Handwerk, Prämien

Handwerk lehnt neue Prämien ab und kämpft um Steuerbonus

21.04.2026 - 08:22:37 | boerse-global.de

Der Bundesrechnungshof hält den Steuerabzug für Handwerkerleistungen für ineffektiv und fordert dessen Ende. Handwerksverbände lehnen dies und alternative Prämienmodelle der Regierung entschieden ab.

Handwerk lehnt neue Prämien ab und kämpft um Steuerbonus - Foto: über boerse-global.de
Handwerk lehnt neue Prämien ab und kämpft um Steuerbonus - Foto: über boerse-global.de

Während die Regierung neue Prämienmodelle plant, fordert der Bundesrechnungshof die komplette Abschaffung des bestehenden Steuerabzugs – und das Handwerk wehrt sich geschlossen.

ZDH und Länderverbände attackieren Regierungspläne

Mitte April 2026 formiert sich im deutschen Handwerk massiver Widerstand gegen die jüngsten fiskalpolitischen Vorhaben der Bundesregierung. Am 20. April 2026 äußerte Uwe Nostitz, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, erhebliche Zweifel an der geplanten 1.000-Euro-Entlastungsprämie für Beschäftigte. Der Verband mit über 54.000 Mitgliedsbetrieben hält den Vorschlag für kaum umsetzbar. Die meisten Handwerksunternehmen verfügten schlicht nicht über die nötige Liquidität für solche freiwilligen Zahlungen.

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Diese regionale Position deckt sich mit der Linie des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Dessen Präsident Jörg Dittrich forderte die Regierung bereits am 18. April 2026 auf, das Prämienmodell fallen zu lassen. Es schaffe eine Zweiklassengesellschaft zwischen finanzstarken und schwächeren Betrieben. Statt temporärer Maßnahmen verlangt der ZDH nachhaltige Entlastung durch Steuerreformen und die Senkung von Sozialabgaben.

Der Grund für diese Abwehrhaltung ist die unklare Zukunft des Handwerkerbonus nach Paragraf 35a Einkommensteuergesetz. Seit Monaten sehen sich die Verbände doppelt unter Druck: Einerseits prüft der Bundesrechnungshof die bestehenden Vergünstigungen, andererseits entwickelt die Regierung alternative – und umstrittene – Bonusmodelle.

Rechnungshof hält an Forderung nach Abschaffung fest

Die aktuelle Spannung hat ihren Ursprung in einem Bericht des Bundesrechnungshofs vom 11. Dezember 2025. Die obersten Bundesprüfer bekräftigten darin ihre langjährige Forderung, den Steuerabzug für Handwerkerleistungen abzuschaffen. Ihrer Ansicht nach hat die Maßnahme ihre primären Ziele verfehlt.

Laut dem Bericht löst der Bonus vor allem Mitnahmeeffekte aus. Das heißt: Der Steuervorteil wird oft für Arbeiten in Anspruch genommen, die auch ohne Anreiz in Auftrag gegeben worden wären. Zudem gebe es keine belastbaren Belege, dass der Bonus die Schwarzarbeit nennenswert reduziere oder die Wettbewerbsposition kleiner und mittlerer Unternehmen stärke.

Dagegen wehrten sich regionale Handwerksorganisationen wie die Kreishandwerkerschaft Ruhr bereits Anfang 2026. Sie betonen, das aktuelle System sei ein transparentes und wirksames Instrument zur Förderung legaler Verträge und zur Sicherung regionaler Beschäftigung. Der Rechnungshof hält dagegen: Der Verwaltungsaufwand für die Finanzämter sei unverhältnismäßig hoch. Rund 80 bis 90 Prozent der Anträge würden aufgrund automatisierter Freigrenzen ohne Einzelprüfung bearbeitet.

Milliarden-Volumen und verschärfte Regeln

Das finanzielle Volumen des umstrittenen Bonus ist beträchtlich. Nach Angaben des Rechnungshofs nutzten 2024 etwa 12 Millionen Steuerzahler den Abzug. Für den Staat entstand daraus ein Steuerausfall von 2,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2014 lag das Minus noch bei 1,5 Milliarden Euro.

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Während die Zukunft des Bonus politisch umkämpft ist, haben jüngste Gesetzesänderungen die Anforderungen bereits verschärft. Seit dem Jahressteuergesetz 2024 gelten für alle haushaltsnahen Dienstleistungen einheitliche Regeln. Um den Abzug nach Paragraf 35a in Anspruch zu nehmen, müssen Steuerzahler seit 2025 eine Rechnung vorlegen und den Zahlungseingang per Überweisung auf das Konto des Dienstleisters nachweisen. Diese Maßnahmen sollen Missbrauch erschweren – für den Rechnungshof bleibt das Gesamtkonzept dennoch fehlerhaft.

Blick nach Österreich: Ein Modell vor dem Aus?

Die Debatte in Deutschland findet ein Spiegelbild im Nachbarland Österreich. Dort lief der ähnlich konzipierte „Handwerkerbonus“ Ende 2025 aus. Seit April 2026 ist die Antragsfrist für das Jahr 2025 geschlossen, Nachbesserungen sind nicht mehr möglich.

Österreichische Behörden bereiten derzeit einen Evaluierungsbericht vor, der im zweiten Quartal 2026 erwartet wird. Er soll Aufschluss über die tatsächliche Wirkung des Bonus auf das Baugewerbe und die Steuereinnahmen geben. Deutsche Politiker und Branchenexperten beobachten diese Ergebnisse aufmerksam – sie könnten die Zukunft des deutschen Pendants maßgeblich beeinflussen.

Was bedeutet das für Handwerker und Hausbesitzer?

Die Kollision zwischen neuen Prämienvorschlägen der Regierung und der Abschaffungsforderung des Rechnungshofs sorgt für Verunsicherung in den Betrieben. Würden die Empfehlungen der Prüfer umgesetzt, verlören Millionen Hausbesitzer ein beliebtes Instrument zur Senkung von Sanierungskosten.

Das deutsche Handwerk pocht Ende April 2026 weiter auf den Erhalt des bestehenden Steuerrahmens. Aus Sicht der Verbände würde eine Abschaffung des Bonus bei gleichzeitiger Einführung neuer, bürokratischer Prämien den wirtschaftlichen Druck auf kleine Betriebe weiter erhöhen. Der etablierte Steuerabzug gilt vorerst weiter. Doch die anstehenden Evaluierungen und der anhaltende Druck aus Berlin deuten an: Die Ära des einfachen Handwerkerbonus könnte bald zu Ende gehen.

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