AKTIEN IM FOKUS: Autobauer profitieren von AnnÀherung im Zollstreit mit China
24.06.2024 - 12:44:55Beide Seiten wollen miteinander verhandeln, wie bereits am Samstag bekannt geworden war. Zuvor hatte die EU-Kommission PlÀne veröffentlicht, nach denen chinesische E-Autos mit zusÀtzlichen Strafzöllen belegt werden sollen, sofern keine andere Lösung mit China gefunden werden sollte. Die EU wirft Peking vor, batteriebetriebene Modelle unfair zu subventionieren.
Um die Mittagszeit legte der europĂ€ische Autosektor EU0009658681 um 1,4 Prozent zu. Damit erholte er sich nach dem jĂŒngsten RĂŒcksetzer weiter von seinem Mitte Juni erreichten Tief seit Anfang Februar und belegte den ersten Platz im marktbreiten Stoxx Europe 600 EU0009658202. Das charttechnische Bild fĂŒr das Branchenbarometer könnte sich nun wieder etwas aufhellen, der AbwĂ€rtstrend seit April gebrochen werden. Der viel beachteten 200-Tage-Linie, die den langfristigen Trend beschreibt, nĂ€herte sich der Kurs wieder an.
Besonders deutliche Kursgewinne verzeichneten zu Wochenbeginn die Aktien der deutschen Autobauer. Im Dax DE0008469008 belegten BMW DE0005190003, Porsche AG DE000PAG9113, Volkswagen DE0007664039 und Mercedes-Benz DE0007100000 mit AufschlĂ€gen von 1,7 bis 3 Prozent vordere PlĂ€tze. Bei den französischen Herstellern verteuerten sich Stellantis NL00150001Q9 um 1,5 Prozent, wogegen es bei den gut gelaufenen Renault FR0000131906-Papieren nur fĂŒr ein minimales Plus reichte.
Analyst Gianmarco Migliavacca von der US-Investmentgesellschaft Neuberger Berman nannte die geplanten GesprĂ€che einen "Schritt in die richtige Richtung". Er erinnerte nochmals daran, dass chinesische Vergeltungszölle vor allem den deutschen Herstellern schaden wĂŒrden. Diese hĂ€tten zwar Gemeinschaftsunternehmen in China, die fĂŒr den lokalen Markt produzierten. Doch sie exportierten auch durch die Bank Premium-Fahrzeuge nach China, die einen groĂen Teil ihrer Einnahmen ausmachten. Bei BMW stĂŒnden die China-Ausfuhren fĂŒr etwa 9 Prozent und bei Mercedes-Benz und VW fĂŒr bis zu 12 Prozent der Erlöse.
Dagegen seien Volumenproduzenten wie Renault und Stellantis vergleichsweise wenig in China engagiert, so der Experte weiter. Sie könnten sogar von den angekĂŒndigten EU-Zölle auf chinesische Importe nach Europa profitieren.
Im bisherigen Jahresverlauf stehen bei den meisten europĂ€ischen Autotiteln Kursverluste zu Buche - die Ausnahmen sind Mercedes-Benz und mehr noch Renault. Ob Verhandlungen zwischen der EU und China die Streitpunkte aus dem Weg rĂ€umen und fĂŒr eine dauerhafte Erholung bei den Kursen der Autoaktien sorgen können, bleibt abzuwarten. Börsianer verwiesen hier auch auf einen skeptischen "Handelsblatt"-Bericht. Unter Berufung auf Kommissionskreise heiĂt es dort, man zweifle an Chinas Bereitschaft, seine Subventionspolitik grundsĂ€tzlich zu Ă€ndern.

