Produktion/Absatz, Deutschland

Wirtschaft fordert mehr Engagement im Hamburger Hafen

04.03.2024 - 06:07:51 | dpa.de

Die Handelskammer Hamburg und der Unternehmensverband Hafen Hamburg haben von der Stadt und vom Bund deutlich mehr Engagement fĂŒr Deutschlands grĂ¶ĂŸten Hafen gefordert.

Die bisherigen BemĂŒhungen reichen nach Ansicht beider Institutionen nicht aus, um ihn als wirtschaftliches Herz der Stadt zukunftsfĂ€hig aufzustellen. Dem im vergangenen Jahr vorgestellten Hafenentwicklungsplan fehle es an konkreten Ideen und einem klaren Fahrplan. Deshalb haben Handelskammer-PrĂ€ses Norbert Aust und der PrĂ€sident des Unternehmensverbands, Ulfert Cornelius, nach Angaben der Handelskammer einen Brief an BĂŒrgermeister Peter Tschentscher und Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (beide SPD) geschrieben, in dem sie ihre Vorstellungen einer Hafenförderung darlegen.

"Mit unserem Impuls wollen wir eine dringend nötige und nachhaltige Wachstumsstrategie fĂŒr das wirtschaftliche Herz unserer Stadt anstoßen", sagte Handelskammer-PrĂ€ses Aust der Deutschen Presse-Agentur. Insbesondere könne mit einer angebotsorientierten FlĂ€chenpolitik und der Ansiedlung neuer Unternehmen oder Beteiligungen die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit auch im Containerumschlag gesteigert werden. Cornelius betonte: "Gemeinsames Ziel muss es sein, dass der Hamburger Hafen als internationaler maritimer Standort fĂŒr Umschlag, Logistik und Industrie wieder an AttraktivitĂ€t gewinnt und gegenĂŒber anderen europĂ€ischen Standorten wettbewerbsfĂ€hig wird."

Die Hafenunternehmen hĂ€tten bereits grundlegende Transformationsprozesse und Kostensenkungen eingeleitet, sagte Cornelius der dpa. "Erforderlich ist aber auch, dass die bestehenden strukturellen Nachteile, wie viel zu lange Genehmigungsverfahren, zu hohe Kosten, sanierungsbedĂŒrftige Infrastruktur und zu viel BĂŒrokratie, jetzt schnell und konsequent beseitigt werden." Ein erfolgreicher Hafen sei maßgeblich abhĂ€ngig von einem wettbewerbsfreundlichen Umfeld und leistungsfĂ€higer Infrastruktur, betonte Cornelius.

Über den Hafen lĂ€uft den Angaben zufolge derzeit 40 Prozent des gesamten deutschen SeegĂŒterumschlags. Er generiere fĂŒr die Metropolregion pro Jahr rund 1,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Der Bund wiederum profitiere allein durch die Zolleinnahmen aus dem Hafen in Höhe von jĂ€hrlich bis zu 30 Milliarden Euro.

"Doch wĂ€hrend in den NachbarlĂ€ndern Niederlande und Belgien eine ausreichende finanzielle Ausstattung der HĂ€fen als wichtige Staatsaufgabe betrachtet wird, liegt der Hafenlastenausgleich in Deutschland seit fast zwei Jahrzehnten unverĂ€ndert bei rund 38 Millionen Euro - fĂŒr alle deutschen SeehĂ€fen zusammen", heißt es in dem Papier von Handelskammer und Unternehmerverband. Die Stadt mĂŒsse sich - auch im norddeutschen Verbund - beim Bund vehement fĂŒr die Erhöhung des Hafenlastenausgleichs auf mindestens 400 Millionen Euro jĂ€hrlich stark machen.

"Der Bund muss seine Aufgabe, die Wettbewerbs- und ZukunftsfĂ€higkeit der deutschen SeehĂ€fen zu stĂ€rken, wesentlich intensiver in den Fokus nehmen", heißt es in dem Papier. In erster Linie mĂŒsse jedoch der Senat eine verlĂ€ssliche Finanzierung sicherstellen, welche dem Investitionsbedarf in die Hafeninfrastruktur Rechnung trage. Zudem mĂŒsse sich Hamburg beim Bund dafĂŒr einsetzen, dass die Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer zu Bedingungen erfolge, welche die deutschen HĂ€fen gegenĂŒber anderen EU-HĂ€fen nicht benachteilige.

Auch öffentliche Investitionen in die Infrastruktur wie Flutschutz, Kaimauern, den Erhalt der Fahrrinne oder eine durchgehende Abdeckung der Elbe mit 5G-Mobilfunk erfolgten bislang nur schleppend und unzureichend. Gleiches gelte fĂŒr die bundesweite Verkehrsinfrastruktur, etwa fĂŒr die Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbelt-Querung. Ferner mĂŒsse die Stadt dem Hafen grĂ¶ĂŸere FlĂ€chen zur VerfĂŒgung stellen. Durch einen Neuzuschnitt von FlĂ€chen im mittleren Hafen stĂŒnden potenziell mehr als 100 Hektar zur VerfĂŒgung.

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