ROUNDUP, Autowerke

Ostdeutsche Autowerke setzen stark auf Elektroautos

18.02.2026 - 15:43:32 | dpa.de

Die meisten Autos werden in Westdeutschland produziert - doch auch in den ostdeutschen BundeslÀndern hÀngen zahlreiche ArbeitsplÀtze an der Branche.

Insbesondere Elektroautos haben hier einen starken Stand. Doch die Bedingungen fĂŒr die Standorte könnten besser sein, das wurde beim sogenannten Branchendialog Automobil deutlich, bei dem Vertreter von Industrie, Gewerkschaften, Bund und LĂ€ndern auf Einladung der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), beraten haben.

Finanzierungsprobleme bei Zulieferern

Ein Problem: Zulieferer haben nach Angaben von Teilnehmern Schwierigkeiten, Geld von Banken zu bekommen. Auch deshalb habe er mit der KaufprĂ€mie fĂŒr Elektroautos ein klares Signal setzen wollen, dass neben reinen Elektroautos auch Fahrzeuge mit Range Extender und sogenannte Plug-in-Hybride gefördert werden sollten, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).

Plug-in-Hybride sind Autos, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Range Extender sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen.

Recycling bei VW DE0007664039 in Zwickau

Ebenfalls nötig sei die Gewinnung von FachkrĂ€ften, sagte Kaiser, gerade angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung insbesondere in Ostdeutschland. Neben der Qualifizierung junger Menschen brauche es dafĂŒr auch Zuwanderung.

Schneider lobte die Entscheidung von VW, im Zwickauer Werk auf Recycling zu setzen. Das sei sehr arbeitsplatzintensiv und helfe bei der Sicherung des Standorts. Die Wiedergewinnung von Rohstoffen aus alten Autos sei wichtig, auch um sich unabhÀngiger zu machen von auslÀndischen Lieferanten. IG-Metall-Chefin Christiane Benner pflichtete ihm bei, gerade Batterien könnten recycelt werden.

Hoher Anteil von Elektroautos in ostdeutscher Produktion

Andreas Rade, GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim Verband der Automobilindustrie (VDA), sagte zur Zukunft der ostdeutschen Autostandorte: "Wir sind mit Milliarden investiert." Jetzt komme es darauf an, den Hochlauf der ElektromobilitĂ€t zu beschleunigen, durch die KaufprĂ€mie und gĂŒnstigeren Ladestrom. "Und das Zweite ist, wir mĂŒssen wettbewerbsfĂ€hig sein gegenĂŒber der weltweiten Situation." Benner hatte vor dem Treffen klare, verbindliche Standortzusagen gefordert, auch Kaiser hatte das verlangt.

Insgesamt 60 Prozent aller in Ostdeutschland produzierten Pkw waren im vergangenen Jahr Elektroautos. Das geht aus Berechnungen der Leipziger Initiative Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) auf Basis von Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor.

Mehr Autos werden in Westdeutschland produziert

Zum Vergleich: In Westdeutschland machen Elektro-Pkw 35,1 Prozent der Produktion aus, in Deutschland insgesamt sind es 40,2 Prozent. In absoluten Zahlen werden im Westen aber mehr Elektroautos produziert, ebenso wie mehr Wagen insgesamt. Schwerpunkte sind Bayern, Niedersachsen und Baden-WĂŒrttemberg.

Der hohe E-Auto-Anteil in den ostdeutschen Werken ist vor allem den reinen E-Auto-Standorten von Tesla US88160R1014 und VW zu verdanken. Die Wolfsburger hatten ihr Werk in Zwickau bis 2020 zum ersten reinen E-Auto-Werk umgebaut, wo auch Modelle von Audi und Cupra gebaut werden.

In Brandenburg werden nur E-Autos gebaut

2022 eröffnete dann der US-E-Auto-Pionier Tesla in GrĂŒnheide von Berlin sein einziges Werk in Europa. Autowerke gab es in dem Bundesland bisher nicht. Brandenburg war damit das erste Bundesland, in dem ausschließlich E-Autos gebaut werden.

Die grĂ¶ĂŸere StĂŒckzahl entfĂ€llt im Osten aber auf Sachsen. Neben VW Zwickau kommen dort die Werke von BMW DE0005190003 und Porsche in Leipzig hinzu, wo neben Verbrennern auch E-Autos gebaut werden. BMW Leipzig war 2013 mit dem Start des damaligen BMW i3 sogar das erste deutsche Werk, in dem E-Autos gebaut wurden. Die Nachfrage nach dem kleinen Ur-Stromer blieb aber ĂŒbersichtlich.

Wirtschaftsfaktor Autoindustrie

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des ACOD, Jens Katzek, sagte der dpa, deutlich ĂŒber 200.000 Menschen arbeiteten in der Automobilindustrie und den Zulieferern in Ostdeutschland. Damit hingen anteilig mehr IndustriearbeitsplĂ€tze im Osten der Republik am Thema Automobil als in Westdeutschland. Allerdings sei auch der Druck besonders hoch, dass die Umstellung auf ElektromobilitĂ€t funktioniere.

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