Autokrise erwischt Hella - Aktie unter Druck
27.09.2024 - 10:21:48Vor allem seit Mitte des Jahres verschlechterten sich die Rahmenbedingungen weitaus stĂ€rker als erwartet, erklĂ€rte Unternehmenschef Bernard SchĂ€ferbarthold am Donnerstagabend in Lippstadt. Er rechnet mit weniger Umsatz und operativem Gewinn als zuletzt und kappte seine Prognosen fĂŒr das laufende Jahr. An der Börse kamen die Neuigkeiten am Freitag schlecht an.
Die Hella-Aktie verlor am Vormittag nach zwischenzeitlich höheren Verlusten zum Start noch rund 1,9 Prozent auf 87,30 Euro und war gröĂter Verlierer im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroĂen Werte. Damit wurde das Papier noch rund sechs Prozent teurer gehandelt als zum Jahreswechsel. Zwischenzeitlich war der Kurs allerdings zweimal bis auf ein Rekordhoch von 92,70 Euro gestiegen - das letzte Mal Anfang September. Mehr als 80 Prozent der Hella-Anteile gehören dem französischen Autozulieferer Forvia FR0000121147.
Branchenexperte Christoph Laskawi von der Deutschen Bank zeigte sich von der Prognosesenkung kaum ĂŒberrascht und verwies auf die jĂŒngsten Gewinnwarnungen von BMW DE0005190003 und Mercedes-Benz DE0007100000. SchlieĂlich sei Hella stark mit Premium-Autobauern verbandelt. FĂŒr andere Autozulieferer zieht der Analyst negative RĂŒckschlĂŒsse. Dies gilt auch fĂŒr Hellas Mutterkonzern Forvia.
Hella-Chef SchĂ€ferbarthold zeichnete ein trĂŒbes Bild der Lage: "Wir befinden uns bereits seit Beginn des GeschĂ€ftsjahres in einem sehr anspruchsvollen Branchenumfeld", sagte er laut Mitteilung. Das Management gehe davon aus, dass sich die Belastungen fĂŒr die GeschĂ€ftsentwicklung "nach vorne heraus weiter intensivieren werden".
FĂŒr 2024 rechnet SchĂ€ferbarthold nun mit weniger Umsatz und operativem Gewinn als bislang. Ohne VerĂ€nderung von WĂ€hrungskursen und den Kauf oder Verkauf von GeschĂ€ftsteilen soll der Erlös nur noch bei 7,9 bis 8,1 Milliarden Euro landen. Zuvor hatte das Management noch die untere HĂ€lfte der Bandbreite von 8,1 bis 8,6 Milliarden im Auge. Vom Erlös sollen nur noch 5,5 bis 6,0 Prozent als operativer Gewinn ĂŒbrig bleiben. Zuvor hatte die UnternehmensfĂŒhrung noch die untere HĂ€lfte des Korridors von 6,0 bis 7,0 Prozent in Reichweite gesehen.
Als Grund der Prognosesenkung nannte Hella die schwache Fahrzeugproduktion. AuĂerdem hĂ€tten sich SerienanlĂ€ufe bei Kunden verschoben. Hinzu kam ein ungĂŒnstigerer Produktmix vor allem in China.
Das Unternehmen will weitere MaĂnahmen bei den Kosten ergreifen und sein Sparprogramm in Europa beschleunigen. Die Zusammenarbeit im Forvia-Konzern soll die Kosten senken. Zudem will Hella bei Investitionen sparen und das Umlaufvermögen besser im Griff halten.
Unterdessen baut Hella stĂ€rker auf GeschĂ€fte in Amerika und Asien. Im bisherigen Jahresverlauf erzielte der Autoleuchten-Hersteller nach eigenen Angaben dort rund zwei Drittel des Auftragseingangs. Dazu zĂ€hlten Heckleuchten und Karosseriebeleuchtung fĂŒr einen chinesischen Autohersteller sowie groĂe KundenauftrĂ€ge eines US-amerikanischen Herstellers fĂŒr Lichtelektronik und ein digitales Fahrzeugzugangssystem.

