmte Investitionen auf der Arktisinsel bekommen.

Merz und Macron fĂŒhren Trump-Wende auf europĂ€isches Auftreten zurĂŒck

Nachdem kurze Zeit unklar gewesen war, ob der Sondergipfel trotz dieser neuen Entwicklungen stattfinden soll, entschied EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa an dem Spitzentreffen festzuhalten und grundsĂ€tzlich ĂŒber die jĂŒngsten Entwicklungen in den transatlantischen Beziehungen und deren Auswirkungen auf die EU sprechen.

Unter anderem Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und Kanzler Merz zeigten sich bei dem Gipfel ĂŒberzeugt, dass das Auftreten der EuropĂ€er in den vergangenen Tagen maßgeblich fĂŒr die Entwicklungen verantwortlich war. "Wenn Europa geeint reagiert und die Instrumente nutzt, die ihm zur VerfĂŒgung stehen, dann kann es sich, wenn es bedroht wird, Respekt verschaffen", sagte Macron. Das ist es, was diese Woche geschehen sei.

Macron spielte damit darauf an, dass vor allem die EU klargemacht hatte, dass sie die Erpressungsversuche mit den Zusatzzöllen nicht hinnehmen will. HĂ€tte Trump seine AnkĂŒndigungen wie geplant zum 1. Februar umgesetzt, wĂ€ren so möglicherweise bereits ab dem 7. Februar Sonderzölle auf US-Warenexporte im Wert von 93 Milliarden Euro erhoben worden.

Zudem war die Nutzung eines neuen EU-Instruments gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen im GesprĂ€ch. Letzteres könnte es auch ermöglichen, US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge auszuschließen oder Digitalformen wie Apple, Microsoft, Google, Meta mit Zusatzabgaben zu belegen.

DĂ€nemark bedankt sich

Die dĂ€nische MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen bedankte sich fĂŒr den RĂŒckhalt der europĂ€ischen Partner im Grönland-Konflikt mit den USA. Die UnterstĂŒtzung sei in der sehr schwierigen Situation, in die das Land gebracht worden sei, von enormer Bedeutung gewesen. Wenn Europa zusammen und fĂŒr sich selbst einstehe, wĂŒrden sich Ergebnisse zeigen. "Ich glaube, wir haben in den letzten Tagen und Wochen etwas gelernt", so Frederiksen.

@ dpa.de