Europa Schluss: Gewinne - Anleger im Zollstreit optimistisch
08.07.2025 - 18:14:02 | dpa.deIm Handelsverlauf wurden die weiter bestehenden Unklarheiten in den Zollstreitigkeiten mit den USA abgeschĂŒttelt und wichen einem wachsenden Optimismus.
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte am Montag nach dem europĂ€ischen Börsenschluss die Frist der bislang fĂŒr diesen Mittwoch angepeilten US-Zölle auf den 1. August verschoben. Dabei schob er letztlich aber noch hinterher, dass auch diese neue Frist "nicht zu 100 Prozent fest steht". Am Dienstag schrieb allerdings auf seiner Plattform Truth Social: "An diesem Datum hat sich nichts geĂ€ndert, und es wird sich auch nichts Ă€ndern. Mit anderen Worten: Alle BetrĂ€ge sind ab dem 1. AUGUST 2025 fĂ€llig". Er ergĂ€nzte: "Es werden keine VerlĂ€ngerungen gewĂ€hrt."
Der EuroStoxx 50 EU0009658145, der Leitindex der Euroregion, legte letztlich um 0,57 Prozent auf 5.371,95 Punkte zu. AuĂerhalb des Euroraums schĂŒttelte der Schweizer SMI CH0009980894 seine Verluste ab und schloss 0,13 Prozent höher auf 11.970,65 Punkten. Der bekannteste britische Index, der FTSE 100 GB0001383545 ("Footsie), gewann 0,54 Prozent auf 8.854,18 Punkte.
"Die Trump-Administration scheint an einer weiteren Eskalation der Handelsstreitigkeiten kein Interesse zu haben" und brauche wohl fĂŒr die Zollvereinbarungen mit den verschiedenen LĂ€ndern mehr Zeit, schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Die neue Frist habe dabei den Zweck, den Druck auf die Handelspartner zu erhöhen.
Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets verwies auf nach wie vor bestehende Erwartungen, dass es noch zu einer Verhandlungslösung zwischen Europa und den USA kommen werde. "Trump folgt weiterhin seinem Muster, erst Drohungen auszusprechen, um danach verhandlungsbereit zu sein." Dabei habe der US-PrĂ€sident wohl eingesehen, dass eine Inkraftsetzung der reziproken Zölle den laufenden Verhandlungen eher schaden wĂŒrde, als ihnen zu nutzen.
Unter den einzelnen Branchen Europas gab es mehr Gewinner als Verlierer, wobei der Immobiliensektor besonders deutlich nachgab, wĂ€hrend der Autosektor am deutlichsten zugelegte. Immobilienwerte reagierten auf anziehende Renditen am Anleihemarkt, was zinssensible Werte belastete. Die US-Bank Jefferies wies zudem darauf hin, dass sich der deutsche Markt fĂŒr Gewerbeimmobilien abschwĂ€che.
Unter den Einzelwerten schlossen Vestas DK0061539921 mit minus 3,4 Prozent. Analyst Akash Galupta von JPMorgan verwies auf eine Forderung Trumps nach neuen Richtlinien fĂŒr Hersteller von Wind- und Sonnenkraftanlagen, die Steuererleichterungen fĂŒr die Branche erschweren sollen. Unter den europĂ€ischen Herstellern von Windkraftanlagen hat Vestas ein besonders bedeutendes US-GeschĂ€ft.
Gefragt waren dagegen Pernod Ricard FR0000120693 mit plus 3,2 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte das Kursziel zwar von 120 auf 110 Euro gesenkt, aber die Kaufempfehlung "Buy" bekrÀftigt. Analyst Olivier Nicolai betonte die attraktive Bewertung der Aktie. Der Wert des Indien-GeschÀfts werde von Anlegern unterschÀtzt.
In der Schweiz sprangen die Papiere des finanziell angeschlagenen Batterieherstellers Leclanche CH0110303119 um knapp 20 Prozent hoch. Das Unternehmen wird eine Subvention aus dem EU-Innovationsfonds erhalten, der Projekte zur Herstellung von Batterien fĂŒr Elektrofahrzeuge in ganz Europa unterstĂŒtzt.
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