Ryanair erwartet mehr FluggÀste - Kurssprung
03.11.2025 - 13:20:49(neu: aktualisierte Kursreaktion und angepasste Marktkapitalisierungen, Analystenstimme)
DUBLIN (dpa-AFX) - Europas gröĂter Billigflieger Ryanair IE00BYTBXV33 rechnet dank mehr neuer Jets von Boeing US0970231058 mit mehr Passagieren als zuletzt gedacht. Weil der kriselnde Hersteller frĂŒher liefert als erwartet, peilt Ryanair-Chef Michael O'Leary fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr bis Ende MĂ€rz 2026 nun 207 Millionen FluggĂ€ste an. Das sind ĂŒber drei Prozent mehr als im Vorjahr und eine Million mehr als bisher in Aussicht gestellt, wie das irische Unternehmen am Montag in Dublin mitteilte. Im Sommer verdiente Ryanair deutlich mehr als ein Jahr zuvor. Eine Gewinnprognose fĂŒr das laufende Jahr wagte O'Leary trotzdem nicht.
An der Börse wurden die Neuigkeiten nach anfĂ€nglichen Kursverlusten positiv aufgenommen: War der Kurs der Ryanair-Aktie am Morgen noch um bis zu dreieinhalb Prozent gesunken, drehte er am spĂ€ten Vormittag in die Gewinnzone. Um die Mittagszeit lag er mit zweieinhalb Prozent im Plus bei 26,90 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit rund 41 Prozent gewonnen. Zugleich wird es ĂŒber 80 Prozent teurer gehandelt als Ende 2019 - kurz bevor die Corona-Pandemie die Luftfahrt in aller Welt fast zum Erliegen brachte.
Inzwischen ist Ryanair an der Börse mehr als 28 Milliarden Euro wert und damit etwa dreimal so viel wie die Deutsche Lufthansa DE0008232125 mit gut 9 Milliarden. Die British-Airways-Mutter IAG ES0177542018 kommt immerhin auf etwa 22 Milliarden Euro, der britische Billigflieger Easyjet GB00B7KR2P84 auf umgerechnet rund 4 Milliarden Euro, und die französisch-niederlÀndische Air France-KLM FR001400J770 wird nur mit gut 3 Milliarden Euro bewertet.
In den vergangenen Jahren musste O'Leary seine WachstumsplĂ€ne allerdings mehrfach eindampfen. Grund dafĂŒr waren vor allem fehlende neue Flugzeuge. Denn Hauptlieferant Boeing steuerte nach AbstĂŒrzen und ZwischenfĂ€llen in eine immer tiefere Krise, und die Lieferung neuer Jets verspĂ€tete sich immer weiter.
Jetzt rechnet das Management damit, die noch fehlenden sechs Maschinen aus einer Bestellung von 210 Boeing-Jets rechtzeitig vor kommendem Sommer zu erhalten. Dadurch soll die Zahl der FluggĂ€ste im kommenden GeschĂ€ftsjahr auf 215 Millionen wachsen. Ab FrĂŒhjahr 2027 sollen dann die ersten Maschinen in der Langversion 737 Max 10 bei den Iren eintreffen. Bisher ist diese Variante des Jets aber noch nicht durch die Luftfahrtbehörde zugelassen und liegt ebenfalls Jahre hinter dem ursprĂŒnglichen Zeitplan zurĂŒck.
Der Ryanair-Konzern aus Dublin setzt auĂer bei seinem österreichischen Ableger Lauda auf eine reine Boeing-Flotte. Ende Oktober verfĂŒgte der Konzern insgesamt ĂŒber gut 640 Flugzeuge und ist davon abhĂ€ngig, dass Boeing ihn mit neuen Maschinen versorgt. Einzige Alternative ist der weltgröĂte Flugzeugbauer Airbus NL0000235190. Der Hersteller aus Europa ist jedoch bis ins neue Jahrzehnt hinein ausverkauft und kann die LĂŒcke deshalb nicht fĂŒllen.
Unterdessen lief Ryanairs GeschĂ€ft in der wichtigen Hauptreisezeit im Sommer wieder deutlich besser als ein Jahr zuvor: Im zweiten GeschĂ€ftsquartal von Juli bis September zĂ€hlte der mit 61,2 Millionen FluggĂ€sten zwar nur zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte jedoch um acht Prozent auf knapp 5,5 Milliarden Euro zu. Der Ăberschuss sprang sogar um ein FĂŒnftel auf gut 1,7 Milliarden Euro in die Höhe.
Die Ticketpreise hĂ€tten wieder das Niveau des Sommers 2023 erreicht, nachdem sie im vergangenen Sommerquartal um sieben Prozent gefallen waren, berichtete O'Leary. Im gesamten ersten GeschĂ€fthalbjahr von April bis September verdiente der Konzern mehr als 2,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Lufthansa dĂŒrfte nach EinschĂ€tzung von Experten im gesamten Jahr 2025 etwa 1,9 Milliarden Euro verdienen - und von dieser Summe gehen sogar noch Zinsen, Steuern und Sondereffekte ab.
O'Leary hielt es am Montag immer noch zu frĂŒh, ein belastbares Gewinnziel fĂŒr Ryanair abzugeben. Das Ergebnis solle aber auf jeden Fall höher ausfallen als im vergangenen GeschĂ€ftsjahr. Analysten zeigten sich von Ticketpreisen, Betriebskosten und Gewinn im abgelaufenen Quartal positiv ĂŒberrascht. Branchenexperte Axel Stasse von der US-Bank Morgan Stanley bemĂ€ngelte jedoch, dass sich der Vorstand zu keiner genaueren Gewinnprognose fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr durchringen konnte.

