Firmen, Sanktionen

Deutsche Firmen wollen trotz Sanktionen in Russland bleiben

01.01.2026 - 15:10:43

Hunderte deutsche Firmen wollen laut einer Umfrage ungeachtet der immer schÀrferen Sanktionen des Westens im Zuge des Moskauer Angriffskrieges weiter in Russland GeschÀfte machen.

"Nur vier Prozent der deutschen Firmen planen einen Marktaustritt", sagt der Vorstandschef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, mit Blick auf eine neue Umfrage zum GeschĂ€ftsklima in Russland. Viele befĂŒrchteten, bei einem Weggang viel Geld zu verlieren.

"Wer nach vier Jahren Blutvergießen und Sanktionen noch hier in Russland ist, will durchhalten", sagt Schepp der Deutschen Presse-Agentur in Moskau zu der Umfrage unter rund 260 Unternehmern. Die Bedeutung des russischen Marktes werde weiter geschĂ€tzt. Demnach sind im flĂ€chenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸten Land der Erde SchĂ€tzungen zufolge noch rund 2.000 deutsche Unternehmen aktiv.

Die Kammer schĂ€tzt die deutschen Vermögenswerte in Russland auf mehr als 100 Milliarden Euro. "Die deutschen Vermögen wachsen sogar, weil die russischen Gesetze verhindern, dass Gewinne in grĂ¶ĂŸerem Maß transferiert werden können", sagt Schepp. Sie sollten geschĂŒtzt werden, statt sie dem russischen Staatsbudget oder kremlnahen Magnaten zu ĂŒbereignen.

Insgesamt hĂ€tten sich das GeschĂ€ftsklima in Russland und die Erwartungen der deutschen Unternehmen spĂŒrbar eingetrĂŒbt. Mehr als die HĂ€lfte der Firmen erwartet demnach eine negative wirtschaftliche Entwicklung in Russland im nĂ€chsten Jahr. Es drohe eine weitere VerschĂ€rfung der Sanktionen, sollte der Krieg nicht enden.

Schepp: Firmen sehen grĂ¶ĂŸeren Schaden fĂŒr Deutschland

Mehr als die HĂ€lfte der deutschen Unternehmen sieht laut der Umfrage, die dpa vorliegt, in den Strafmaßnahmen - anders als der Kreml - "einen starken oder sehr starken Schaden" fĂŒr die russische Wirtschaft, erklĂ€rt Schepp. "49 Prozent der deutschen in Russland aktiven Firmen sind aber auch der Meinung, dass die Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland."

Aus Sicht Schepps unterschĂ€tzen die deutsche und die europĂ€ische Politik bei den Sanktionen die "WiderstandsfĂ€higkeit der russischen Wirtschaft". "Mangelnde Information fĂŒhren zu Fehlkalkulationen ĂŒber die tatsĂ€chliche Lage in Russland - und das bei Fragen von Krieg und Frieden", sagt Schepp.

"Wunschdenken und teilweise auch RealitĂ€tsverweigerung fĂŒhren regelmĂ€ĂŸig dazu, dass auch die LeidensfĂ€higkeit der russischen Bevölkerung unterschĂ€tzt wird", meint er. "Im Wirtschaftskrieg, der das Blutvergießen in der Ukraine begleitet, ist es eine sehr ehrgeizige Wette, wenn europĂ€ische Politiker darauf setzen, dass mehr Sanktionen und wirtschaftlicher Druck Russland an den Verhandlungstisch und zu ZugestĂ€ndnissen zwingen werden", sagt er.

Wachstum erwarten laut Umfrage vor allem die Bereiche IT und Telekommunikation, Pharma und Gesundheitswesen sowie Land- und ErnĂ€hrungswirtschaft. Die Auslandshandelskammer ist mit 750 Mitgliedern nach eigenen Angaben der grĂ¶ĂŸte auslĂ€ndische Wirtschaftsverband in Russland.

@ dpa.de