AKTIEN IM FOKUS 2: Kriegsverlierer gefragt mit Waffenruhe - Ölsektor unter Druck
08.04.2026 - 11:34:45 | dpa.de(neu: Aktualisiert mit mehr Details und Werten.)
FRANKFURT/PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die großen Kursverlierer des Kriegs im Nahen Osten sind mit der vereinbarten Waffenruhe am Mittwoch die größten Gewinner. An die Spitze des Sektortableaus setzten sich die Aktien der Reise- und Freizeitbranche CH0019112744 mit einem Plus von 7,3 Prozent. Sie hatten seit Beginn des Kriegs Ende Februar 10 Prozent eingebüßt. Am deutschen Aktienmarkt gewannen Lufthansa DE0008232125 fast 11 Prozent und Tui DE000TUAG505 knapp 12 Prozent.
Auch Papiere von Herstellern von Industriegütern EU0009658905 wie Siemens DE0007236101 und der Bausektor EU0009658889 waren überdurchschnittlich gefragt. Beide Sektoren hatten prozentual zweistellig verloren seit Kriegsbeginn und damit mehr als der Stoxx 600 Index EU0009658202 als Gradmesser für den europäischen Gesamtmarkt. Siemens Energy DE000ENER6Y0 schnellten um über 10 Prozent nach oben und Siemens um 9,4 Prozent.
Im Bausektor erholten sich Heidelberg Materials DE0006047004 um 9,5 Prozent. Auch Bilfinger DE0005909006 und Hochtief DE0006070006 legten kräftig zu. Vor allem die Sorgen um das weltweite Wachstum in der Folge des Kriegs hatten den Industriegüter- und den Bausektor schwer belastet. Beide Branchen gelten als besonders konjunktursensibel.
Das trifft auch auf den Technologiesektor EU0009658921 zu, der am Mittwoch ebenfalls zu den Top-Gewinnern zählte mit einem Plus von 6,6 Prozent. Hier war zuvor die Unterbrechung von globalen Lieferketten erschwerend hinzugekommen, unter denen vor allem die Hersteller von Halbleitern leiden. Die Erleichterung über die nun ausgehandelte Waffenruhe verhalf Infineon DE0006231004-Aktien zu einem Aufschlag von fast 11 Prozent.
Hoch in der Gunst der Anleger standen ferner die Banken EU0009658806, die im europäischen Mittel über 6 Prozent gewannen. Commerzbank DE000CBK1001 verteuerten sich um 10 Prozent und Deutsche Bank DE0005140008 um 7 Prozent. Eine kriegsbedingt schwache Konjunktur würde die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Verbrauchern schmälern. Hinzu kommen inflationsbedingt höhere Kapitalmarktzinsen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war nach Kriegsbeginn von 2,65 auf 3,08 Prozent stark gestiegen. Kursverluste im Anleihengeschäft und Kreditausfälle drohten.
Großer und neben den Versorgern EU0009658962 einziger Verlierer war der Öl- und Gassektor EU0009658780, der 3,5 Prozent einbüßte - seit Kriegsbeginn aber über 14 Prozent gewonnen hatte, mit immer weiteren Rekordmarken. Die Energieproduzenten waren der große Profiteur des Nahost-Konflikts mit Ölpreisen von über 100 US-Dollar. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete in der Spitze sogar fast 120 Dollar.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

