Immobilienmarkt 2035: Studie zeigt massive regionale Unterschiede
31.03.2026 - 05:31:10 | boerse-global.deDer deutsche Immobilienmarkt spaltet sich bis 2035 in Gewinner- und Verliererregionen. Eine neue Studie prognostiziert Wertsteigerungen von ĂŒber 30 Prozent in wirtschaftsstarken Gebieten â und Verluste von bis zu 20 Prozent in strukturschwachen Kreisen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) haben eine detaillierte Prognose fĂŒr alle 400 Landkreise vorgelegt. Ihr Ergebnis: Die wirtschaftliche ZentralitĂ€t entscheidet ĂŒber die Zukunft der Immobilienpreise. WĂ€hrend der bundesweite Medianpreis bis 2035 auf voraussichtlich 4.092 Euro pro Quadratmeter steigt, verbirgt sich hinter diesem nominalen Plus von 35 Prozent eine extreme regionale Spreizung.
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Inflationsbereinigt rechnen die Experten nur noch mit einem realen Durchschnittswachstum von 1,1 Prozent pro Jahr. Fast 160 Kreise mĂŒssen sogar mit sinkenden Preisen rechnen.
Die groĂen Gewinner: Metropolen und ihr Umland
Die stĂ€rksten ZuwĂ€chse erwarten die Analysten weiterhin in den Top-7-StĂ€dten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und MĂŒnchen. Doch die Dynamik verschiebt sich: Das direkte Umland der Metropolen legt oft stĂ€rker zu als die Stadtkerne selbst.
Regionen wie Erding, Landshut oder der Landkreis MĂŒnchen profitieren von hoher Wirtschaftskraft und knappem Bauraum in den Zentren. Auch in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg zeigen sich viele lĂ€ndliche Kreise robust. Eine starke Industrie, hohe Einkommen und stabile Demografie treiben hier die Preise â teilweise um mehr als zwei Prozent pro Jahr.
Im Osten ragen Leipzig, Dresden und Potsdam als LeuchttĂŒrme heraus. Leipzig erwartet einen der bundesweit stĂ€rksten Anstiege, getrieben durch anhaltenden Zuzug und wachsende Wirtschaftskraft.
158 Kreise im AbwÀrtstrend: Bis zu 20 Prozent Wertverlust
Auf der anderen Seite stehen 158 Kreise, die mit realen Wertverlusten rechnen mĂŒssen. Betroffen sind Regionen mit schrumpfender, alternder Bevölkerung und schwachen ArbeitsmĂ€rkten.
Diese Verlustgebiete konzentrieren sich auf weite Teile Ostdeutschlands auĂerhalb der Zentren, das Saarland, lĂ€ndliche Kreise in Rheinland-Pfalz sowie Teile des Ruhrgebiets. In besonders hart getroffenen Gebieten wie dem Erzgebirgskreis, der Vulkaneifel oder in Kronach könnten Immobilien bis 2035 fast ein FĂŒnftel ihres Wertes einbĂŒĂen.
Hier liegt der Fokus kĂŒnftig nicht mehr auf Neubau, sondern auf Sanierung. Die Schere zwischen energieeffizienten und unsanierten Objekten geht immer weiter auseinander. KĂ€ufer rechnen Sanierungskosten bereits heute in ihre Gebote ein â das erhöht den Druck auf veraltete Immobilien in schwachen Lagen.
Wirtschaftliche Anbindung wird zum entscheidenden Faktor
Die klassische Unterscheidung zwischen Stadt und Land verliert an Bedeutung. Stattdessen entscheidet die wirtschaftliche ZentralitÀt: Wie gut ist die Anbindung an dynamische ArbeitsmÀrkte? Welche Branchenstruktur herrscht vor Ort?
Regionen, die stark von der Automobilindustrie oder energieintensiven Branchen abhÀngen, stehen vor besonderen Risiken. Der Umbau zur klimaneutralen Produktion kann kurzfristig ArbeitsplÀtze und Kaufkraft kosten. Ein Beispiel ist die Region um Zwickau, die mitten im Strukturwandel steckt.
WĂ€hrend sich die Marktwerte regional spalten, bleiben die formalen Anforderungen an Vermieter hoch â besonders bei der Anpassung an neue Marktgegebenheiten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie notwendige Anpassungen rechtssicher und ohne formale Fehler umsetzen. So setzen Sie Ihre Mieterhöhung 100 % rechtssicher durch
Gleichzeitig sorgt die geopolitische Lage fĂŒr neue Unsicherheiten. Konflikte im Nahen Osten treiben die Energiepreise und beeinflussen die Inflationserwartungen. Die Bauzinsen, die nach der letzten EZB-Zinssenkung auf etwa 2,0 Prozent gefallen waren, nĂ€hern sich wieder der 4,0-Prozent-Marke. Diese Entwicklung bremst die Markterholung leicht aus.
Kaufen oder mieten? Die Rechnung Àndert sich
FĂŒr Selbstnutzer verschiebt sich die RentabilitĂ€tsrechnung. Die Neuvertragsmieten sind im Bestand bundesweit um bis zu vier Prozent gestiegen. In vielen FĂ€llen liegen die monatlichen Kosten fĂŒr Zins und Tilgung mittlerweile gleichauf mit der Miete fĂŒr ein vergleichbares Objekt.
Das macht den Kauf trotz gestiegener Zinsen wieder attraktiver â sofern Eigenkapital vorhanden ist. Allerdings zeigt sich eine klare Trennung: Neubauten verzeichnen weiterhin PreiszuwĂ€chse, Bestandsimmobilien bleiben weitgehend stabil.
KÀufer haben heute wieder eine stÀrkere Verhandlungsposition, besonders bei Objekten mit veralteter Energieeffizienz. Die Zeit pauschaler Preissteigerungen ist vorbei. Die individuelle Lage und der energetische Zustand sind die neuen WÀhrungen am Markt.
Was bis 2035 auf KĂ€ufer und EigentĂŒmer zukommt
FĂŒr die kommenden Jahre prognosticieren Experten einen moderaten, aber stetigen AufwĂ€rtstrend in den Top-Lagen. Das Preisniveau von vor der Zinswende 2022 könnte in den Metropolen bereits 2027 wieder erreicht werden.
Dennoch bleibt das Marktumfeld volatiler als in der Niedrigzinsphase der 2010er Jahre. Die Botschaft der Studie ist klar: Immobilienbesitzer in starken Regionen können auf soliden Vermögensaufbau hoffen. In schrumpfenden Gebieten sollte die Eigennutzung im Vordergrund stehen â nicht die Spekulation auf Wertsteigerung.
Kaufinteressenten sollten die regionale Einordnung ihrer Wunschimmobilie genau prĂŒfen. Experten sehen derzeit ein gĂŒnstiges Zeitfenster fĂŒr den Einstieg, sofern die Finanzierung langfristig trĂ€gt. Die Transformation des GebĂ€udesektors bleibt der zentrale Treiber: Immobilien mit hoher Energieeffizienz versprechen die gröĂte WertstabilitĂ€t bis 2035.
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